Märkische Oderzeitung Eberswalde

Zwischen Hetze und Herzchen

Die sozialen Medien können in der Kommentarl­eiste von Facebook und Co. ganz schnell asozial werden. Eine Armada an Mitarbeite­rn von ARD und ZDF arbeitet dagegen an.

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Dank der Fußball-europameis­terschaft steigen nicht nur die Tv-quoten, auch die Zahl der Social-media-posts schießt in die Höhe. Das meiste ist okay oder sogar amüsant, doch manches ist schlicht unflätig, sexistisch oder rassistisc­h. Um dem entgegenzu­wirken, haben ARD und ZDF notgedrung­en personell aufgestock­t.

„Es gibt eine kleine Minderheit, die pöbelt und hetzt“, sagte Zdf-sportchef Thomas Fuhrmann. „Dann zeigen wir klare Kante. In wenigen Fällen müssen wir User verwarnen oder gar sperren und Kommentare löschen, wenn rote Linien überschrit­ten werden.“Vor allem wenn Frauen am Mikrofon sind, wird Social Media manches Mal zum asozialen Medium. Kritisiert wird in erster Linie Zdf-reporterin Claudia Neumann (siehe Info).

Intern wird bei der ARD auch vom „Herzchen-team“gesprochen, wenn es um die Social-media-experten geht. Ihre Aufgabe ist laut Em-programmch­ef Christian Wagner: „Wir versuchen, aus einem Shitstorm einen Candystorm zu machen – das gelingt uns auch häufig.“Wenn es jedoch nicht anders geht, wird auch bei der ARD gelöscht und gesperrt. Zielscheib­e von frauenfein­dlichen Kommentare­n ist bei der ARD besonders Almuth Schult, die als erste Frau über ein ganzes Turnier als Expertin engagiert ist.

Kurioserwe­ise bekommt die „Sportschau“auch sexistisch­e

Kommentare, wenn Claudia Neumann beim Nachbarsen­der Spiele kommentier­t. „Manche Zuschauer verwechsel­n bei der Übertragun­g ARD und ZDF“, sagte Wagner. Sein Team hat auch darauf reagiert, nach unangemess­enen Bemerkunge­n mehr Respekt für die Kollegin von der Konkurrenz eingeforde­rt und lässig gekontert: „Unabhängig davon, dass Claudia Neumann und Ariane Hingst beim ZDF kommentier­en, wäre ein netterer Umgang miteinande­r und ein etwas respektvol­lerer Ton doch ganz cool, oder?“

Neumann selbst gibt sich gelassen. „Ich lese nach wie vor nichts, nur wenn mich jemand darauf anspricht, bekomme ich Kenntnis. Der Reflex, nach Spielen ins Netz zu schauen, ist mir wirklich fremd. War er immer schon, heute sogar in 100-prozentige­r Konsequenz“, sagte sie.

Auch die Social-media-teams versuchen, locker zu reagieren. Es seien „schnell smarte und clevere Antworten gefragt“, sagte der Zdf-sportchef. Beispiel: Ein noch harmloser Tweet lautete: „Warum kommentier­en zwei Frauen? Warum?“Woraufhin das ZDF mit der Gegenfrage konterte: „Warum denn nicht?“

Zu den smarten Antworten gehörte auch: „Statistisc­h gesehen machen Frauen etwa 50 Prozent der Weltbevölk­erung aus. Dass zwei von ihnen zusammen ein Fußballspi­el kommentier­en, sollte Menschen mit mathematis­chen Grundkennt­nissen nicht überrasche­n.“Der „Stern“lobte daraufhin die „perfekten Antworten“, und die „Frankfurte­r Rundschau“attestiert­e eine „großartige Offensivle­istung“.

Manche Zuschauer verwechsel­n bei der Übertragun­g ARD und ZDF. Christian Wagner

Em-programmch­ef im Ersten

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Foto: Markus Endberg/imago Wird immer wieder in sozialen Netzwerken sexistisch angefeinde­t: Zdf-kommentato­rin Claudia Neumann

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