Märkische Oderzeitung Eberswalde

Berlin will’s wissen

Die Hauptstadt präsentier­t sich mit zwei Ausstellun­gen und 100 kostenlose­n Veranstalt­ungen als Ort der Forschung. Vor dem Roten Rathaus wird ab Sonnabend viel geboten.

- Von Maria Neuendorff

Die Holzwände der „Wissenssta­dt“vor dem Roten Rathaus in Berlin stehen schon seit einigen Tagen. Auf ihnen kann man Interviews mit Polarforsc­herinnen lesen, erfährt etwas über Grünen Strom aus der Fassade und dass Gewächshäu­ser vielleicht später auch mal für den Menschen ein Lebensraum sein könnten, um die Erderwärmu­ng zu überleben.

„Können wir uns mit dem Klima wandeln?“heißt eine der vielen Frage in der temporären, kostenlose­n Open-air-ausstellun­g, die am Sonnabend für das Publikum eröffnet wird. Unter dem Motto „Berlin will’s wissen“können Besucher dann durch drei hölzerne „Stadtviert­el“schlendern und sich über die aktuelle Forschung zu den Themen Klima, Gesundheit und Zusammenle­ben informiere­n.

Die „Wissenssta­dt“wurde von Berlins Regierende­m Bürgermeis­ter Michael Müller (SPD) selbst initiiert. „Wissenscha­ft und Forschung treiben gesellscha­ftlichen Fortschrit­t an. Sie erlauben uns, gemeinsam Grenzen zu überwinden und Herausford­erungen zu meistern“, erklärte er bei einem Vorab-besuch. Die vergangene­n Monate hätten das besonders gezeigt, sagte Müller mit Blick auf die Pandemie, die ebenfalls Thema in der Ausstellun­g sein wird.

Organisier­t wird das alles von der landeseige­nen Kulturproj­ekte Berlin Gmbh, die für ihre abwechslun­gsreichen Großverans­taltungen im Stadtraum vor allem zu Geschichts­themen bekannt ist. „Bei der Wissenscha­ftsstadt geht es darum, Begegnungs­räume zu schaffen, Schwellen abzubauen, den Vorhang zu lüften“, erklärt Kulturproj­ekte-chef Moritz van Dülmen. „Wir wollen zeigen, dass Wissenscha­ft unterhalts­am und anschaulic­h sein kann und auch Spaß macht.“

Und so wird es bis in den August unter anderem Wissenscha­ftsshows, Theater, Performanc­es und Open-air-kino geben. Am Freitag, dem 2. Juli, beispielsw­eise sind zwischen 15 und 20 Uhr zahlreiche zusätzlich­e Experiment­e, Live-demonstrat­ionen und Stadtspazi­ergänge geplant.

Essbare Stadt zum Mitnehmen

Das gläserne Labor des Campus Berlin-buch zeigt unter anderem, wie schmutzige­s Wasser gereinigt werden kann. Die Humboldt Uni veranstalt­et eine Aktion unter dem Titel „Die essbare Stadt zum Mitnehmen“, und die Charité ist mit ihrer „Teddyklini­k“vor Ort. Unter dem Titel „Das ist nicht fair“veranstalt­et die Psychologi­sche Hochschule Berlin Experiment­e zum Ungerechti­gkeitsempf­inden von Kindern und Jugendlich­en.

Mit einer „Echt und Fake“-quizshow wollen Wissenscha­ftler die Zuschauer für Falschinfo­rmationen und die mögliche Fehlinterp­retation von Fakten sensibilis­ieren. Bei den neun Filmabende­n, die von Moderator Knut Elstermann kuratiert werden, gibt es jedes Mal einen kleinen Expertenta­lk. Gezeigt wird unter anderem der Us-triller „Contagion“von Steven Soderbergh über ein tödliches Virus, in dem Kate Winslet als tapfer kämpfende Virologin und Jude Law als geldgierig­er Verschwöru­ngstheoret­iker zu sehen sind.

Weitere Projekte bis Jahresende

Das temporäre Ausstellun­gs-dorf direkt am neuen U-bahnhof Rotes Rathaus, das auch eine Aussichtsp­lattform bietet, ist dabei nur das Zentrum dieses wissenscha­ftlichen Festivals. Bis zum

Jahresende veranstalt­en große wie kleine renommiert­e Berliner Institutio­nen und Akteure aus Wissenscha­ft und Forschung weitere Projekte in ihren Institutio­nen, im Stadtraum und im digitalen Raum.

Auf dem Platz vor dem Roten Rathaus sind alleine rund 100 kostenlose Panels, Kino-abende, Science Slams, Kinder-unis und Workshops von insgesamt 35 verschiede­nen Institutio­nen geplant. Zudem eröffnet am Freitag noch eine Sonderauss­tellung im Roten Rathaus zum 200. Geburtstag des Physiologe­n und Physikers Hermann von Helmholtz sowie des Arztes und Politikers Rudolf Virchow. „Von Helmholtz und Virchow kann man lernen, dass Wissenscha­ft eine soziale Verantwort­ung hat und dazu beitragen kann, dass Menschen in einer Stadt besser, gesünder und gerechter leben können“, betont Christoph Markschies, Präsident der Berlin-brandenbur­gischen Akademie der Wissenscha­ften.

Dass der Klimawande­l auch schon längst in Berlin angekommen ist, habe vor ein paar Tagen der „Hitzetod“einer alten Kastanie im Hof der Humboldt Uni gezeigt, die einfach zusammenge­brochen sei, so Markschies.

In einem der geplanten Podiumsges­präche in der Wissenssta­dt erklärt unter anderem der Forscher Hanns-christian Gunga, was extreme Hitze, aber auch Schichtarb­eit und Langstreck­enflüge mit unserem Körper machen. Ein weiteres Thema wird auch das Stadtleben selbst sein. Professor Mazda Adli, Stressfors­cher der Charité, beleuchtet, wie sich Dichte, Lärm, Hektik, Gewalt und Anonymität im urbanen Alltag auf das Gehirn auswirken, und erklärt, ob das Landleben glückliche­r macht.

Macher wollen zeigen, dass Wissenscha­ft auch unterhalts­am und anschaulic­h ist.

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Foto: Fabian Sommer/dpa Michael Müller (SPD), Regierende­r Bürgermeis­ter von Berlin, hat die „Wissenssta­dt Berlin 2021“selbst initiiert.

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