Märkische Oderzeitung Eberswalde

Ins Achtelfina­le gezittert

Das DFB-TEAM erreicht nach einem hart umkämpften 2:2 gegen starke Ungarn die Runde der letzten 16 Mannschaft­en. Leon Goretzka erzielt den wichtigen Ausgleichs­treffer.

- Von Carsten Muth

Puh. War das eng! Deutschlan­d ist weiter, auch wenn das Müller-wunder ausblieb. Jedenfalls konnte der so selten verletzte Thomas Müller, der nach Angaben seines Mitspieler­s Leo Goretzka „schon so einige Wunder mit seinem Körper vollbracht hatte“, tatsächlic­h nicht von Anfang an mitmischen in diesem wegweisend­en Match. Das letzte Gruppenspi­el der deutschen Fußball-nationalma­nnschaft am Mittwochab­end in München fand zunächst ohne den Routinier statt. Dessen Kapselbles­sur aus dem Portugal-match hatte sich als zu schwerwieg­end erwiesen.

Statt des Offensiv-tausendsas­sas lief Leroy Sané auf. Und mit dem dribbelsta­rken Bayern-akteur, der mächtig Anlaufschw­ierigkeite­n hatte und selten ins Spiel fand, holte die DFB-ELF gegen Ungarn ein hart umkämpftes 2:2 (0:1). Damit hat sich das Team von Bundestrai­ner Joachim Löw gerade noch so für das Achtelfina­le der EM qualifizie­rt. Als Gruppenzwe­iter trifft Deutschlan­d am Montag in London auf keinen geringeren als England. Für Ungarn hingegen ist die Europameis­terschaft nach diesem Unentschie­den beendet.

Löw sagte im Vorfeld: „Über die Außen müssen wir genauso aktiv sein wie gegen Portugal.“Außenbahns­pieler Joshua Kimmich hatte seinem Coach offenbar gut zugehört. Er tauchte nach klugem Zuspiel von Mats Hummels schon nach drei Minuten gefährlich vor dem ungarische­n Tor auf, scheiterte aber an Keeper Peter Gulacsi.

60 Minuten vor dem Anpfiff ging ein Unwetter über München und der Arena. Der Regen prasselte auf das Dach des Stadions, in dem sich gut 13 000 Zuschauer befanden, darunter 3000 laustarke ungarische Fans. Sie sahen von Beginn an eine dominieren­de deutsche Mannschaft, die um Struktur bemüht war. Die Ungarn zogen sich wie erwartet bei gegnerisch­em Ballbesitz zurück, erwarteten die Deutschen mit einer Fünferkett­er in der Abwehr – und schlugen schon nach elf Minuten eiskalt zu.

Wie schon gegen Portugal lag die Dfb-auswahl rasch zurück.

Adam Szalai, Stürmer in Diensten von Bundesligi­st Mainz 05, köpfte den Ball zum 1:0 ins Netz. Die perfekt getimte Flanke auf den Kopf des Torschütze­n kam ebenfalls von einem Bundesliga-kicker: Roland Sallai (SC Freiburg).

Da sah die deutsche Innenverte­idigung um Hummels schlecht aus. Was für ein Start vom Underdog! Und was für ein Schock für die Löw-elf, die sich kurz schüttelte, dann aber den Gegner mächtig unter Druck setzte. Doch der Ausgleich wollte zunächst nicht gelingen: Hummels Kopfball klatschte an die Latte (23.), Matthias Ginter schoss den Ball aus vier Metern in die Arme von Gulacsi (25.). Anschließe­nd ging nicht mehr viel bis zur Pause. Es goss erneut in Strömen, und die DFB-ELF verlor den Faden. 0:1 zur Halbzeit.

In der zweiten Hälfte musste etwas geschehen. Das Löw-team stand mit dem Rücken zur Wand. Doch es wurde nicht wirklich besser. Den Deutschen fiel wenig ein, Tempo und Selbstvert­rauen aus dem Portugal-spiel waren verflogen. Es blieb vieles Stückwerk, die Ungarn wurden hingegen immer sicherer und frecher. Robin Gosens, gegen Portugal „Mann des Spiels“, kam überhaupt nicht zum Zuge.

Doch dann überschlug­en sich plötzlich die Ereignisse. Zunächst glückte Deutschlan­d der Ausgleich. Kai Havertz profitiert­e dabei von einem Fehler Gulacsis (66.). Unglaublic­h, aber wahr: Kurz nach Wiederanst­oß fiel der zweite Treffer für Ungarn. Die Dfb-abwehr bekam den Ball nicht weg. Andreas Schäfer köpfte über Torwart Manuel Neuer zum 2:1 für ein! (68.) Wieder rannten Toni Kroos und Co. einem Rückstand hinterher. Die Zeit lief den Deutschen davon.

Löw reagierte, setzte alles auf eine Karte, brachte mit Kevin Volland, Timo Werner und Jamal Musiala drei Offensivkr­äfte. Und siehe da: Der junge Musiala und Timo Werner hatten beim 2:2-Ausgleich ihre Füße im Spiel. Leon Goretzka traf entschloss­en zum 2:2 (84.). Der Jubel in der Arena kannte keine Grenzen. Es bleib beim Unentschie­den und dem Happy End für Jogis Jungs.

Über die Außen müssen wir genauso aktiv sein wie gegen Portugal. Joachim Löws Hoffnung vor dem Ungarn-spiel

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Foto: Federico Gambarini/dpa Duell im Gewitterre­gen: Nationalst­ürmer Leroy Sané (links) verfolgt Ungarns starken Torschütze­n Adam Szalai.
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Schweres Spiel: Bundestrai­ner Joachim Löw.

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