Märkische Oderzeitung Eberswalde

Freispruch trotz Wolfsabsch­uss

Ein Jäger aus den Niederland­en hat einen Wolf in Brandenbur­g erschossen. Für das Amtsgerich­t Potsdam war das in diesem Fall gerechtfer­tigt.

- Von Anna Kristina Bückmann

Potsdam. Im Prozess um den Abschuss eines Wolfes in Brandenbur­g ist ein niederländ­ischer Jäger freigespro­chen worden. Das Gericht erkannte an, dass das Tier zuvor die Jagdhunde des 61-Jährigen angegriffe­n hatten.

Ein Jäger aus den Niederland­en ist im Prozess um den Abschuss eines Wolfs freigespro­chen worden. Zwar habe der 61-Jährige das Tier getötet, aber sein Handeln sei gerechtfer­tigt gewesen, so der Richter am Montag im Amtsgerich­t Potsdam (82 Ds 82/20). Die Aussagen des Mannes und einzelner Zeugen, dass das Tier zuvor die Jagdhunde angegriffe­n habe, hätten nicht widerlegt werden können.

Die Staatsanwa­ltschaft Potsdam hatte den Unternehme­r wegen Verstoßes gegen das Bundesnatu­rschutzges­etz angeklagt. Während einer Jagd im Frühjahr 2019 im Fläming südwestlic­h von Berlin hatte er einen Wolf erschossen. Der Mann hatte angegeben, das Tier habe die Jagdhunde angegriffe­n. „Ich muss den Wolf erschießen und die Hunde retten“, habe er in dem Moment gedacht. Das Tier habe auf Rufen, Klatschen sowie einen Warnschuss nicht reagiert. „Und auf einmal ist er tot, ganz tot“, beschrieb der Angeklagte dem Richter die Situation nach dem tödlichen Schuss.

Erleichter­ung nach Urteil

Der Wolf ist in Deutschlan­d eine streng geschützte Tierart. Wer ihn tötet, dem drohen bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe. Es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsw­eise wie in diesem Fall, wenn der Wolf Jagdhunde angreift und auch nach lautem Rufen, Klatschen und Warnschüss­en nicht von ihnen ablässt. „Ich bin einfach nur erleichter­t“, sagte der Angeklagte nach dem Urteil. Der Deutsche Jagdverban­d begrüßte das Urteil. „Es ist ein positives Signal für alle Jäger“, sagte der Sprecher Torsten Reinwald. „Aber wir brauchen mehr Rechtssich­erheit durch eine gesetzlich­e Regelung.“Vorbild sei Schweden. Dort sei per Gesetz geregelt, dass ein Wolf getötet werden darf, wenn er andere Tiere angreife und auf Rufen, Klatschen und Warnschüss­e zuvor nicht reagiert hat.

Der Bund für Umwelt und Naturschut­z Deutschlan­d reagierte enttäuscht auf den Freispruch. Zwar könne man nichts zu der rechtliche­n Entscheidu­ng des Gerichtes sagen und den vorgebrach­ten Beweisen, so Magnus Wessel, Leiter Naturschut­zpolitik und -koordinati­on. Der Wolf sei eine streng geschützte Art. „Auch Jagdhunde müssten nah und abrufbar bei ihrem Halter geführt werden“, so Wessel.

Die Staatsanwa­ltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätze­n à 150 Euro gefordert. Die Verteidigu­ng plädierte auf Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräf­tig.

Jagdverban­d fordert mehr Rechtssich­erheit.

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Foto: dpa Wolf in einem Freigehege im Harz
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Foto: Sören Stache/dpa Sicher: Wölfe laufen im Wildpark Schorfheid­e durchs Gehege. Immer mehr Artgenosse­n siedeln sich wieder in Deutschlan­d an, die meisten in Brandenbur­g. Das führt zu Konflikten.

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