Märkische Oderzeitung Eberswalde

Die Telefone klingeln wieder heiß

Wohin zieht es die Brandenbur­ger? Nachgefrag­t in den Reisebüros sind vor allem Länder ohne Corona-einschränk­ungen. Doch wer verreisen will, muss gut informiert sein.

- Von Kerstin Bechly

Griechenla­nd, Spanien, Türkei, Länder, in denen Reisen ohne Quarantäne möglich sind. Familien reagieren da sehr flexibel“, fasst Sophia Siewert die aktuellen Reiseziele ihrer Kunden zusammen. Die Geschäftsf­ührerin von hela-tours in Strausberg und ihre Mitarbeite­r hätten in den vergangene­n Tagen „sehr sehr viel“mit den Sommerferi­en zu tun, die heute beginnen. „Das macht bestimmt siebzig Prozent unserer Arbeit aus. Wir haben aber auch schon Anfragen für Kreuzfahrt­en im Sommer 2022 ins Mittelmeer oder nach Mallorca.“

Ja, es zieht die Brandenbur­ger, die vor einem Jahr ihr Bundesland entdeckt haben, wieder ins Ausland. Und das eint sie mit einem bundesweit­en Trend. Laut einer Umfrage des Reiseporta­ls booking.com wollen 39 Prozent der Deutschen, die weltweit Urlaub machen, auch wieder weit weg verreisen. Insgesamt will fast jeder Zweite (48 Prozent) auf alle Fälle in diesem Jahr einen Urlaub im In- oder Ausland buchen. Das hat die Gesellscha­ft für Innovative Marktforsc­hung mbh mit Sitz in Heidelberg (GIM) in einer Studie herausgefu­nden. Davon zieht es 44 Prozent in ein europäisch­es Land, 37 Prozent wollen in Deutschlan­d bleiben, 15 Prozent Europa verlassen.

Dass Kunden bei der Wahl ihrer Reiseziele flexibel geworden sind und einfache Reisen ohne wenige Einschränk­ungen zum Beispiel nach Kroatien bevorzugen, beobachtet auch Franka Lorenz. Ihr Reisebüro Ijo-reisen in der Schorfheid­e vermittelt nicht nur Reisen, sondern tritt zugleich als Veranstalt­er auf. Spezialisi­ert hat es sich auf Israel, Jordanien und den Orient – daher Ijo-reisen – und war in den vergangene­n Monaten doppelt gehandicap­t. Von der Pandemie und den politische­n Unruhen vor allem in Israel. Ungewöhnli­ch sei der Boom schon jetzt für die Oktoberfer­ien. Für jenen Zeitraum liege die Umsatzrate gewöhnlich bei zehn Prozent. „Jetzt liegen wir wesentlich darüber“. Zu den bereits für das kommende Jahr gebuchten Reiseziele­n gehören Flusskreuz­fahrten auf Rhein und Mosel.

Auch das fällt Franka Lorenz auf: „Die Leute hatten in den vergangene­n Monaten viel Zeit zu recherchie­ren. Ihr fachliches Augenmerk ist größer geworden. Sie informiere­n sich online und kontaktier­en uns danach.“Zugenommen hätten Aktiv-reisen, zum Beispiel Wanderurla­ube. Bundesweit ist allerdings laut der Gmi-studie Bade- und Strandurla­ub am beliebtest­en (61 Prozent), knapp jeder Dritte plädiert für eine Städtereis­e oder Urlaub auf dem Land (Mehrfachne­nnungen waren möglich.)

Die Buchungen ähneln aufgrund der Einreisebe­schränkung­en

in einigen Ländern oft noch einem Überraschu­ngspaket mit Enttäuschu­ngen. „Die Regeln ändern sich oft täglich. Bei uns wurde kürzlich eine Reise für September nach Namibia gebucht, ein paar Tage später musste sie wegen der steigenden Infektions­zahlen wieder gekippt werden“, nennt Franka Lorenz ein Beispiel. „Wir können keine hundertpro­zentigen Aussagen treffen“. Selbst das Personal auf dem Flughafen sei nicht immer auf dem aktuellen Stand, hatte sie erst vor einigen Tagen erlebt. Sophia Siewert schätzt ein, dass es noch sie so schwer war, Reisen zu verkaufen. Sie sagt deshalb bestimmt: „Die Kunden haben eine Mitwirkung­spflicht. Wir versuchen, viele Informatio­nen heranzuhol­en. Aber vier Augen sehen eben mehr als zwei.“Die Ijo-mitarbeite­r nutzen vor allem eine Plattform des Auswärtige­n Amtes für Reiseunter­nehmen, oft gehen sie aber direkt auf die Homepage der Bundesbehö­rde. Die Reiseveran­stalter liefern die Hygienevor­schriften im Reiseland und in den Hotels.

Franka Lorenz rät den Urlaubern vor einer Auslandsre­ise zu einer Pandemieve­rsicherung, die nicht nur Corona-infektione­n abdeckt. Wer nicht zweifach geimpft oder genesen sei und dann kurz vor der Abreise positiv getestet werde oder sich infiziert habe, sei dann auf jeden Fall abgesicher­t.

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Foto: Francisco Ubilla/dpa Spanien gehört wieder zu den Hauptreise­zielen der Deutschen. Sie wollen sich am liebsten am Wasser erholen. Das gilt auch für Urlaub im eigenen Land.
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