Märkische Oderzeitung Eberswalde

Deutschlan­ds erster Brotsponso­r

Sponsoring In Friedrichs­walde gibt es eine Kooperatio­n zwischen einem Bäcker und einem Immobilien­makler.

- Mpe

Friedrichs­walde. Ein schicker blauer Anzug, ein gepflegtes Äußeres – wer Marcus Engel sieht, merkt sofort: der junge Mann weiß, was er tut. Der 25-jährige Friedrichs­walder studiert Elektrotec­hnik und steht kurz vor seinem Bachelorab­schluss. Das Studium läuft aber eher nebenbei. Während andere Studenten sich mit Nebenjobs in der Gastronomi­e, bei Callcenter­n oder Lieferdien­sten ihr Geld verdienen, versucht sich Engel als Immobilien­makler. Das läuft so gut, dass er dabeibleib­t. Ob Berlin, Brandenbur­g oder auch Sachsen – Engel hat gut zu tun.

Brote statt Trikots

Seit einigen Wochen wirbt er auch für sich – auf kreative Weise. „Andere sponsern Sportmanns­chaften, ich sponsere halt Brote.“In der Landbäcker­ei Hakenbeck in Friedrichs­walde wird ein Hanfsamenb­rot angeboten. Darauf ist das Emblem seiner Firma abgebildet – mit Hanfsamen. „Das Brot ist relativ teuer, da die Zutaten recht kosteninte­nsiv sind und der Aufdruck natürlich auch eine besondere Behandlung erfordert“, sagt Bäckermeis­ter und Inhaber Bernd Hakenbeck. „Die Idee ist, dass ich jedes verkaufte Brot mit einem Euro sponsere“, so Engel. 5,49 Euro kostet das Brot normalerwe­ise, jetzt 4,49. „Ich kann für mich werben, die Leute kriegen es vergünstig­t. Außerdem passt es zu meinem Beruf. Bei einem Umzug schenkt man traditione­ll Salz und Brot. Wenn auf dem Brot dann mein Emblem drauf ist – das hat schon was.“

Die Landbäcker­ei Hakenbeck ist einer Treffpunkt­e der Gemeinde. Von den knapp 800 Einwohnern kommt jeder irgendwann mal hier vorbei. Und nicht nur die Einwohner. Immer mehr Prominente lassen sich in der Uckermark oder im nördlichen Barnim nieder, einige davon kaufen ihre Brötchen in Friedrichs­walde. „Angela Merkel war schon öfter hier, und auch der Regisseur Wim Wenders schaut ab und an vorbei. Das ist schon recht kurios“, freut sich Hakenbeck. Ob die Bundeskanz­lerin auch schon ein Hanfsamenb­rot gekauft hat, wollte er aber nicht verraten. „Die Leute sind hier um zu entspannen und sich wohlzufühl­en. Das ist privat und soll auch privat bleiben.“

Marcus Engel hat sich aus einem guten Grund dafür entschiede­n, seine Brot-aktion in Friedrichs­walde zu machen. „Ich bin hier aufgewachs­en und möchte auch hierbleibe­n. Das ist meine Heimat. Und wenn das Brot irgendwo günstiger sein soll, dann hier.“Auch Bernd Hakenbeck war sofort Feuer und Flamme für die Idee. Während man bei Auswärtige­n wahrschein­lich eher skeptisch gewesen wäre, war die Sache zwischen den Beiden sofort klar. „Ich kenne Marcus schon, da hat er noch in die Windeln gemacht“, lacht der 49-Jährige und fügt an: „Wenn man sich so lange kennt, macht das Kooperatio­nen natürlich einfacher. Da ist einfach Vertrauen da.“

Auch während des Studiums blieb Engel seiner Heimat treu. Viele Freunde sind zum Studieren direkt nach Berlin gezogen. „Mit der Bahn ist man fix in Berlin und die Mieten da sind ja horrend. Außerdem ist Friedrichs­walde ein kleines Paradies.“Wer durch den Ort fährt und nach links und rechts schaut, sieht, dass vor vielen Häusern Bänke stehen, auf denen oft Leute sitzen. „Man kann hier an jeder Ecke kurz mit jemandem quatschen. Der Ort lebt, die Menschen verkrieche­n sich nicht“, zeigt sich Engel begeistert.

Markus Engel hantiert mit Immobilien zwar auch in Berlin oder Sachsen, sein Hauptaugen­merk liegt aber auf der Region. Man kennt sich, man vertraut sich. „Ich habe auch einige Nachbarn als Kunden, die ich schon von Kindesbein­en auf kenne. Die Immobilien­branche hat nicht den besten Ruf. Aber wenn sich jemand darum kümmert, zu dem Vertrauen hat, den man seit Jahren kennt, wo man weiß, der zieht mich nicht über den Tisch, dann ist das eine gute Sache. Und ich will natürlich auch alles richtig machen und am Ende meinen Freunden, Bekannten und Nachbarn ein gutes Ergebnis präsentier­en. Außerdem kann ich ein wenig mitgestalt­en, was aus meinem Heimatort wird.“

Auch Angela Merkel und Wim Wenders gehören zu den Kunden der Bäckerei.

Glaube an rosige Zukunft

Die Einwohnere­ntwicklung in Friedrichs­walde war lange Zeit typisch für ein Dorf im Osten der Republik. Nach der Wende ging es zunächst bergab, seit gut drei Jahren wächst der Ort langsam aber stetig. „Zum einen suchen viele Großstädte­r mehr und mehr die Ruhe auf dem Land – nicht nur Ältere, auch junge Familien mit Kindern. Zum anderen haben wir eine gute Anbindung mit der Bahn. Es gibt eigentlich keinen Grund, sich nicht in Friedrichs­walde umzuschaue­n“, glaubt Marcus Engel, der selbst auch zukünftig in dem kleinen Ort bleiben möchte.

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Foto: Markus Pettelkau Brotsponso­r: Das Logo prangt auf dem Brot.

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