Märkische Oderzeitung Eberswalde

Training rund um die Erde

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer bereitet sich auf den Start zur ISS im Oktober vor – immer auf der Hut vor Corona.

- Von Wolfgang Jung

Das Training des 51-jährigen deutschen Astronaute­n Matthias Maurer vor dem geplanten Start im Herbst läuft störungsfr­ei. Und „trotz Corona-pandemie auf Hochtouren“, sagte der Astronaut der europäisch­en Raumfahrta­gentur Esa. In Houston wird das Training für sechs Monate Leben, Forschen und Betrieb im All absolviert, in Hawthorne bei Los Angeles werden Start und Landung mit der „Crew Dragon“-kapsel geübt. „Und in Florida das Überleben auf hoher See bei eventuelle­r Notwasseru­ng.“

Auch bei Moskau – Training am russischen Teil der ISS und Bewegen im Weltrauman­zug – und, falls es die Corona-lage erlaubt, in Japan wird trainiert. Er bereitet sich auch in Deutschlan­d vor. So werden etwa am Esa-astronaute­nzentrum EAC in Köln die europäisch­en Experiment­e und Systeme des europäisch­en Iss-moduls Columbus geprüft.

Maurer hat einen Doktortite­l in Materialwi­ssenschaft. Als erster Deutscher wird er mit dem privaten „Crew Dragon“-raumschiff des Unternehme­ns Spacex fliegen. Vorrangig geplant sind etwa 35 Experiment­e aus Deutschlan­d und zahlreiche internatio­nale Experiment­e.

Zum Start Metallica und AC/DC

Doch etwas Musik will der Astronaut auch machen. Ein Instrument werde er zwar nicht mitnehmen, sagte er. Aber eins wolle er im Erdorbit sozusagen halb-wissenscha­ftlich erkunden, sagt er und grinst. „Ich will herausfind­en, ob es nur an der Schwerkraf­t liegt, dass ich kein talentiert­er Gitarrensp­ieler geworden bin.“

Musik von und auf der ISS ist nichts Ungewöhnli­ches. Ab und zu wird der Außenposte­n der Menschheit in 400 Kilometern Höhe zur Jukebox im All. Dann greifen Astronaute­n wie einst der Kanadier Chris Hadfield in ihrer begrenzten Freizeit zur Gitarre oder einem anderen Instrument.

Einige gehören zum Inventar. So rasen an Bord auch eine Flöte und ein Dudelsack mit rund 28.000 Stundenkil­ometern um den Globus. Musizieren gehört, obwohl es in der Schwerelos­igkeit seine Tücken hat, zur Raumfahrt, fast seit Menschen ins Weltall fliegen.

Welche Musik laufen wird, bis die Triebwerke zünden, verriet der Esa-astronaut auch. „Während der Wartezeit vor dem Start und an den Tagen davor werde ich vermutlich viel entspannen­de elektronis­che Chillout- und Gute-laune-musik hören“, sagte Maurer und nannte Coldplay, Moby und Morcheeba. „Wenn ich vom Raketensta­rt träume, der ja recht heftig ist, höre ich am liebsten eingängige und kräftigere Rockmusik mit starken E-gitarrenkl­ängen wie Metallica oder AC/DC.“

Als „kosmischer Disc-jockey“will Maurer auch schnelle Beats zur Erde schicken. „Ich nehme eine App auf meinem ipad mit, mit der ich elektronis­che Musik produziere­n kann.“Er trete damit in die Fußstapfen von Luca Parmitano. Der italienisc­he Esa-astronaut hatte 2019 als „Space DJ“Tanzmusik zu einem Partyschif­f geschickt.

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Vorfreude: der Astronaut Matthias Maurer in einem Trainingsm­odul in Köln

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