Ex-fäl­scher wagt ei­nen Neu­be­ginn

Hel­ge Achen­bach hält ei­ne Rück­kehr für mög­lich – als ehr­li­cher Mak­ler und Be­ra­ter.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - KULTUR -

Düs­sel­dorf.

Deutsch­lands einst be­kann­tes­ter Kunst­be­ra­ter war einst von al­len ab­ge­schrie­ben wor­den. Vier Jah­re saß er im Ge­fäng­nis. Den Al­di-er­ben Bert­hold Al­brecht hat­te Achen­bach mit fin­gier­ten Rech­nun­gen um rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro be­tro­gen. Heu­te kauft Achen­bach sel­ber bei Al­di ein. Bei 2000 Eu­ro im Mo­nat und Ra­ten­zah­lun­gen an Spar­kas­se und Fi­nanz­amt sind Edel-re­stau­rants nicht mehr mög­lich.

Achen­bach hat sei­nen Auf­stieg in die Welt der Mil­li­ar­dä­re, sei­nen Ab­sturz in den Knast und sei­ne Rück­kehr ins Le­ben in ei­ner Au­to­bio­gra­fie ver­ar­bei­tet. „Selbst­zer­stö­rung“ist sie be­ti­telt (Er­schei­nungs­tag 16. Ok­to­ber). Ein Come­back im Kunst­ge­schäft schließt Achen­bach dar­in nicht aus. Es ge­be da „span­nen­de Pro­jek­te“. Mit Lu­xus-kunst­mes­sen, Ver­nis­sa­gen und Schi­cke­ria will Achen­bach al­ler­dings nichts mehr zu tun ha­ben.

Da­bei hat Achen­bach das Spiel Jahr­zehn­te mit­ge­spielt. Bei sei­nen Ge­schäf­ten sei er wie ein „Jun­kie, der den nächs­ten Schuss braucht“ge­we­sen, schreibt er. Er führ­te ein Le­ben wie im Voll­rausch. Kunst karr­te er wie Mas­sen­wa­re mit Sat­tel­schlep­pern bei Ban­ken oder Ver­si­che­run­gen vor und be­häng­te Bü­ro­wän­de bin­nen we­ni­ger Ta­ge mit 300 bis 400 Kunst­wer­ken von Beuys bis Rich­ter. Nun sitzt Achen­bach auf ei­nem Schul­den­berg von ge­schätz­ten 20 bis 30 Mil­lio­nen Eu­ro.

Kunst­samm­lung „ver­ramscht“

Achen­bachs Fir­men­ge­flecht ist plei­te, sei­ne Kunst­samm­lung wur­de zwangs­ver­stei­gert – „ver­ramscht“, wie er sagt. Ehe­frau Do­ro­thee ließ sich schei­den. Achen­bach wur­de Un­ter­mie­ter von Ent­hül­lungs­jour­na­list Gün­ter Wall­raff, fing an zu ma­len und un­ter­stützt mit sei­nem Ver­ein Cul­tu­re wi­thout Bor­ders Künst­ler aus Sy­ri­en und Afri­ka. Freun­de aus der Kunst­sze­ne sind Achen­bach nicht vie­le ge­blie­ben. Mit Ger­hard Rich­ter te­le­fo­niert er öf­ter. To­ny Cragg und Andre­as Gurs­ky sei­en auf Dis­tanz ge­gan­gen. Aber zu Gün­ther Ue­cker ha­be er im­mer noch ein gu­tes Ver­hält­nis. Achen­bach ist in­des ge­frag­ter Vor­trags­gast bei Ma­na­ger­se­mi­na­ren und Kunst­freun­den. Sein The­ma: das Schei­tern.

Do­ro­thea Hüls­mei­er, dpa

Fo­to: dpa

Ge­läu­tert: Kunst­be­ra­ter Hel­ge Achen­bach

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