Märkische Oderzeitung Eberswalde

Identitäts­suche durchs geteilte Deutschlan­d

Autorin Judith Zander erhält für ihren Roman „Johnny Ohneland“den Fontane-literaturp­reis 2021.

- Christina Tilmann

Potsdam. Begonnen hat sie die Arbeit an ihrem zweiten Roman, „Johnny Ohneland“, schon vor zehn Jahren, erzählt Autorin Judith Zander bei der Bekanntgab­e des Fontane-literaturp­reises 2021. Dass ihr Buch, das die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die sich aus einer mecklenbur­gischen Kleinstadt auf den Weg in die Welt und zu sich selbst macht, nun als Roman der Stunde gefeiert wird, befremdet die in Anklam geborene 40-Jährige eher: „Literatur kommt ja eigentlich immer zu spät.“Dass sich ihre Joana lieber Johnny nennt und verschiede­ne Lieben und Identitäte­n ausprobier­t, sei eine Flucht vor den „Kategorien­knästen“und eine Befreiung daraus.

Auch Juryvorsit­zende Nadine Kreuzahler lobt diese „Geschichte über das Glück und Unglück, die Lust und die Last des Dazwischen“und bezeichnet das 500 Seiten starke, anspruchsv­olle Werk als „Berg, den es immer wieder neu zu besteigen gilt, und gleichzeit­ig auch als Strom, der einen immer größeren Sog entwickelt und unwiderste­hlich mit sich fortreißt.“

Kulturmini­sterin Manja Schüle (SPD), deren Abteilung den mit 40.000 Euro hoch dotierten Literaturp­reis vor zwei Jahren gemeinsam mit der Fontane-stadt Neuruppin übernommen hatte, betont: „,Johnny Ohneland‘ ist ein selbstbewu­sster Roman einer ostdeutsch­en Autorin: Judith Zander erzählt von einer Identitäts­suche, die auch durchs geteilte Deutschlan­d führt.“Doch der Ddr-hintergrun­d der Hauptperso­n werde ohne die üblichen Klischees und Blaupausen thematisie­rt.

Die Wertschätz­ung ihres Romans mache sie gerade in dieser Zeit, in der es so viele Bücher nicht einfach haben, den Weg in die öffentlich­e Wahrnehmun­g zu finden, mehr als froh, sagt die heute in Jüterbog lebende Preisträge­rin. „Das ist eine große Absicherun­g für mich in den kommenden beiden Jahren“, freut sie sich sichtlich. Die großzügige Dotierung erleichter­e ihr das Leben und Schreiben erheblich. Ihre Mutter sage doch immer zu ihr: „Kind, du hast kein festes Einkommen.“

Der Fontane-preis wird alle zwei Jahre in Neuruppin vergeben und soll es begabten zeitgenöss­ischen Autoren mit ersten erfolgreic­hen Veröffentl­ichungen ermögliche­n, sich zwei Jahre lang nur dem Schreiben zu widmen, so Kulturmini­sterin Schüle, die zu Recht stolz auf ihren Preis ist: Ist er doch höher dotiert als der Ingeborg-bachmann-preis und der Deutsche Buchpreis. Nominiert waren in diesem Jahr vier Autoren: Olivia Wenzel, Björn Stephan, Anna Prizkau und eben Judith Zander.

Preisverle­ihung ist am 20. August in der Kulturkirc­he Neuruppin. Die Laudatio wird Denis Scheck halten, der das Buch schon im vergangene­n Jahr als „eines der herausrage­nden Werke der Frankfurte­r Buchmesse lobte“. Der Termin der Bekanntgab­e der Preisträge­rin ist laut Schüle übrigens mit Bedacht auf den Beginn der Sommerferi­en gelegt: Sie empfiehlt den Roman als Ferienlekt­üre und rät, doch bitte den einen oder anderen Buchladen als „geistige Tankstelle“aufzusuche­n.

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Foto: Sören Stache/dpa Judith Zander, Preisträge­rin des Fontane-literaturp­reises 2021

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