Märkische Oderzeitung Eberswalde

Flucht aus dem Alltag

In der Pandemie erlebt Urlaub im Wohnmobil oder im Zelt einen Boom. Passend dazu läuft die Doku „Camping – Die Geschichte einer Leidenscha­ft“.

- Von Ute Wessels „Camping – Die Geschichte einer Leidenscha­ft“, Arte, heute, 20.15 Uhr

Vor fast 100 Jahren baute ein Fabrikant aus dem Allgäu den ersten Wohnwagen Deutschlan­ds, damit ihn Frau und Tochter auf Geschäftsr­eisen begleiten konnten. Heute ist die Caravan-branche ein Milliarden­geschäft – zusätzlich befeuert durch die Corona-pandemie. Für die Dokumentat­ion „Camping – Die Geschichte einer Leidenscha­ft“blickt Regisseuri­n Heike Nikolaus zurück auf die Anfänge dieses Freizeitve­rgnügens und spricht mit begeistert­en Campern.

Die Camping-klischees sind so vielfältig wie die Fahrzeuge und Zelte, mit denen Camper auf der ganzen Welt unterwegs sind. Die einen verbinden mit Camping Abenteuer, Freiheit oder wildes Hippie-dasein, die anderen sehen im Urlaub auf dem Campingpla­tz den Inbegriff des Spießbürge­rtums. Eines ist Camping in jedem Fall: Flucht aus dem Alltag. Diese nahm ihren Anfang in Großbritan­nien im 19. Jahrhunder­t.

Damals galt das Reisen im Wohnmobil als Vergnügen der besseren Gesellscha­ft. Die feinen Leute nahmen auch ihr Personal mit, um sich im Campingurl­aub bedienen zu lassen. In Deutschlan­d machte dem Bericht zufolge Arist Dethleffs aus dem Allgäu Anfang der 1930er-jahre das mobile Zuhause salonfähig. Ein Einzelstüc­k, das er für seine Familie fertigen ließ, stieß auf großes Interesse – und Dethleffs, in dessen Fabrik eigentlich Peitschen und Skistöcke hergestell­t wurden, begann, für seine Kunden Wohnwagen zu bauen.

In den 1950er- und 1960er-jahren ermöglicht­e Camping vielen Deutschen einen erschwingl­ichen Urlaub in Italien. In einer Schwarz-weiß-sequenz sagt ein

Urlauber, er habe durchaus überlegt, ob Camping nicht eine Mehrbelast­ung für die Frau darstelle, weil sie dann auch im Urlaub Kaffee kochen müsse – wenngleich er sich mit ihr dabei abwechsele. Dann hätten sie sich aber für das Camping entschiede­n. „Mir macht’s schon Spaß“, sagt seine Frau, und man weiß nicht, ob sie das wirklich so meint.

Mit echter Begeisteru­ng spricht ein Paar vom Reisen im Wohnmobil, das seit Jahrzehnte­n quasi nonstop auf Tour ist. Ihr Motto: „Hauptsache: raus in die Welt!“Und ein Stück Zuhause haben sie in ihrem Campingfah­rzeug ohnehin immer dabei.

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Foto: Dieter Kreutzkamp/zdf/arte/dpa Weit gereist: Der VW Bus von Dieter und Juliana Kreutzkamp wird 1975 während ihrer ersten Weltreise auf ein Schiff verladen.

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