Ka­bi­nett bil­ligt Kli­ma­pa­ket

Um­welt CO -Ver­rin­ge­rung ist in der EU zum Top-the­ma ge­wor­den. Die deut­schen Zie­le könn­ten bald schon nicht mehr aus­rei­chen.

Märkische Oderzeitung Erkner - - VORDERSEIT­E - Afp

Ber­lin. Ob beim Hei­zen, beim Au­to­fah­ren oder Ver­rei­sen: Die Bür­ger müs­sen sich auf Ve­rän­de­run­gen durch das ge­plan­te Kli­ma­schutz-pa­ket ein­stel­len. Das Ka­bi­nett ver­ab­schie­de­te ein 173 Sei­ten star­kes und um­strit­te­nes „Kli­ma­schutz­pro­gramm 2030“, das ei­ne Viel­zahl von För­der­maß­nah­men, Vor­ga­ben und Ent­las­tun­gen ent­hält. Kern­stück ist ein na­tio­na­ler Emis­si­ons­han­del für die Be­rei­che Ver­kehr und Ge­bäu­de ab 2021.

Ber­lin/brüs­sel. Das Kli­ma­schutz­ge­setz hat mit der Ver­ab­schie­dung durch das Bun­des­ka­bi­nett am Mitt­woch die ers­te ge­setz­li­che Hür­de ge­nom­men. „Wir sind welt­weit das ers­te Land, das sich ei­nen ver­bind­li­chen Fahr­plan Rich­tung Kli­ma­neu­tra­li­tät ge­ge­ben hat“, sag­te Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD).

Kli­ma­neu­tra­li­tät be­deu­tet, dass die al­ler­meis­ten Treib­haus­ga­se ein­ge­spart wer­den und der Rest aus­ge­gli­chen wer­den muss, et­wa durch Auf­fors­tung oder Spei­che­rung von CO2. Das Kli­ma­schutz­ge­setz schreibt die jähr­li­chen Ein­spar­zie­le auf dem Weg da­hin vor, ver­bind­lich für al­le Wirt­schafts­be­rei­che. Ein Ex­per­ten­rat soll die Min­de­rung jähr­lich über­prü­fen. In­ner­halb von drei Mo­na­ten müs­sen die zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­en dann nach­steu­ern, soll­ten die Etap­pen­zie­le in ih­rem Be­reich ver­fehlt wer­den.

Auf die Kri­tik, die­ser Kon­troll­me­cha­nis­mus sei zu lasch, die Kli­ma­zie­le nicht am­bi­tio­niert ge­nug, re­agier­te Schul­ze mit Un­ver­ständ­nis. Sie ver­spricht sich von dem Ge­setz ei­nen in Zu­kunft ein­fa­che­ren Job: „Die Zeit, wo die Um­welt­mi­nis­te­rin ‚Bit­te, bit­te‘ ge­sagt hat und den an­de­ren stän­dig auf die Fü­ße tre­ten muss­te, die­se Zeit ist jetzt end­gül­tig vor­bei.“

Be­we­gung in Eu­ro­pa

Da­bei könn­te Schul­ze bald mäch­ti­ge Un­ter­stüt­zung beim Auf-diefü­ße-tre­ten er­hal­ten. In Brüs­sel hat die de­si­gnier­te Eu-kom­mis­si­ons­che­fin Ur­su­la von der Ley­en Kli­ma­schutz zur Top-prio­ri­tät ge­macht und ih­ren ers­ten Vi­zeprä­si­den­ten, Frans Tim­mer­m­ans, auf das The­ma an­ge­setzt. „Kli­ma­schutz be­fin­det sich nun im Her­zen der neu­en Kom­mis­si­on“, sag­te die Po­li­tik­che­fin des Brüs­se­ler Wwf-bü­ros, Im­ke Lüb­be­ke, die­ser Zei­tung. Tim­mer­m­ans ha­be ei­ne her­aus­ge­ho­be­ne Po­si­ti­on in­ne, in der ihm an­de­re Kom­mis­sa­re be­rich­ten müss­ten. „Er muss si­cher­stel­len, dass Be­rei­che wie Land­wirt­schaft, Ener­gie, Trans­port, Um­welt oder Mee­re Maß­nah­men vor­le­gen“, sagt Lüb­be­ke.

Der hol­län­di­sche So­zi­al­de­mo­krat will da­bei al­lem An­schein nach kei­ne Zeit ver­lie­ren. „Ich wer­de in­ner­halb der ers­ten 100 Ta­ge mei­ner Amts­zeit ein Kli­ma­schutz­ge­setz vor­schla­gen, das das Ziel der Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2050 in der Eu-ge­setz­ge­bung ver­an­kert“, sag­te Tim­mer­m­ans bei sei­ner An­hö­rung im Brüs­se­ler Eu­ro­pa­par­la­ment am Di­ens­tag­abend. Zu­dem wol­le er um­ge­hend da­mit be­gin­nen, ehr­gei­zi­ge­re Zie­le für die Zeit bis 2030 zu er­ar­bei­ten. Die Emis­sio­nen sol­len bis da­hin um min­des­tens 50 Pro­zent, „oder noch bes­ser so­gar um 55 Pro­zent“sin­ken, kün­dig­te der Eu-kom­mis­sar an. Der­zeit gilt ein Ziel von 40 Pro­zent.

Soll­te sein Plan auf­ge­hen, wird die Bun­des­re­gie­rung noch ein­mal deut­lich nach­steu­ern müs­sen. Für Schul­ze ein rea­lis­ti­sches Sze­na­rio: Es sei „ab­seh­bar“, dass die EU am­bi­tio­nier­te­re Zie­le ver­fol­gen wer­de, sag­te sie am Mitt­woch. Das Kli­ma­schutz­ge­setz sei je­doch be­reits da­für aus­ge­legt, die Zie­le zu ver­schär­fen.

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