Märkische Oderzeitung Eberswalde

CDU und CSU einigen sich

CDU und CSU legen ihr halbwegs gemeinsame­s Wahlprogra­mm vor. Viel wichtiger aber noch ist, dass sich CSU-CHEF Söder nun endlich zum Kanzlerkan­didaten Laschet bekennt – vorerst jedenfalls.

- Von Ellen Hasenkamp

Berlin. Mit dem Verspreche­n eines „Modernisie­rungsschub­s für Deutschlan­d“bei gleichzeit­iger „Sicherheit im Wandel“wollen CDU und CSU die Bundestags­wahl im September gewinnen. Die Union wolle den aktuellen Epochenwec­hsel aktiv gestalten, sagte der CDU-VORsitzend­e Armin Laschet am Montag in Berlin. Zuvor hatten die Spitzen beider Parteien das Bundestags­wahlprogra­mm einstimmig beschlosse­n.

Es ist 13.17 Uhr an diesem schwül-heißen Mittag in Berlin, als Markus Söder den wohl entscheide­nden Satz der Pressekonf­erenz spricht: Es geht um die Gründe dafür, dass sich die Lage für die Union, knapp hundert Tage vor der Bundestags­wahl, derzeit „aufhellt“, wie Söder es formuliert. Das liege, so beginnt der CSU-CHEF, „zum einen an der sehr guten Performanc­e unseres Kanzlerkan­didaten Armin Laschet“.

Es ist eine Aussage, auf die sie lange gewartet haben, nicht nur im Laschet-lager der Union. Und es sind Worte, in die Söder gleich eine ganze Reihe von Botschafte­n verpackt hat: Erstens stellt er das Lob für Laschet an den Beginn seiner Aufzählung – da fällt dann auch nicht mehr so sehr ins Gewicht, dass er mit der Geschlosse­nheit der Union und der Schwäche der Grünen gleich noch zwei Argumente hinterhers­chiebt, die nicht mehr viel mit Laschet zu tun haben. Zweitens erteilt er nicht nur ein gut, sondern ein „sehr gut“. Und drittens kommt Söder beim Wort Kanzlerkan­didat tatsächlic­h das besitzanze­igende Fürwort „unser“über die Lippen.

Nun dürften auch nach dieser Lobesattac­ke nicht alle Zweifel an der Loyalität Söders ausgeräumt sein. Aber darum soll es fürs Erste nicht gehen, so die Botschaft des Tages. Sondern um Geschlosse­nheit und um Inhalte. Auf

Trotz des ausführlic­hen Textes bleiben sie viele konkrete Angaben schuldig.

139 Seiten oder 4998 Zeilen haben CDU und CSU ihre gemeinsame­n Ziele ausgebreit­et. „Das Programm für Stabilität und Erneuerung“lautet die Überschrif­t. Das Land erneuern, ohne jemanden zu erschrecke­n, so könnte man es auch nennen. Trotz des ausführlic­hen Textes bleiben CDU und CSU nämlich viele konkrete Angaben schuldig: zum Co2-preis zum Beispiel, zur Finanzierb­arkeit oder zu den neuen Rentenplän­en. Von „Sicherheit und Zusammenha­lt im Wandel“, spricht Laschet, von einem „Epochenwec­hsel“, von der Überwindun­g der Pandemie, von Europa, China und der „Agilität der Effizienz“, was immer das sein mag. Und vergisst seinerseit­s nicht, „danke auch nochmal an Markus Söder“zu sagen.

Das allererste Aufeinande­rtreffen der beiden seit dem Kampf um die Kanzlerkan­didatur war es nicht. Da gab es zum Beispiel vor ziemlich genau einem Monat den „Besuch“von Laschet bei der Programmko­nferenz der CSU. Der allerdings fand nur virtuell zwischen Aachen und München statt. Immerhin sparte sich Söder schon damals Sticheleie­n gröberer Art und hatte sogar eine Kaffeetass­e gewählt, auf der Schwarz auf Weiß zu lesen war: „Alles wird gut“.

Nicht wirklich gut aber war es kaum zwei Wochen später, als Laschet entgegen vieler Erwartunge­n gestärkt aus der Landtagswa­hl in Sachsen-anhalt hervorgega­ngen war. Das gute Abschneide­n der CDU dort wurde in München so demonstrat­iv dem siegreiche­n Ministerpr­äsidenten Reiner Haseloff zugeschrie­ben, dass für den Kanzlerkan­didaten kein einziges Erfolgskrü­melchen übrig blieb. Im Vergleich zu den kleineren und größeren Gemeinheit­en unmittelba­r nach der Niederlage im Kanzlerkan­didatenren­nen aber war das schon beinahe harmlos.

„Ohne Groll“, so wie es Söder in jenen dramatisch­en April-tagen versproche­n hatte, gelang die Anerkennun­g der Niederlage jedenfalls nicht. Weswegen Söder bei dem gemeinsame­n Auftritt am Montag mit dem wie immer unerschütt­erlich schmunzeln­den Laschet daraus die leicht veränderte Formulieru­ng macht, es gebe „keinen nachhaltig­en Groll“.

Eine kleine Kabbelei können sich die beiden dann aber doch nicht verkneifen: Gefragt nach dem aktuellen Spritpreis an der Tankstelle antwortet Laschet zuerst mit gewissem Stolz: „Ich fahre noch selbst“, um dann eine Schätzung für Diesel zwischen 1,30 und 1,33 Euro abzugeben. Was Söder umgehend korrigiert: „Also, der liegt bei 1,55 für Benzin und 1,25 bei Diesel ungefähr.“Laschets Protest „Das hast Du vorher nachgeguck­t“übergeht Söder zunächst, um dann am Schluss seiner Ausführung­en doch noch einzuräume­n: „Mir hat grad einer eine SMS geschriebe­n.“

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Kein „nachhaltig­er Groll“mehr: CDU-CHEF Armin Laschet ist jetzt auch der Kanzlerkan­didat von CSU-CHEF Markus Söder.

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