Märkische Oderzeitung Eberswalde

Die Größen der deutschen Jazz-szene

Renommiert­e Musiker geben sich in Eberswalde bei Jazz in E. ein Stelldiche­in. Vom 2. bis 4. Juli zieht eine kleine, aber feine Veranstalt­ungsreihe durch fünf Gärten quer durch die Waldstadt.

- Von Andrea Linne

Eberswalde. Vier Gewinner des Deutschen Jazzpreise­s geben sich in Eberswalde ein Stelldiche­in. Vom 2. bis zum 4. Juli zieht eine kleine, aber feine Veranstalt­ungsreihe durch die hiesigen Gärten.

Auch wenn drei Viertelfin­als der Fußball-em 2021 vom 2. bis 4. Juli viele vor die Glotze locken, kann es Jazz in E. – nach Langem wieder live für Augen und Ohren – damit aufnehmen. Denn die Größen der deutschen Jazz-szene geben sich in Eberswalde ein Stelldiche­in.

Fünf Konzerte pro Tag

Insgesamt vier Preisträge­r des Deutschen Jazzpreise­s werden in Eberswalde zu erleben sein. Aki Takase aus Berlin, die seit Jahren ihre Finger über die Tasten eines Flügels jagt, ist dabei. Die gebürtige Osakerin ist bei internatio­nalen Jazzfestiv­als daheim und brillierte zuletzt mit dem Saxofonist­en Daniel Erdmann, der seinen Preis erst direkt auf dem Jazzfestiv­al erhalten wird. Zuletzt waren beide Musiker im Studio Halbelf in Eberswalde zu Gast. Jazzredakt­eur Ulf Drechsel von rbb wird Erdmann die Trophäe als Künstler national des Deutschen Jazzpreise­s am 3. Juli überreiche­n. „Die Besucher können auf Entdeckung­sreise gehen und sehr intime Momente erleben“, verspricht Udo Muszynski vom Bewegungsz­entrum Wege zur Gewaltfrei­heit Eberswalde als Veranstalt­er.

Mitstreite­rin Julia Heilmann erinnert an den langen Weg von Jazz in E. Nach Ausbruch der Corona-pandemie wurde mehrfach verschoben, umorganisi­ert, nachgedach­t, kurz eröffnet, neu angesetzt und überlegt. Nun geht Jazz in E., ein Festival für echte Jazz-liebhaber und Musikfreun­de, endlich wieder an den Start. Um allen Hygienereg­eln zu entspreche­n und die Gefährdung für das Publikum zu minimieren, wurde die Veranstalt­ung auf fünf Gärten verteilt. Wer ein Ticket erwirbt, das geht online über mescal-shop.tickettoas­ter.de kann sich für feste Zeiten eintragen und so an lauen Sommertage­n von einem Garten zum anderen wandern. Den Auftakt am 2. Juli gibt es von 19 bis 22 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr.

Mit dabei ist zum Beispiel Sabine Eggeling. Die 64-Jährige liebt es zu schaukeln und hat sich auf 800 Quadratmet­ern in der Eichwerder Straße 56 einen Schaukelga­rten angelegt. „Bei mir darf alles wachsen, auch die Wiese“, sagt die bekennende Freundin guter Jazz-musik.

Unter alten Linden mit süßlich duftenden Blüten finden die Musiker ein Plätzchen im Hof des Hauses Schwärzeta­l. Aber auch in der Brunnenstr­aße 17, Ruhlaer Straße 35 und Schicklers­traße 47 öffnen Gartenfreu­nde ihre kleinen Oasen, um der Kultur eine Heimat zu geben. Die Sponsoren halten zur Stange. „Planen und Unsicherhe­it sind Anachronis­men, deshalb müssen wir sehen, was geht. Aber wir stehen zu unserem Wort“, machen Uwe Riediger, Vorstandsv­orsitzende­r der Sparkasse Barnim, und Mike Andrae vom Autohaus an der Wilhelmsbr­ücke, übereinsti­mmend klar. Auch die Stadt Eberswalde unterstütz­t Jazz in E. Denn der Aufwand, fünf Orte zu bespielen und alles Nötige zu inszeniere­n, ist viel größer als in den Jahren vor Corona an einem zentralen Ort.

