Märkische Oderzeitung Eberswalde

Der amerikanis­che Traum

Der Österreich­er Wolfgang Puck hat die kalifornis­che Küche umgekrempe­lt. „Wolfgang“schaut auch auf seine traumatisc­he Kindheit zurück.

- Von Barbara Munker „Wolfgang“,

Krankheit früh, kämpft für bessere Aufklärung und gegen die Ausgrenzun­g der Homosexuel­len. Denn auch das thematisie­rt die Miniserie: wie die Gefahr von Aids ignoriert und „als Krankheit der Schwulen“abgetan wurde – und damit auch Homosexuel­le von Politik, Wissenscha­ft und Gesellscha­ft als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden.

Die Musik: „It’s A Sin“ist nach dem Song der Pet Shop Boys benannt. Auch darüber hinaus spielt Popmusik der 1980er-jahre eine wichtige Rolle. „Kids in Amerika“von Kim Wilde, „Fells Like I’m In Love“von Kelly Marie sowie „Tainted Love“von Soft Cell: In diesen Songs pulsiert die Lebensfreu­de der jungen Generation. Sie machen den Soundtrack zu einer nostalgisc­hen Zeitreise. Dem Schöpfer der Serie, Russell T Davies, gelingt eine ungewöhnli­che Mischung: Seine Botschaft verbindet er mit einem tief tragischen Porträt der schwulen Community der 1980er-jahre. Äußerst sehenswert!

Der Vorname Wolfgang genügt: In den USA ist der Österreich­er Wolfgang Puck, der seit mehr als 25 Jahren die Oscar-gäste bekocht, selbst ein Star. Nun ist er Hauptdarst­eller in dem Dokumentar­film „Wolfgang“, der die buchstäbli­che „Tellerwäsc­her zum Millionär“-karriere des 71-Jährigen beleuchtet. In dem Disney+-original enthüllt der Promi-chef seine ärmliche, schwierige Kindheit im ländlichen Sankt Veit an der Glan, ohne fließend Wasser, vom strengen Stiefvater unterdrück­t und „terrorisie­rt“. „Die Küche war für mich als Kind der einzige Ort, an dem ich mich sicher fühlte.“

Eigentlich schaue er lieber nach vorn als in die Vergangenh­eit, erklärt Puck, doch Us-dokufilmer David Gelb (37, „Jiro Dreams Of Sushi“) konnte dem gebürtigen Kärntener ein persönlich­es und inspiriere­ndes Porträt entlocken. Mit seiner Lebensgesc­hichte wolle er junge Leute anspornen, sagt Puck im Gespräch. „Schwierigk­eiten kann man überbrücke­n, man muss halt hart arbeiten und die Ausdauer aufbringen.“

Schon als kleiner Junge habe er seiner Mutter Maria, einer Konditorin, in der Küche zugeschaut. Mit 14 die Lehre in einem Restaurant in Villach, mit 19 ohne

Sprachkenn­tnisse der Sprung nach Frankreich, mit 24 dann „der amerikanis­che Traum“. Mit wenig Geld, aber Glück landete er im Hollywood der 1970er-jahre bei Ma Maison. Das Essen in dem französisc­hen Restaurant in Los Angeles sei anfangs „fürchterli­ch“gewesen, schaut Puck zurück. Doch der junge Koch drückte der Küche mit frischen Zutaten seinen Stempel auf, bald standen Promis Schlange.

Mit Spago eröffnete Puck 1982 in West Hollywood sein erstes Restaurant, ein Treffer ins Schwarze. „Die Stars wollten nur noch zu Spago gehen“, erzählt Hollywood-mogul Michael Ovitz in der Doku. Puck hatte ausgefalle­ne Ideen: Die Gäste konnten in die offene Küche schauen, auf dem Menü stand Pizza mit Kaviar, er mixte asiatische und französisc­he Küche zu „California Cuisine“.

Der Starkoch trat im Fernsehen auf, schrieb Kochbücher und schuf ein weltweites Imperium mit Dutzenden Restaurant­s und Produkten. Mit bodenständ­igem Charme und kräftigem Akzent tritt Puck wie seine prominente­n Gäste selbstsich­er ins Rampenlich­t. Auf Hollywoods berühmten „Walk of Fame“ist er längst mit einer Sternenpla­kette verewigt.

Man muss immer neue Sachen ausprobier­en, erzählt Puck. Küchen-pannen meistert er scheinbar gelassen. Im Film erinnert der Koch an einen Spago-besuch von „Denver-clan“-star Joan Collins, als ihm das Brot für die berühmten Lachshäppc­hen ausgegange­n war. Kurzerhand habe er Pizzateig genommen, mit Räucherlac­hs und Kaviar improvisie­rt – heute eines seiner legendären Gerichte.

Kollegen preisen seine Verdienste, doch Puck gibt Unsicherhe­iten preis, etwa in Szenen mit seiner Schwester in Österreich am Grab der Eltern. Sein ganzes Leben habe er Angst gehabt zu versagen. Dem verhassten Stiefvater habe er stets das Gegenteil beweisen wollen. Selbstkrit­isch schaut er auf die eigene Vaterrolle. Aus zwei Ehen hat Puck vier Söhne. Er habe sich zu wenig um die Familie gekümmert, räumt der Star-koch ein. Doch Sohn Byron ist ihm ins Geschäft gefolgt. „Für mich ist es das beste Geschenk, dass mein Sohn mit mir arbeitet“, sagt Puck. Auch an Traditione­n der Küche seiner Mutter hält der Wahl-kalifornie­r fest: Auf dem Menü seines Luxusresta­urants in Beverly Hills stehen Wiener Schnitzel und Apfelstrud­el.

USA 2021, 78 Min., FSK 0, Regie: David Gelb, mit Wolfgang Puck.

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Foto: Disney+/dpa Herr der Küche: der österreich­ische Star-koch Wolfgang Puck in einer Szene der Dokumentat­ion „Wolfgang“
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Olly Alexander (l.) als Ritchie Tozer in einer Szene aus „It’s A Sin“

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