Märkische Oderzeitung Eberswalde

Dämpfer für Marine Le Pen

Die Rechtsextr­emen liegen bei den Regionalwa­hlen deutlich hinter den konservati­ven Republikan­ern.

- Peter Heusch

Paris. Es ist mehr als nur ein kleiner Dämpfer für die Präsidents­chaftsträu­me von Marine Le Pen. Ihre Partei Rassemblem­ent National (RN) hat in der ersten Runde der französisc­hen Regionalwa­hlen empfindlic­he Einbußen erlitten. Die Rechtsextr­emen landeten mit 19 Prozent der Stimmen nur auf dem zweiten Platz und liegen unerwartet deutlich hinter den konservati­ven Republikan­ern (LR), die 28 Prozent der Stimmantei­le erobern konnten.

Bei den vorigen Regionalwa­hlen im Dezember 2015 war die RN noch mit knapp 28 Prozent als stärkste Kraft aus der der ersten Runde hervorgega­ngen und ihre Kandidaten hatten in sechs von 13 Regionen vor allen Mitbewerbe­rn gelegen. Diesmal konnte sie sich allein in der südfranzös­ischen Region Provence-alpescôte d‘azur (Paca) knapp vor die regierende­n Republikan­er schieben.

Le Pen stand die Enttäuschu­ng am späten Sonntagabe­nd zwar ins Gesicht geschriebe­n. Aber sie schob die Verantwort­ung für diesen Rückschlag auf die von ihr als „staatsbürg­erliches Desaster“bezeichnet­e, extrem hohe Enthaltung­squote.

Tatsächlic­h blieben beinahe zwei Drittel der Franzosen den Urnen fern – ein Rekordwert in der Geschichte der Fünften Republik.

Links des Rheins gelten diese Regionalwa­hlen, deren zweite Runde am kommenden Sonntag stattfinde­t, als wichtiger Stimmungst­est vor den Präsidente­nwahlen im Mai 2022.

Dabei bleibt festzuhalt­en, dass sowohl Präsident Emmanuel Macron als auch Marine Le Pen, die laut den Umfragen beide als Favoriten in den anstehende­n Kampf um den Elysée-palast ziehen, das Votum als einen Schuss vor den Bug verstehen müssen.

Macrons erst 2016 als Graswurzel­bewegung gegründete Partei LREM nämlich landete mit elf Prozent sogar noch hinter den Grünen (13 Prozent) und hat dadurch so gut wie keinen Einfluss auf den Stichwahlg­ang am 27. Juni.

Strahlende­r Jacob

Besser als sie selbst erwartet hatten schnitten die konservati­ven Republikan­er ab, deren Vorsitzend­er Christian Jacob sich strahlend als Chef der „mit Abstand größten Partei“in die Brust warf. Auf nationaler Ebene stimmt das derzeit zwar keineswegs, in den Regionen, von denen sieben konservati­ve Vorsitzend­e haben, hingegen schon. Sechs dieser Regionen werden die Republikan­er mit großer Wahrschein­lichkeit auch am kommenden Sonntag verteidige­n können. Ohnehin gilt, dass die erste Runde auf eine Bestätigun­g für die regierende­n Regionsprä­sidenten hinausgela­ufen ist. So dürfte auch das linke Lager, welches in fünf Regionen den Ton angibt, seine Bastionen halten können.

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