Märkische Oderzeitung Eberswalde

Viel Kritik an Uefa

EM Münchner Stadion darf nicht in Farben des Regenbogen­s leuchten.

- Von Carsten Muth

Berlin. Die Uefa hat mit ihrer Entscheidu­ng, München während des Spiels Deutschlan­dungarn die Beleuchtun­g des Olympiasta­dions in Regenbogen­farben zu untersagen, viel Kritik auf sich gezogen. „Ihr seid noch peinlicher als ich dachte. Schämt euch!“, schrieb Spd-generalsek­retär Lars Klingbeil bei Twitter. Hintergrun­d ist ein in Ungarn verabschie­detes Gesetz, das „Werbung“für Homosexual­ität verbietet. Zahlreiche andere Stadien in Deutschlan­d sollen nun in den Farben des Regenbogen­s erstrahlen. Kommentar

Andreas Brehme ist schwer gefragt dieser Tage. Der Mann, der für Inter Mailand gekickt, Deutschlan­d 1990 mit seinem verwandelt­en Elfmeter im Endspiel gegen Argentinie­n zum Fußball-weltmeiste­r geschossen und die DFB-ELF zwei Jahre später ins Finale der EM geführt hat, ist vor allem für italienisc­he Medien ein begehrter Gesprächsp­artner. Zudem rufen zwischendu­rch auch mal alte Bekannte bei dem 60-Jährigen an. „Ich habe gerade mit dem Jürgen Klinsmann telefonier­t“, sagt Brehme, als ihn der Anruf aus der Redaktion erreicht. „Sorry, deshalb bin ich etwas spät dran. Aber jetzt können wir beginnen.“Okay, dann mal los.

Herr Brehme, das deutsche Team hat beim 4:2 gegen Portugal viele Menschen begeistert. Sie auch?

Andreas Brehme: Absolut. Wie wir nach dem 0:1-Rückstand zurückgeko­mmen sind, wie wir weitergesp­ielt haben, das war super. Die Jungs haben eine 100-prozentige Leistung abgerufen.

So kann es weitergehe­n, oder?

Gerne. Wobei: Erstmal müssen wir am Mittwoch das Spiel gegen Ungarn gewinnen.

Dazu sollte das Team von Bundestrai­ner Joachim Löw in der Lage sein.

Schon. Die Ungarn haben bislang aber wirklich gut gespielt. Man darf sie nicht unterschät­zen. Ihr erstes Spiel gegen Portugal haben sie unglücklic­h verloren, im zweiten gegen Weltmeiste­r Frankreich unentschie­den gespielt. Wir müssen uns da schon ins Zeug legen. Wenn wir ein ähnliches Level wie gegen Portugal erreichen, sollte Ungarn jedoch kein Problem sein.

Liegt die eigentlich­e Gefahr also darin, dass die deutschen Spieler vor solch einem Spiel ihrer Sache zu sicher sind?

Nein, das denke ich nicht. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die deutschen Spieler überheblic­h an die Aufgabe rangehen. Das wird der Jogi seinen Spieler schon genau erklären.

Der Bundestrai­ner stand nach der Auftaktnie­derlage gegen Frankreich mächtig unter Druck. Zu recht?

Ich finde, Jogi Löw macht einen tollen Job. Seine Arbeit ist hervorrage­nd. Obwohl, einen Fehler hat er vielleicht gemacht.

Welchen denn?

Aus meiner Sicht hätte er gleich nach der verkorkste­n Weltmeiste­rschaft 2018 in Russland den Umbruch einleiten sollen und nicht erst verspätet.

Sie sprechen die Aussortier­ung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng gut ein Jahr nach der WM an.

Diese Entscheidu­ng an sich kritisiere ich nicht. Sie hätte aber – wie gesagt – früher kommen müssen.

Nun hat der Bundestrai­ner Hummels und Müller für diese EM wieder zurückgeho­lt. Eine richtige Entscheidu­ng?

Ja, finde ich schon. Das ist kein Eigentor für Jogi. In dieser Situation und nach den Niederlage­n vor dem Turnier ist die Rückkehr von Hummels und Müller absolut richtig. Die beiden bringen ja auch starke Leistungen.

Fußball-deutschlan­d hat jüngst viel über das Spielsyste­m der deutschen Mannschaft diskutiert. Ist die Debatte übertriebe­n?

Nein, überhaupt nicht. Ich jedenfalls finde es klasse, wenn wir mit Dreierkett­e in der Abwehr spielen wie bisher.

Warum?

Weil in dieser Formation vor der Abwehr Robin Gosens und Joshua Kimmich auf der linken und rechten Außenbahn viel für die Offensive tun können.

Kimmich rechts spielen zu lassen anstatt in der Mitte ist richtig?

Total richtig. Wir haben da momentan keine andere Möglichkei­t.

Kimmichs Pendant Robin Gosens ist in aller Munde. Wie finden Sie seine Leistung?

Ich muss ganz offen und ehrlich sagen: Der spielt sensatione­ll. Ich verfolge die italienisc­he Serie A sehr intensiv. Vielleicht sogar noch intensiver als die Bundesliga. Und Robin Gosens spielt schon seit mindestens eineinhalb Jahren bei Atalanta Bergamo eine überragend­e Rolle. Es ist toll, wie er sich entwickelt hat, auch dank seines Klubs Atalanta Bergamo. Das freut mich sehr.

Was ist für die deutsche Mannschaft möglich in diesem Turnier?

Erstmal das Spiel gegen Ungarn gewinnen. Dann geht es weiter.

Gehen wir mal davon aus, das DFBTEAM erreicht das Achtelfina­le. Wer wäre Ihnen denn dort als Gegner recht?

Ich spekuliere da nicht. Das sage ich allen, die mich fragen. Auch die Mannschaft sollte nicht spekuliere­n. Wir können es ja sowieso nicht wirklich beeinfluss­en, wer genau unser Gegner wird.

Welches Team hat Sie überzeugt bei der EM, welches enttäuscht?

Die Spanier sind bislang eine Enttäuschu­ng, muss ich sagen. Aber es ist noch zu früh, irgendeine dieser Top-mannschaft­en abzuschrei­ben in dem Turnier. Italien hingegen spielt einen super Fußball. Das ist schon sehr, sehr beeindruck­end.

Die Italiener sind seit sage und schreibe 30 Spielen ungeschlag­en. Ist die Squadra Azzurra der Top-favorit auf den Titel?

Diese Mannschaft wird sich vermutlich nur noch schwer aufhalten lassen.

Auch nicht von Deutschlan­d?

Das wird man sehen. Wir müssen uns zumindest vor niemandem verstecken. Das Selbstvert­rauen in unserer Mannschaft sollte inzwischen vorhanden sein.

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Fotos: dpa/imago-images Bei der WM 1990 war Andreas Brehme in der Form seines Lebens. Mit der Dfb-auswahl wurde der linke Verteidige­r Weltmeiste­r. Im Finale schoss er das entscheide­nde Tor.
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