Je­de Men­ge Sturm

Die Kleist-festtta­ge krei­sen in die­sem Jahr um die Fix­ster­ne Kleist und Fon­ta­ne – und ho­len je­de Men­ge Schau­spiel­pro­mi­nenz an die Oder.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WO?HIN! - BÜHNE - Von Chris­ti­na Til­mann

Ef­fi und Käth­chen sind die bei­den Eck­punk­te der dies­jäh­ri­gen Kleist-fest­ta­ge, die am Don­ners­tag (18.10.) tra­di­tio­nell mit der Ver­lei­hung des Kleist-för­der­prei­ses im Kleist-fo­rum er­öff­nen. Pe­ter Thiers wird für sein Dra­ma „War­ten auf Sturm“aus­ge­zeich­net, ge­zeigt wird die Ins­ze­nie­rung von Vol­ker Metz­ler aus dem Staats­thea­ter Cott­bus. Das Stück be­han­delt das dra­ma­ti­sche Ge­sche­hen in ei­ner Mi­ne, kurz vor ei­nem gi­gan­ti­schen Un­wet­ter: ein Vor­ge­schmack auf den Kli­ma­wan­del, ge­spie­gelt in ei­ner „Me­tro­po­lis“-ar­ti­gen Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen Ar­bei­tern (den Clea­nern) und Be­triebs­lei­tern. Ei­ne hoch­dra­ma­ti­sche Pa­ra­bel über Herr­schaft und Un­ter­drü­ckung, Ka­pi­ta­lis­mus und Re­vol­te.

Auch Fon­ta­ne muss sein

Na­tür­lich kom­men auch die Kleist-fest­ta­ge in die­sem Jahr nicht an Theo­dor Fon­ta­ne vor­bei, wes­halb das Kleist-mu­se­um sich un­ter dem Ti­tel „Himm­li­scher Re­gen auf die Er­de“in ei­ner Aus­stel­lung mit dem nicht un­ge­bro­che­nen Ver­hält­nis von Fon­ta­ne zu Kleist be­fasst. Fon­ta­ne war ja lan­ge Jah­re auch Thea­ter­kri­ti­ker und hat sich im­mer wie­der mit Ins­ze­nie­run­gen Kleists aus­ein­an­der­ge­setzt. Die Aus­stel­lung, die mit ei­ner Per­for­mance er­öff­net wird, wur­de von Clau­dia Czok ku­ra­tiert. Die Ver­nis­sa­ge ist am Sonn­abend (19.10.) um 17 Uhr im Kleist-mu­se­um.

Und noch ein­mal Fon­ta­ne: Zum Ab­schluss des Fest­ta­ge wird in der St. Ger­traud-kir­che in ei­ner kon­zer­tier­ten Ak­ti­on der Frank­fur­ter Bür­ger­schaft Fon­ta­nes Ro­man „Vor dem Sturm“ge­le­sen, der zum Teil ja auch in Frank­furt spielt (27.10., 14 Uhr). Ein Ge­mein­schafts­er­leb­nis, das Schu­le ma­chen und im nächs­ten Jahr fort­ge­setzt wer­den soll.

Je­de Men­ge Schau­spiel-pro­mi­nenz wird er­war­tet und be­schäf­tigt sich wahl­wei­se mit Kleist oder Fon­ta­ne: Tho­mas Thie­me liest in ei­ner Par­force-tour al­le Rol­len aus dem „Käth­chen von Heil­bronn“(27.10., 17 Uhr). Ju­lia Jä­ger liest Tex­te von und über Fon­ta­ne (19.10., 19.30 Uhr). Bas­ti­en­ne Voss und Rei­ner Hei­se le­sen „Ef­fi Briest“(21.10., 19 Uhr). Und So­phie Rois liest – nein, nicht Fon­ta­ne oder Kleist, son­dern Ian Mce­wan, und zwar Pas­sa­gen aus des­sen frü­hen Wer­ken, die zum Teil so ge­wagt sind, dass Fes­ti­val­lei­ter Flo­ri­an Vo­gel schon beim Zu­hö­ren rot wur­de (26.10., 19.30 Uhr).

Das „Käth­chen“in 40 Mi­nu­ten

Auch Mu­sik darf na­tür­lich nicht feh­len: Kat­ha­ri­na Franck ist mit dem Club der to­ten Dich­ter und ih­rem ge­fei­er­ten Fon­ta­ne-pro­gramm viel durch Bran­den­burg ge­tourt – am Frei­tag (18.10., 19.30 Uhr) kommt sie end­lich auch nach Frank­furt. Ein ab­so­lu­ter Ge­heim­tipp ist laut Anet­te Hand­ke vom Kleist-mu­se­um die Jazz-hiphop-kurz­ope­ret­te „Ca­thy of Hal­li­well“nach Kleists „Käth­chen von Heil­bronn“: der gan­ze Stoff in 40 Mi­nu­ten (22.10., 19 Uhr).

Und wer der un­ge­wöhn­li­chen Be­ar­bei­tun­gen noch nicht ge­nug hat, kann sich das Ber­li­ner Sand­thea­ter an­se­hen, wie es Fon­ta­nes be­rühm­tes­ten Ro­man „Ef­fi Briest“in den Sand malt – Li­te­ra­tur in Bil­dern, ganz oh­ne Wor­te (23.10., 19.30 Uhr). Die glei­che Trup­pe wird im März 2020 noch mal mit Wa­g­ners Ring (oh­ne Wor­te) gas­tie­ren.

Und na­tür­lich gibt es wie­der die be­lieb­te In­sti­tu­ti­on des Film­früh­stücks am 20.10. um 11 Uhr mit der Defa-ver­fil­mung von Fon­ta­nes No­vel­le „Un­term Birnbaum“mit An­ge­li­ca Dom­rö­se als Ur­su­la Hrad­schek. Die­se Ver­si­on kann man dann ver­glei­chen mit der am glei­chen Tag ge­zeig­ten Be­ar­bei­tung des Thea­ters am Rand (20.10., 17 Uhr).

Fo­to: Uwe Wolf

Gast­spiel bei den Kleist-fest­ta­gen: Theo­dor Fon­ta­nes be­kann­te Er­zäh­lung „Un­term Birnbaum“, die in Let­schin und Neu­le­win im Oder­bruch spielt, in­spi­rier­te das be­nach­bar­te Thea­ter am Rand zu sei­ner Neu­in­ter­pre­ta­ti­on „Gier“. Mit Ca­the­ri­ne Stoyan und Pas­cal Laló.

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