Märkische Oderzeitung Eberswalde

Projekt lässt Pflänzchen gedeihen

Kinder, Einwohner, Forscher und Flächeneig­ner ziehen bei „Vielfalt findet Stadt“an einem Strang. So ist im Brandenbur­gischen Viertel in Eberswalde schon viel Schönes entstanden.

- Von Andrea Linne

Gemeinsam Natur wagen“ist der Untertitel des Projektes „Vielfalt findet Stadt“, das seit zwei Jahren im Brandenbur­gischen Viertel von Eberswalde Wertvolles auf den Weg gebracht hat. Hochschule für nachhaltig­e Entwicklun­g, Stiftung Waldwelten, Flächeneig­entümer wie die Wohnungsba­uund Hausverwal­tungs-gmbh (WHG), Kinder und Jugendlich­e sowie Einwohner lassen Brachen erblühen, lernen viel Neues und sorgen für sich vor.

Verschiede­ne Aktivitäte­n

Denn das auf insgesamt vier Jahre angelegte Projekt ist Bildungsar­beit und Naturerleb­en zugleich. Gefördert vom Bundesamt für Naturschut­z mit dem Bundesprog­ramm Biologisch­e Vielfalt aus Mitteln des Bundesmini­steriums für Umwelt, Naturschut­z und nukleare Sicherheit, unterstütz­t von der EWE Stiftung, sind bis April 2023 mit verschiede­nen Gruppen praktische Naturschut­zaktivität­en zu realisiere­n. Und vieles kann sich schon sehen lassen, wie zum Beispiel eine von Kindern bepflanzte Obstwiese.

Gestohlene Obstbäume dämpfen nicht das Engagement der Mitstreite­r.

Ganz ohne Probleme ging das bisher nicht immer ab. So wurden Obstbäume gepflanzt, die schneller verschwand­en, als sie gedeihen konnten. Bernhard Götz, Leiter des Forstbotan­ischen Gartens in Eberswalde, der auch fachlich das Ganze begleitet, sieht es mit Sarkasmus: „Wenn die Bäume in Eberswalde bleiben und wachsen .... “Für die Kinder, die die Obstgehölz­e pflanzten, um Äpfel und Kirschen später ernten und vernaschen zu können, war die Erkenntnis fehlender Wertschätz­ung natürlich bitter. Aber sie geben nicht auf und machen weiter.

Aus der Sellheim-schule, aus den Grundschul­en Nordend und Schwärzese­e sowie aus der Kita Arche Noah kommen die kleinen und größeren Naturschüt­zer in spe. Sie bringen ihre Ideen ein und haben schon viel erreicht. Auch Erwachsene, Familien, Bewohner der Mietwohnun­gen in Eberswalde sind eingebunde­n und können sich jederzeit noch einbringen. „So haben wir zum Beispiel gemeinsam eine Trockenmau­er errichtet, die Insekten und Kleinsäuge­rn als Unterschlu­pf dienen kann“, berichtet Dr. Götz. Zahlreiche Bienenarte­n, darunter die Große Wollbiene oder die Natternkop­f-mauerbiene, mögen es warm und sonnig. Karthäuser­nelke oder Mauerpfeff­er und Feld-thymian fühlen sich auf den Steinen bald wohl.

Wenn die aktuellen Projektgru­ppen in der kommenden Woche ihre Arbeit beenden, wird es auch Besichtigu­ngen und ein gemütliche­s Beisammens­ein geben. So ist auf der sogenannte­n Heizhausfl­äche an der Neuruppine­r/ Prignitzer Straße geplant, sich gemeinsam weitere Ideen zu überlegen.

Im August startet dann der neue Durchlauf. Noch können sich Interessie­rte melden, die mithelfen möchten, das Wohnumfeld neu zu gestalten und etwas für den Naturschut­z zu tun. „Alles, was passiert, wird erst vor Ort beschlosse­n. Das kann auch eine Sitzecke sein“, macht der Botaniker mit Blickricht­ung auf den neuen Jahrgang klar. Wer sich interessie­rt, kann auch einen Newsletter zum Nachlesen durcharbei­ten, der über die Arbeit der bisherigen Mitstreite­r erzählt.

Für die künftige Nutzung sind eher einfache Flächen bevorzugt. So fühlt sich laut Bernhard Götz die Wildbiene eher auf sandigen Böden wohl. Sich mit der Ansiedlung auseinande­rzusetzen, könnte eine Spielwiese der Projekttei­lnehmer sein. Zunächst konnte mit einem dicken Stamm eine erste Insekten-nisthilfe auf die Heizhausfl­äche

ziehen. Diese ersetzt nicht den natürliche­n Lebensraum mit den dazugehöri­gen Nahrungsqu­ellen und Niststelle­n. Aber Totholz oder abgestorbe­ne Pflanzenst­ängel sind beliebt bei Wildbienen. Flankiert werden die Projekte von Umweltbild­ungsangebo­ten. So gingen Teilnehmer gemeinsam ins Nonnenflie­ß, um genau zu beobachten, wie Natur mit Störenfrie­den umgeht, was sie bieten kann und was es zu entdecken gibt.

Mitstreite­r gesucht

Auch die künftige Unterhaltu­ng der angelegten Flächen, das Verantwort­en von Pflege und Obhut auf erschlosse­nen Arealen mit Obstbäumen, Mauern und Pflanzen bleibt für die Zukunft Thema. Wer dabei mitgestalt­en möchte und vielleicht eine Ecke zum Wohlfühlen in Eberswalde sucht, kann dabei sein.

Kontakt zum Projekt „Vielfalt findet Stadt“ist per E-mail unter info@vielfalt-findet-stadt.de möglich. Es gibt eine Website und Newsletter.

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Fotos (2): Bernhard Götz Trockenmau­er gesetzt: Die Akteure haben auf der sogenannte­n Heizhausfl­äche eine Trockenmau­er gesetzt, die Insekten und Pflanzen künftig als Unterschlu­pf und Untergrund dienen soll. „Vielfalt findet statt“wächst gemeinsam mit den Einwohnern.
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Bernhard Götz Kinder pflanzen Bäume im Projekt „Vielfalt findet statt“im Brandenbur­gischen Viertel Eberswalde

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