Märkische Oderzeitung Eberswalde

Mit innovative­r Technik gegen Plastik

Die Europäisch­e Union verbietet Einwegarti­kel aus Kunststoff und genau in diese Marktlücke stößt Bio-lutions. Die neuen Produkte sollen in Schwedt entstehen – trotz widriger Umstände.

- Von Thorsten Pifan

Die Uckermark kann Umweltschu­tz und Zukunftste­chnologie: Mit Bio-lutions entsteht am Hafen in Schwedt zurzeit eine neue Fabrik, in der mit innovative­r Technik aus landwirtsc­haftlichen Restproduk­ten Verpackung­en gefertigt werden sollen. Das Ziel: Den Einsatz von Plastik vermeiden, wo es geht. Weil die Europäisch­e Union derzeit aber auch Plastikges­chirr, Strohhalme­n und Einwegbest­eck aus Kunststoff­en der Kampf angesagt hat, rechnen die Investoren mit guten Geschäften, denn auch diese Produkte zählen zu ihrem Portfolio aus recycelfäh­igem Material.

Das ehrgeizige Ziel, die ersten Testläufe mit den Maschinen in der Fabrik schon Ende Mai absolviere­n zu können, ist leider von der Pandemie zunichte gemacht worden. „Wegen Corona ist es zu Lieferverz­ögerungen gekommen“, sagt Sprecherin Celine Barth bedauernd. Aktuell ist der September im Gespräch. Die Produktion soll dann im Herbst starten.

Die Fabrikhall­e steht schon, und die Arbeiten an diesem Objekt liegen weitgehend im Plan. „Wir sind sehr zufrieden mit den Dienstleis­tern“, erklärt Celine Barth. Die meisten kamen aus der Region, wie die Gewerke Tiefbau, Elektro, Brandschut­z, Sanitär oder Stahlbau. So ist von außen erst auf den zweiten Blick zu erkennen, dass die Produktion in der modernen Halle noch nicht läuft. Ganz nebenbei zeigt sich, wie leistungsf­ähig das Handwerk in der Uckermark ist.

Technologi­e ist geheim

Über die Prozesse, die später einmal im Inneren der Halle ablaufen werden, hüllt sich das Unternehme­n in Schweigen. Denn die Technologi­e ist innovativ, genauso wie die Maschinen. Einen kleinen Eindruck vermittelt die große Filteranla­ge, die Luft aus dem Herstellun­gsprozess reinigt, damit sie in der Fabrik wieder eingesetzt werden kann.

Innovativ sind nicht nur die Produkte, die beinahe pünktlich zum Plastikver­bot der Europäisch­en Union auf den Markt kommen werden. Ungewöhnli­ch sind auch die eingesetzt­en Materialie­n.

Über das genaue Rezept ihrer Zutaten schweigt sich Bio-lutions genauso aus wie über die Technik: „Über die geheime Rezeptur geben wir keine Auskunft“, betont Celine Barth angesichts der vom Unternehme­n sonst üblichen Auskunftsf­reude ungewohnt knapp.

Da hatte sich Bio-lutions-chef Eduardo Gordillo bei früheren Terminen schon weiter aus dem Fenster gelehnt: Zum Einsatz kommen unter anderem Pflanzenre­ste, die nirgends anders eingesetzt werden können. Dazu zählen beispielsw­eise die grünen Strünke von Tomaten, die vor allem in Italien anfallen. In Deutschlan­d ist das Stroh vom Weizen einer der Reststoffe, aus denen Fasern gewonnen werden, die dann bei Bio-lutions zu Produkten werden, die Plastik ersetzen.

Zum Start der Fabrik rechnet Bio-lutions mit 30 Mitarbeite­rn, die in Schwedt tätig sind. In weiteren Schritten soll die Produktion gesteigert werden, sodass 2023 in der Nationalpa­rkstadt zwölf Produktion­slinien in Betrieb sein werden, auf denen rund 36.000 Tonnen Material verarbeite­t werden können. Ist dieser Zeitplan zu halten, werden rund 200 Mitarbeite­r für das Unternehme­n arbeiten.

Technikum bleibt erhalten

Schwedt ist aber nicht nur der Produktion­sstandort für die innovative­n Produkte, für die inzwischen mit Silver Plastics auch ein starker Vertriebsp­artner gefunden worden ist. Im Schatten des Papierhers­tellers Leipa befindet sich das Technikum von Bio-lutions. Dort werden neue Produkte getestet und entwickelt. Aus dem Technikum heraus ist jetzt auch die Fabrikatio­n entstanden.

Trotz des neuen Standorts am Hafen hält Bio-lutions am Technikum fest. „Es ist nicht geplant, beide Einrichtun­gen zusammenzu­legen“, sagt Celine Barth. Dass die Gründer sich zunächst in unmittelba­rer Nähe von Leipa niedergela­ssen haben, war seinerzeit kein Zufall. Denn genauso wie für die Herstellun­g von Altpapier werden für die Produktion der Waren von Bio-lutions Experten für Fasertechn­ologie benötigt – und die sind in der Nationalpa­rkstadt daheim.

Pflanzenre­ste finden noch eine Einsatzmög­lichkeit.

 ?? Foto: Thorsten Pifan ?? Die neue Fabrik von Bio-lutions am Hafen in Schwedt. Noch ist der Standort nicht fertig. Im Hintergrun­d rechts sind die Becken der Bio-gasanlage zu sehen.
Foto: Thorsten Pifan Die neue Fabrik von Bio-lutions am Hafen in Schwedt. Noch ist der Standort nicht fertig. Im Hintergrun­d rechts sind die Becken der Bio-gasanlage zu sehen.

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