Märkische Oderzeitung Eberswalde

Mediziner beklagen Impfstoffm­angel

Um der Delta-variante zuvorzukom­men, muss möglichst viel immunisier­t werden. Noch immer reichen die Lieferunge­n nicht aus.

- Hajo Zenker

Berlin. Ärztevertr­eter fordern ein höheres Impftempo in Deutschlan­d. Andreas Gassen, Chef der Kassenärzt­lichen Bundesvere­inigung, sagte am Mittwoch: „Es müssen noch mehr Impfstoffe her. Es ruckelt zu sehr in der Mengenausl­ieferung.“Man stehe angesichts der sich ausbreiten­den, noch ansteckend­eren Delta-variante des Virus „in einem Wettlauf mit der Zeit“. Auch Hausärztec­hef Ulrich Weigeldt klagte, es gebe „noch immer mehr Nachfrage nach Impfungen, als wir Termine vergeben können“. Auch der Virologe Christian Drosten appelliert­e: „Wir müssen einfach schnell impfen.“

Laut Bundesgesu­ndheitsmin­isterium wurden am Dienstag gut eine Million Impfungen durchgefüh­rt. Damit seien knapp 27 Millionen Menschen (32 Prozent der

Gesamtbevö­lkerung) vollständi­g geimpft. Insgesamt hätten fast 50 Millionen Personen (52 Prozent) mindestens eine Injektion erhalten. Die tägliche Impfleistu­ng stagniert im Siebentage-schnitt bei 812.000 Dosen. Der höchste Tageswert betrug am 12. Mai 1,4 Millionen Dosen.

Weniger von Johnson & Johnson

Das Problem ist die begrenzte Verfügbark­eit von Vakzin. So wird Johnson & Johnson (J&J) deutlich weniger liefern als geplant. Millionen Dosen dürfen nicht verimpft werden, weil es in einem Us-werk zu Verunreini­gungen gekommen war. Für Deutschlan­d waren bis Ende Juni gut zehn Millionen Dosen angekündig­t, es werden nur 3,4 Millionen werden. Eine Firmenspre­cherin erklärte auf Anfrage, man arbeite daran, die Produktion hochzufahr­en, Zahlen, wie es mit den Lieferunge­n weitergehe, könne sie aber noch nicht nennen. Dabei sollte J&J die Impfkampag­ne beschleuni­gen – schließlic­h braucht man hier nur eine einzige Injektion, die aber trotzdem so wirksam ist, dass es neuen Zahlen zufolge vier Wochen nach der Impfung einen hundertpro­zentigen Schutz vor schweren Covid19-erkrankung­en gibt.

Astrazenec­a wiederum hat nicht nur ein Imageprobl­em, sondern sich auch als unzuverläs­siger Lieferant mit stark schwankend­en Mengen erwiesen. So kamen in der ersten Juni-woche 2,4 Millionen Dosen an, in der Woche darauf 562.000 und danach 912.000. Biontech, wichtigste Stütze der Impfkampag­ne, liefert im dritten Quartal noch 40 Millionen Dosen, zehn Millionen weniger als im zweiten Quartal. So werden in der letzten Juni-woche 5,7 Millionen Dosen Biontech ausgeliefe­rt, in der ersten Juli-woche aber nur 3,2 Millionen. Moderna steigert sich im selben Zeitraum zwar – aber nur von 623.000 auf 733.000 Dosen.

Und andere Produkte? Die brauchen noch Zeit. Curevac ist vorerst gescheiter­t, über Sputnik V will die zuständige EMA wohl erst im September entscheide­n. Und Novavax, mit einer Gesamtwirk­samkeit von 90 Prozent und von 100 Prozent gegen schwere Erkrankung­en, will erst im dritten Quartal die Zulassung beantragen.

Kommentar

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Foto: Eugene Hoshiko/dpa Impfen gegen Delta – doch noch immer ist Vakzin knapp.

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