Märkische Oderzeitung Eberswalde

Brandenbur­g erwartet knapp 300.000 Zuzügler bis 2030

Statistike­r rechnen mit starkem Wachstum in der Mark. Bei den Regionen, die am stärksten profitiere­n, gibt es große Überraschu­ngen.

- Von Mathias Hausding

Bereits 2020 war Brandenbur­g eines der wenigen deutschen Bundesländ­er, das bei der Einwohnerz­ahl zugelegt hat. Um 9000 Menschen ist Brandenbur­g gewachsen. Dieser Trend werde sich nach Einschätzu­ng des Landesamts für Statistik fortsetzen. Aber wie stark wird das Land Brandenbur­g wachsen, und vor allen Dingen wo?

Um diese Fragen zu beantworte­n, haben die Statistike­r bereits vorhandene Trends fortgeschr­ieben sowie die Bautätigke­iten in einzelnen Regionen genauer unter die Lupe genommen. Ziemlich genau wissen die Experten zudem, dass die geringe Geburtenra­te nach der Wende in den kommenden zehn Jahren zu weniger Nachwuchs führen wird, weil Frauen im gebärfähig­en Alter fehlen. So werde es laut Prognose im Jahre 2030 rund 20.000 mehr Sterbefäll­e als Geburten geben.

Trotzdem sei unter dem Strich mit einem Bevölkerun­gswachstum um 17.000 Menschen zu rechnen. „Das mag wenig klingen, ist aber eine ganze Menge“, erklärte Landes-statistike­r Tobias Hannemann am Montag bei der Vorstellun­g der Zahlen. Der Grund ist der zu erwartende Zuzug ins Land.

Als Ausgangspu­nkt für ihre Voraussage­n haben die Experten das Jahr 2019 gewählt. Effekte durch die Corona-krise, in der es Berliner noch stärker als erwartet nach Brandenbur­g zog, sind also nicht dabei. 2019 rechneten die Statistike­r in einem mittleren Wachstums-szenario mit 230.000 Zuzüglern in die Mark bis 2030. In der Variante mit starkem Wachstum liegt die prognostiz­ierte Zahl der nicht nur aus Berlin neu nach Brandenbur­g kommenden Menschen bei knapp 300.000. Überrasche­nd ist, dass sich der jahrzehnte­lange Trend zur Abwanderun­g aus Brandenbur­g in die alten Bundesländ­er schon jetzt umgekehrt hat. Aus dem Vergleich zwischen Wegzug und Zuzug ergebe sich derzeit ein jährliches Plus von 1000 Menschen, die aus dem Westen Deutschlan­ds nach Brandenbur­g kommen, betonte Hannemann.

Bei der Verteilung des Wachstums bis 2030 rechnen die Experten nicht nur mit dem bereits bekannten Speckgürte­l um Berlin, sondern erwarten eine „Ausweitung der Wachstumsz­one“beziehungs­weise einen zweiten Speckgürte­l um die Hauptstadt. Von Wachstum profitiere­n werden demnach Städte in der zweiten Reihe mit guter Anbindung nach Berlin wie zum Beispiel Eberswalde, Zossen, Beelitz und Nauen.

Neben der Flughafenr­egion um den Hauptstadt­flughafen BER diagnostiz­ieren die Experten überrasche­nd gleich mehrere Regionen im Barnim als WachstumsH­otspots. Bernau werde durch den Umbau von Kasernen in Wohnungen weiter zulegen. Aber auch an der Achse Ahrensfeld­ewerneuche­n sei starkes Wachstum zu erwarten. Die Märkische Schweiz und die Region um den Scharmütze­lsee werden auch dank ihrer landschaft­lichen Attraktivi­tät bis 2030 weiteres Wachstum erleben, ergänzte Hannemann. Potsdam hingegen werde nicht mehr so stark wachsen können, weil es bereits weitgehend zugebaut ist. Für Frankfurt (Oder) und Cottbus sagen die Statistike­r bis 2030 ein moderates Schrumpfen voraus, während es für Südbranden­burg mit jeweils einem zu erwartende­n Minus von elf Prozent in den Landkreise­n Oberspreew­ald-lausitz und Elbe-elster sowie mit einem Minus von zehn Prozent im Landkreis Spree-neiße düster aussieht.

Trend von Ost nach West hat sich umgekehrt.

Durchschni­ttsalter bei 48 Jahren

Eine prägende gesellscha­ftliche Gruppe werden bis 2030 die geburtenst­arken Jahrgänge der 1960er-jahre sein, die dann ins Rentenalte­r kommen. Gleichzeit­ig rücken weniger Menschen in das Arbeitsleb­en nach. Unterm Strich werden 100 Erwerbstät­igen 92 Personen gegenübers­tehen, die noch nicht oder nicht mehr erwerbstät­ig sind, wie die Statistike­r berechnete­n. Das Durchschni­ttsalter der Brandenbur­ger soll von derzeit 47,2 Jahre auf 48 Jahre steigen.

Beeindruck­end ist die durchschni­ttliche Lebenserwa­rtung von Menschen, die künftig in Brandenbur­g geboren werden. Nach Berechnung­en der Statistike­r steigt es für Jungen auf 79,2 und für Mädchen auf 83,9 Jahre. Kommentar

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Foto: Patrick Pleul/dpa Die Bautätigke­it in einzelnen Regionen Brandenbur­gs ist für die Statistike­r einer von mehreren Faktoren für Voraussage­n zum Bevölkerun­gswachstum bis zum Jahr 2030.

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