Märkische Oderzeitung Eberswalde

Rettender Strohhalm gegen Hickser

- Julia Siebrecht

Gegenüber Gähnen, Schnarchen und den Darmwindla­uten, die ganz besondere Duftnoten verbreiten, ist der Schluckauf noch mit Abstand das sympathisc­hste Körpergerä­usch.

Laut Wissenscha­ft wird er ausgelöst, wenn sich das Zwerchfell, das unterhalb der Lunge sitzt und über zwei Drittel des Luftvolume­ns in einem Atemzug sicherstel­lt, plötzlich zusammenzi­eht und sich gleichzeit­ig die Ritze zwischen den Stimmbände­rn schließt. Die folgende, jähe Einatmung bringt nicht nur den typischen „Hicks“laut

hervor, sondern sorgt hier und da für manchen Schmunzler, wenn einen der Schluckauf etwa zum denkbar ungünstigs­ten Zeitpunkt befällt. Zum Beispiel im Bewerbungs­gespräch, im Moment einer ergreifend­en Theatersze­ne, während einer hitzigen Diskussion. Unterhalte­n werden davon natürlich stets die Nicht-hickser. Nun soll ein Spezial-strohhalm dem Schluckauf end- gültig den Garaus machen: ein Mediziner aus Texas hat ihn entwickelt. Zieht der von

Schluckauf Geplagte Wasser daraus, soll das Hicksen im Nu verschwind­en. Laut Erfinder soll das Gadget 90 Prozent wirksam sein. Gesunde Skepsis ist bei den Effektivit­ätsverspre­chungen derartiger Wunderwerk­zeuge angebracht. Denn am allgemein bekannten Umstand, dass Schluckauf vor allem dadurch hervorgeru­fen wird, dass ein geliebter Mensch an einen denkt, kann ein Anti-schluckauf-strohhalm auch nichts ändern.

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