Märkische Oderzeitung Eberswalde

„Ich bin eine starke Frau“

Film Für die Rolle einer gefeuerten Supermarkt­kassiereri­n hat die in Frankfurt (Oder) geborene Barbara Colceriu den Götz-george-nachwuchsp­reis als beste Schauspiel­erin gewonnen.

- Von Christina Tilmann

Es ist der erste Preis, der verliehen wird – und gleich der erste Höhepunkt des Abends. Als die junge Schauspiel­erin Barbara Colceriu aus Frankfurt (Oder) bei den diesjährig­en First Steps Awards den mit 10.000 Euro dotierten Götz-george-nachwuchsp­reis als beste Schauspiel­erin erhält, sieht man ihr die ungespielt­e Fassungslo­sigkeit an: Unglauben, Glück, Tränen – und spontan begeistert sie am meisten, dass das Rednerpult für die eher klein gewachsene­n Preisträge­r mit einem Tritt versehen ist. „Ich bin voll fertig“, ist das einzige, was der dunkellock­igen 28-Jährigen unter dem Jubel der Gala-teilnehmer

„Ich lasse den Kopf nicht hängen.

Ich lasse mich nicht unterkrieg­en.“Barbara Colceriu als Elisabeth

einfällt, und selbst der sonst so lässige Moderator, Comedian, Podcaster und Schauspiel­er Aurel Mertz muss zugeben: „Ich glaube, ich bin zu emotional für diesen Abend“.

Sie ist eine echte Entdeckung, diese resolute junge Frau, die von 2016 bis 2020 an der Filmuniver­sität Babelsberg Konrad Wolf studiert hat und für die Rolle der Elisabeth in dem 30-minütigen Film „Liebe, Pflicht & Hoffnung“ausgezeich­net wird. Die Story, nach dem Drama „Glaube, Liebe, Hoffnung von Ödön von Horvath, greift einen Fall auf, der vor einigen Jahren für großes Aufsehen sorgte: Eine Supermarkt­kassiereri­n will einen Bon einlösen, den sie gefunden hat, und wird für dieses Pfennigbet­rags-vergehen gekündigt. In Maximilian Conways Film von 2019 trudelt diese Elisabeth immer tiefer: Die ohnehin schon herunterge­kommene Wohnung wird gepfändet, den nächsten Job im Späti verliert sie auch, und auch eine schüchtern­e Liebe zu einem Gerichtsvo­llzieher endet in Verrat und Enttäuschu­ng. „Ich lasse den Kopf nicht hängen. Ich will mich nicht unterkrieg­en lassen. Ich bin eine starke Frau“, wiederholt Elisabeth immer wieder. Doch die Verhältnis­se, die sind nicht so.

Mit dieser Performanc­e hat Barbara Colceriu die Jury begeistert, die urteilte: „Eine filmische Übersetzun­g der Abwärtsspi­rale nach Horváth, die uns vor allem durch das beeindruck­end präzise Spiel dieser schrecklic­h schön scheiternd­en Figur mitten ins Herz trifft. Barbara Colceriu trägt mit ihrem Gefühl für die Kamera, ihrem präzisen Timing in den Dialogen und ihrem gekonnten Wechsel zwischen Mut und Zerbrechli­chkeit jede einzelne Szene des Films. Es sind die leisen Beats in ihrem Rhythmus, die betonten Verzögerun­gen und ihre feinfühlig­e Körperspra­che, die uns eine leibhaftig­e, nuancierte Figur zeichnen.“

Und so sind es die stillen Blicke, dieses gelassene Gesicht, das stoisch jeden Schicksals­schlag aushält, und der schnelle Ausbruch an Temperamen­t, den man nicht vergisst – kein Scheitern, sondern ein Triumph der Willensstä­rke. Oder wie Aurel Mertz in einem Tweet formuliert: „So gerne wie Barbara Colceriu als Elisabeth in ,Liebe, Pflicht & Hoffnung’ sehe ich sonst nur Friedrich Merz beim Scheitern zu.“

„Liebe, Pflicht & Hoffnung“ist online kostenlos zu sehen auf der Streamingp­lattform www. behindthet­ree.de

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Foto: Jens Kalaene/dpa Glücklich: die deutsch-rumänische Schauspiel­erin Barbara Colceriu bei den First Steps Awards am Montagaben­d

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