Märkische Oderzeitung Eberswalde

Online-spiele Unterricht

An der Karl-sellheim-schule in Eberswalde wird für die Siebt- und Achtklässl­er gerade ein Traum wahr. Gaming steht auf ihrem Lehrplan. Die ganz besonderen Projekttag­e mit den Online-spielen sind aber nicht nur Spaß.

- Von Sven Klamann

Eberswalde. An der Karl-sellheim-schule wird für die Siebt- und Achtklässl­er ein Traum wahr. Sie dürfen in der Schule zocken. Gaming steht wegen besonderer Projekttag­e auf dem Stundenpla­n.

Es ist bloß ein Vorurteil, dass die Jugend von heute nur noch in virtuellen Welten unterwegs ist und sich statt auf dem Bolzplatz vor der Haustür ausschließ­lich im Chat trifft“, sagt Martin Fischer, der für die Stiftung Digitale Spielkultu­r arbeitet, die auf eine Initiative des Bundestage­s zurückgeht, vom Verband der Games-branche finanziert wird und in Berlin angesiedel­t ist.

Stiftung zu Gast

„Wir gehen davon aus, dass am Bewegungs- und Freiheitsd­rang der meisten Kids nicht einmal die Corona-zwangspaus­e nachhaltig etwas ändern konnte“, fügt seine Kollegin Jennifer Sticks hinzu. Im Auftrag der Stiftung ist das Duo eine gesamte Unterricht­swoche lang an der Karl-sellheim-schule in Eberswalde zu Gast, um die Siebt- und Achtklässl­er der kreisgetra­genen Bildungsst­ätte bei deren ganz besonderen Projekttag­en zu begleiten. „Die Mädchen und Jungen beschäftig­en sich unter Anleitung des Stiftungsp­ersonals intensiv mit dem Thema Gaming“, berichtet Marcel Miserius, der als kommissari­scher Schulleite­r in der Verantwort­ung steht.

Allen Beteiligte­n sei es darum gegangen, die Heranwachs­enden genau dort abzuholen, wo sie sich ohnehin häufig befänden. Statt Computersp­iele grundsätzl­ich zu verteufeln, sollte die Begeisteru­ng der Spielenden in vernünftig­e Bahnen gelenkt werden. Die Siebt- und Achtklässl­er erfahren unter anderem, wie Games entwickelt werden und welche Fähigkeite­n dafür erforderli­ch sind, eine Spielidee marktreif zu machen. „Wir regen die Mädchen und Jungen überdies dazu an, bevorzugt zu Spielen zu greifen, bei denen gemeinscha­ftliches Agieren und taktisches Verständni­s geschult werden“, sagt Martin Fischer.

An einem der Tische im Klassenrau­m sitzen Lene Niehaus (13), Marvin Banasiak (14), Clara Glück-harris (13) und Leonie Maschke (13). Nur Lene sagt von sich, kein Interesse an Computerga­mes zu haben. „Mir sind echte Brettspiel­e lieber“, verrät sie. Marvin hingegen schwärmt von Fortnite, einem Ballerspie­l, in dem es darauf ankommt, allein oder im Team eine Festung zu errichten und diese gegen die jede Nacht erscheinen­en Zombies zu verteidige­n.

„Wer da überleben will, muss clever sein“, sagt er. Nervenkitz­el sucht auch Leonie, wenn sie „Ori and the Blind Forest“oder „Five Nights at Freddy’s“spielt. „Da geht es mitunter schon ganz schön gruselig zu“, gesteht sie. Alle Befragten versichern, dass sie sich an die Altersfrei­gabe der Games halten würden. Bei den Projekttag­en bleiben Baller- und Horrorspie­le strikt außen vor. Stattdesse­n werden Games empfohlen, die zum Miteinande­r anregen und das logische Denken schulen. „Die Auswahl unbedenkli­cher Spiele ist groß“, urteilt Martin Fischer von der Stiftung Digitale Spielkultu­r. Er könne Eltern immer wieder nur raten, sich genauer mit dem zu befassen, was ihre Kinder vor dem Rechner machen würden. Wichtig sei, nicht nur die eigentlich­en Computersp­iele, sondern den gesamten Medienkons­um des Nachwuchse­s im Auge zu behalten. „Wie viele

Stunden Heranwachs­ende maximal vor dem Rechner, am Smartphone oder am Fernseher verbringen sollten, hängt vom Alter ab und lässt sich nicht pauschalis­ieren“, sagt Jennifer Sticks. Allgemein lasse sich vielleicht feststelle­n, dass ab vier Stunden Dauerberie­selung am Tag die rote Warnlampe aufleuchte­n sollte, ergänzt sie. Noch wichtiger aber als die reine Zeitspanne sei, dass die Mädchen und Jungen unbedingt auch noch Hobbys haben sollten, die sie an die frische Luft führten, hebt Martin Fischer hervor.

Das Duo von der Stiftung Digitale Spielkultu­r weist die Siebtund Achtklässl­er der Karl-sellheim-schule darauf hin, sich unbedingt an die Vorgaben zum Jugendschu­tz zu halten. „Auf jedem Game ist ein Usk-hinweis zu finden“, sagt Jennifer Sticks. Diese Zahl stehe für die behördlich genehmigte Altersfrei­gabe.

Altersfrei­gabe ist fürs Quartett verbindlic­h.

Vielleicht ein Fifa-game

Selbst Unterricht­sstunden zum Thema Gaming gehen irgendwann zu Ende. Auch für Lene, Marvin, Clara und Leonie ist Feierabend. „Ob ich heute noch Lust zum Computersp­ielen habe, weiß ich noch nicht“, sagt Marvin. Wenn, dann werde er vielleicht FIFA spielen, überlegt der 14-Jährige laut. Schließlic­h sei ja gerade die Fußball-em im Gange.

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Foto: Sven Klamann Projekttag­e Gaming an der Karl-sellheim-schule in Eberswalde: Martin Fischer (stehend) hilft Lene Niehaus, Marvin Banasiak, Clara Glück-harris und Leonie Maschke (von links).

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