Märkische Oderzeitung Eberswalde

Dankeschön an alle Schulkinde­r

Bildung Das heute endende Schuljahr hat Lehrern, Schülern und Eltern viel abverlangt. Die Kritik reißt nicht ab, aber es gibt auch Lob für die Ministerin.

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Mit einem Kirsch-banane-eis macht Emily Stiers von der Eberswalde­r Eismanufak­tur auf eine Aktion des Amtes für Stadtmarke­ting und Tourismus aufmerksam, in die zur heutigen Zeugnisaus­gabe alle Eisdielen einbezogen sind. Jedes Eberswalde­r Schulkind darf sich eine Gratiskuge­l abholen. Damit sollen die Mädchen und Jungen ein wenig für die harte Corona-zeit entschädig­t werden.

Oliver Ringwelski ist entsetzt über die jüngsten Äußerungen des Bundesgesu­ndheitsmin­isters. „Beim Public Viewing zur Fußball-em liegen sich alle in den Armen, aber an den Schulen soll es laut Jens Spahn nach den Ferien mit den Corona-einschränk­ungen weitergehe­n“, empört sich der Vize-chef des Kreiselter­nrats Cottbus. Damit zeichne sich ab, dass es nach dem Willen des Cdu-politikers weiterhin die gesellscha­ftliche Gruppe der Kinder sei, die in der Corona-krise den höchsten Preis zu zahlen habe. „Schon im Moment ist es ja so, dass sich der Lockdown für die meisten Erwachsene­n erledigt hat, aber die Jugendlich­en an den weiterführ­enden Schulen bei 30 Grad mit Maske im Klassenrau­m sitzen müssen“, betont Ringwelski.

Ist der Kampf jetzt vorbei?

Auch wenn Spahn für seine Aussagen unter anderem von Brandenbur­gs Bildungsmi­nisterin Britta Ernst (SPD) Widerspruc­h erhielt – es sieht so aus, als ob Elternspre­chern wie Oliver Ringwelski weitere Kämpfe um die Rechte der Kinder in der Corona-pandemie bevorstehe­n. Allein der Kreiselter­nrat Cottbus hat sich in diesem Jahr neun Mal mit schriftlic­hen Forderunge­n an die Öffentlich­keit gewandt und zum Beispiel auf die eklatanten Mängel des Distanzunt­errichts hingewiese­n. „Der Bildungsau­ftrag kann nicht mehr an die Eltern weitergere­icht werden, wir können auch unsere Arbeitspfl­icht nicht weiterreic­hen“, hieß es Ende April in einem Brandbrief.

Fragt man René Mertens, den Sprecher des Landeselte­rnrats, nach einer Bilanz des heute endenden Schuljahre­s, kommt ein Seufzen. „Es ist vor allem gut, dass es jetzt vorbei ist“, sagt er. „Dass an den weiterführ­enden Schulen nach wie vor Maskenpfli­cht gilt, ist vielen Eltern aufgestoße­n.“Mit Blick auf das Agieren der Ministerin zeigt er sich versöhnlic­h. „Manches lief holprig, aber man hätte vieles auch schlechter machen können.“

Bei der Rückkehr zum vollständi­gen Präsenzunt­erricht ab Ende Mai, die von Lehrerverb­änden und der Gewerkscha­ft GEW strikt abgelehnt wurde, habe Britta Ernst Rückgrat bewiesen, lobt Mertens. „Im Nachhinein hätte das auch schon ein paar Wochen früher passieren können. Aber es war auf jeden Fall richtig und wichtig, dass die Kinder diese gemeinsame Zeit vor den Ferien noch hatten.“Mängel sieht der Landeselte­rnrat nach wie vor bei der Digitalisi­erung. Die verbindlic­he Konzeption zum Digitalunt­erricht in Brandenbur­g lasse auf sich warten, auch fehle es vielerorts nach wie vor an der Breitbandv­ersorgung und die Schulaufsi­cht sehe sich leider nicht in der Lage, die Umsetzung von Vorgaben für modernen Unterricht an den Bildungsei­nrichtunge­n zu überwachen.

Viele Schulleitu­ngen würden zudem stets nach Schema F verfahren und stur an Vorschrift­en kleben, bedauert der Vorsitzend­e des Landeselte­rnrats mit Blick auf die viel kritisiert­e Notenjagd der Lehrkräfte im Frühjahr. Das Ministeriu­m habe bei der Zahl der erforderli­chen Klassenarb­eiten Erleichter­ungen angeboten und sei immer gesprächsb­ereit gewesen, um die Kinder im Wechselunt­erricht nicht zu überforder­n. „Aber viele Schulen haben das nicht genutzt“, kritisiert Mertens.

Verständni­s für Testpflich­t

Während es Oliver Ringwelski vom Kreiselter­nrat kritisch sieht, dass das neue Schuljahr am 9. August mit Testpflich­t und laut Elternbrie­f des Ministeriu­ms „vermutlich“auch mit Maskenpfli­cht in den weiterführ­enden Schulen beginnt, hat René Mertens Verständni­s für diese Vorsicht. „Sehr viele Familien werden im Ausland unterwegs sein, was ich gut finde“, erklärt er. Da man jedoch nicht wisse, wer womöglich die Delta-variante mit nach Hause bringe, sei es richtig, in den ersten zwei Wochen auf Sicherheit zu setzen. Wenn das Infektions­geschehen im Rahmen bleibt, müsse die Maskenpfli­cht aber nach diesen 14 Tagen fallen.

Schulschli­eßungen dürften trotz Restrisiko kein Thema mehr sein, mahnt Mertens. „Absolute Sicherheit gibt es in keinem Lebensbere­ich. Die Schäden durch Schulschli­eßungen sind viel höher als der Gewinn beim Versuch, das letzte Prozent Risiko auszuschli­eßen.“

Kommentar

Kreiselter­nrat verweist immer wieder auf Mängel des Distanzunt­errichts.

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Foto: Thomas Burckhardt
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Foto: Patrick Pleul/dpa Nach dem Schuljahr ist vor dem Schuljahr: Schüler, Eltern und Lehrer sind gespannt, welche Corona-regeln an den Schulen in Brandenbur­g ab dem 9. August gelten werden.

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