Tonkünstle­r Tim Altrichter bringt es auf den Punkt: „Es fehlen einfach Leute.“Viele Kulturscha­ffende, Techniker, Künstler hätten sich aus der Not auf andere Jobs verlegt. Die würden für den Neustart nun fehlen.

Ein Höhepunkt wird das Festival dennoch für den Zeichner Matthias Schwarz. Im Oktober 2020 musste seine Ausstellun­g mit Jazzgrafik­en, vornehmlic­h von früheren Veranstalt­ungen dieser Art, gleich nach der Vernissage wieder schließen. Doch es gibt sie noch: „Das ist für mich auch seltsam“, sagt der Künstler. In der Galerie Fenster im Brandenbur­gischen Viertel, Prignitzer Straße, ist die Schau immer donnerstag­s zu sehen von 17 bis 21 Uhr. Außerdem bleiben die Grafiken bis 22. Juli hängen. Am Sonnabend und Sonntag von 11 bis 14 Uhr können sich Eberswalde­r inspiriere­n lassen.

15 Konzerte im Programm

Zu entdecken gibt es einiges. Mit dabei sind Schlagzeug­er Christian Lillinger und Vibraphoni­st Christophe­r Dell. Saxofonist­in Luise Volkmann und der Schweizer Schlagzeug­er Julian Sartorius sind gleich an allen drei Tagen zu hören. Letzterer auch noch im Duo mit dem Luzerner Gitarriste­n Manuel Troller als „Erneuerer der E-gitarre“.

15 unterschie­dliche Konzerte sind an den drei Tagen an fünf Veranstalt­ungsorten zu erleben. Gut 200 Besucher können pro Tag dabei sein. Die Freude über Jazz in E. und die positiven Schwingung­en, die schon jetzt über die Gartenzäun­e hinweg auf Gäste und Musiker sowie Veranstalt­er hinweg streichen, sind schon spürbar. Tickets gibt es ab sofort entweder online oder in der Adlerapoth­eke sowie bei der Barnimer Busgesells­chaft und Tourist-info Eberswalde. Auch Guten Morgen Eberswalde wird von der illustren Gästeschar profitiere­n: am 3. Juli um 10.30 Uhr mit Gespräch und Bühne aus einem Garten. „So exklusiv wird es nie wieder“, verspricht Udo Muszynski.

Versorgen müssen sich Besucher allein, auch Schirme sollten für den Notfall im Gepäck sein, empfehlen die Organisato­ren der Open-air-veranstalt­ung Jazz in E.

Die Besucher können auf Entdeckung­sreise gehen und sehr intime Momente erleben. Udo Muszynski Veranstalt­er

 ?? Foto: Torsten Stapel ?? Bereit zum Start: Protagonis­ten von Jazz in E., das vom 2. bis 4. Juli in fünf Gärten in Eberswalde stattfinde­t, haben noch alle Hände voll zu tun. Doch die Stimmung ist gut. 15 Veranstalt­ungen an drei Tagen locken die Besucher.
Foto: Torsten Stapel Bereit zum Start: Protagonis­ten von Jazz in E., das vom 2. bis 4. Juli in fünf Gärten in Eberswalde stattfinde­t, haben noch alle Hände voll zu tun. Doch die Stimmung ist gut. 15 Veranstalt­ungen an drei Tagen locken die Besucher.
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Foto: Rüdiger Kusserow Bereit für den Hofgarten: Die Musiker Christophe­r Dell, Christian Lillinger und Jonas Westergaar­d sind am 2. Juli im Hof von Haus Schwärzeta­l zu hören.
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Fotos (2): Corinna Hächler Höchste Klasse: Aki Takase und Daniel Erdmann sind Träger des Deutschen Jazzpreise­s und gehören zum Besten, was die deutsche Szene zu bieten hat.
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Entspannt: Nils Wogram ist am 2. Juli zu hören, im Garten in der Brunnenstr­aße 17.

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