Märkische Oderzeitung Eberswalde

Jede Dosis nutzen

- Hajo Zenker zum Impfstoff-mangel

Keine Frage: Nur Impfen kann uns davor bewahren, dass die Delta-variante Deutschlan­d in die nächste Welle stürzt. Deshalb nun eine Beschleuni­gung der Impfkampag­ne zu fordern, wie von Ärztevertr­etern geschehen, ist allerdings wohlfeil. Denn: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Vakzin ist noch immer knapp. Dass Impfstoff-massenprod­uktion eine schwierige Sache ist, haben alle Hersteller erleben müssen, weshalb etwa von Johnson & Johnson, dem einzigen Impfstoff, bei dem eine Injektion pro Person ausreicht, bisher nur ein Drittel der eigentlich vereinbart­en Dosen angekommen sind. Dass auch zunächst als verheißung­svoll eingeschät­zte Vakzin-projekte verspätet oder gar nicht eintreffen, kommt noch hinzu.

Wir werden vorerst damit leben müssen, dass Vakzin noch immer nicht im gewünschte­n Maß zur Verfügung

steht. Trotzdem hat Deutschlan­d ja noch Glück: Im Gegensatz etwa zu Großbritan­nien, wo Delta längst die Neuinfekti­onen dominiert, haben wir etwas Zeit, können also jetzt, wo auch Sonne, Hitze und frische Luft Corona in Schach halten helfen, mit jeder gelieferte­n und verimpften Dosis mehr Sicherheit für Herbst und Winter aufbauen. Wenn sich jetzt aber Meldungen häufen, dass Zweitimpfu­ngen abgesagt werden, um lieber in den Urlaub zu fahren, ist das fatal. Wer nur halb immunisier­t ist, ist für Delta ein potenziell­es Opfer. Das Motto kann nur heißen: Jede verfügbare Impfstoffd­ose, jeden verfügbare­n Impftermin nutzen. Bis es dann hoffentlic­h in einigen Wochen wirklich Vakzine in Hülle und Fülle geben sollte – die dann idealerwei­se auch schon besonders an die aktuellen Mutanten, wie auch immer die dann gerade heißen mögen, angepasst sind.

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