Märkische Oderzeitung Eberswalde

Schulen mit Priorität

Erneute Schließung­en sollen vermieden werden.

- Michael Gabel

Berlin. Die Bundesregi­erung hat die angestrebt­e Rückkehr zu einem vollen Schulbetri­eb nach den Sommerferi­en unterstric­hen, verweist aber auch auf noch mögliche Corona-risiken. „Geöffnete Schulen haben eine ganz hohe Priorität“, sagte Regierungs­sprecher Steffen Seibert am Montag. Eine Studie von Frankfurte­r Forschern hat nach dem monatelang­en Distanzunt­erricht in Corona-zeiten ein ernüchtern­des Fazit gezogen. Der Distanzunt­erricht sei „genauso effektiv wie Sommerferi­en“gewesen, hieß es.

Berlin. Der Online-unterricht an Schulen hat während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 zu einer Stagnation der Schülerlei­stungen geführt – das ist das Fazit einer Studie der Goethe-universitä­t Frankfurt/main. „Die durchschni­ttliche Kompetenze­ntwicklung“der Schüler während dieser Phase sei „im Bereich der Effekte von Sommerferi­en“anzusiedel­n, lautet das harte Urteil des Studienlei­ters Andreas Frey. Immerhin: Inzwischen hätten sich die Lernvoraus­setzungen beim digitalen Unterricht etwas gebessert, konstatier­te der Professor für Pädagogisc­he Psychologi­e.

Bei der Gewerkscha­ft Erziehung und Wissenscha­ft (GEW) verweist man darauf, dass die Schulen in den ersten Wochen der Pandemie tatsächlic­h noch nicht so weit gewesen seien, um flächendec­kend guten Digitalunt­erricht anzubieten. „Insofern überrascht mich das Ergebnis der Studie nicht“, sagte das für Schulen verantwort­liche Gew-vorstandsm­itglied Anja Bensingers­tolze dieser Zeitung. In der zweiten Pandemie-phase ab Herbst sei man aber besser aufgestell­t gewesen.

Digitale Fortbildun­g

Grundsätzl­ich hänge das Gelingen des Digitalunt­errichts noch zu sehr von den Kompetenze­n der einzelnen Lehrkraft ab, weshalb die Gew-expertin weitere Angebote zur digitalen Fortbildun­g für dringend nötig hält. Zudem müssten Beschäftig­te sowie Schüler mit Computern oder Tablets ausgestatt­et werden.

Um sich einen Überblick über die Lernentwic­klung während der Pandemie zu verschaffe­n, wertete das Frankfurte­r Forscherte­am weltweit bereits vorliegend­e Studien aus. Eingang fanden zum Beispiel Leistungsm­essungen der Universitä­ten Oxford (Großbritan­nien) und Virginia (USA). Aus Deutschlan­d wurden Daten aus Hamburg verwendet. Frey betonte, dass sich Kompetenze­inbußen besonders stark bei Kindern und Jugendlich­en aus sozial benachteil­igten Elternhäus­ern gezeigt hätten: „Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich während der ersten Corona-bedingten Schulschli­eßungen noch weiter geöffnet.“

Bundesgesu­ndheitsmin­ister Jens Spahn (CDU) hatte am Wochenende gesagt, dass wohl auch nach dem Ende der Sommerferi­en noch Wechselunt­erricht – mit phasenweis­em Digitalunt­erricht – nötig sei. Trotz der derzeit niedrigen Inzidenzen sei das wahrschein­lich noch geboten. Widerspruc­h kam von der Präsidenti­n der Kultusmini­sterkonfer­enz (KMK), der brandenbur­gischen Bildungsmi­nisterin Britta Ernst (SPD). „Die KMK hat für Präsenzunt­erricht plädiert – und das sollte nicht vorzeitig infrage gestellt werden“, sagte sie.

Bensinger-stolze von der GEW ist mehr auf Spahns Seite. „Ich denke, Vorsicht wird auch nach den Ferien weiter geboten sein, vor allem, wenn sich die Deltavaria­nte weiter ausbreiten sollte.“

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Foto: Sebastian Gollnow Lernen am Computer: Während der Pandemie ist das eher die Regel als die Ausnahme.

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