Er­folg mit Schön­heits­feh­lern

Die Par­tei von Ja­roslaw Kac­zyn­ski kann ih­re Al­lein­re­gie­rung fort­set­zen. Op­po­si­ti­on von links und rechts.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK -

War­schau.

Die na­tio­nal-kon­ser­va­ti­ve Par­tei „Recht und Ge­rech­tig­keit“(PIS) wird Po­len auch in den kom­men­den vier Jah­ren al­lein re­gie­ren. Trotz al­ler Kri­tik aus Deutsch­land und der EU, die sich vor al­lem ge­gen die Jus­tiz­re­form rich­te­te, durch die der PIS un­lieb­sa­me Rich­ter aus dem Di­enst ent­fernt wur­den, konn­te die Par­tei von Ja­roslaw Kac­zyn­ski ih­ren Stim­men­an­teil bei der Par­la­ments­wahl am Sonn­tag ge­gen­über 2015 noch deut­lich aus­bau­en.

Nach der Aus­zäh­lung von mehr als 99 Pro­zent al­ler Wahl­be­zir­ke ent­fie­len 43,7 Pro­zent der Stim­men auf die PIS (vor vier Jah­ren 37,6 Pro­zent). Die li­be­ral-kon­ser­va­ti­ve Bür­ger­platt­form des eins­ti­gen Re­gie­rungs­chefs Do­nald Tusk konn­te ihr Er­geb­nis eben­falls stei­gern, auf 27,2 Pro­zent (2015: 24,1 Pro­zent), was aber vor al­lem auf ein Wahl­bünd­nis mit drei klei­ne­ren Par­tei­en, dar­un­ter auch den Grü­nen zu­rück­zu­füh­ren ist.

Der auf den ers­ten Blick ein­drucks­vol­le Sieg hat aus Sicht der PIS aber auch Schön­heits­feh­ler. Denn trotz des Stim­men­ge­winns er­hält die Par­tei ein Man­dat we­ni­ger (bis­her stell­te sie 240 der 460 Ab­ge­ord­ne­ten). Das liegt zum ei­nen an Po­lens Wahl­recht. Zum an­de­ren ge­lang dies­mal mehr Par­tei­en der Sprung über die Fünf-pro­zent-hür­de.

Klein­par­tei­en ho­len auf

Die Lin­ke, un­ter de­ren Dach sich eben­falls drei Par­tei­en ver­eint hat­ten, er­hielt mit 12,5 Pro­zent ein eben­so über­ra­schen­des Er­geb­nis, wie die Bau­ern­par­tei PSL mit 8,5 Pro­zent. Au­ßer­dem er­hielt die ex­trem rechts-na­tio­na­lis­ti­sche „Kon­fö­de­ra­ti­on“6,8 Pro­zent, so dass es die PIS künf­tig mit ei­ner Op­po­si­ti­on von rechts und von links zu tun be­kommt.

Ein Man­ko für Pis-par­tei­chef Kac­zyn­ski per­sön­lich: In War­schau er­hielt die von der Bür­ger­ko­ali­ti­on auf­ge­stell­te Spit­zen­kan­di­da­tin Mal­gorz­a­ta Ki­da­wa-blons­ka fast 80 000 Stim­men mehr. Bei­de Po­li­ti­ker wer­den im Par­la­ment ver­tre­ten sein.

Als Er­folg für die Op­po­si­ti­on stell­te sich am Mon­tag her­aus, dass in der zwei­ten Kam­mer des pol­ni­schen Par­la­ments, dem Se­nat, die PIS nur 49 der 100 Ab­ge­ord­ne­ten stellt. Hier ha­ben die Op­po­si­ti­ons­ab­ge­ord­ne­ten zu­sam­men al­so ei­ne knap­pe Mehr­heit, die Ge­set­zes­än­de­run­gen aber nur er­schwe­ren, nicht ver­hin­dern kann.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) gra­tu­lier­te dem bis­he­ri­gen pol­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ma­teusz Mora­wi­ecki, der nach al­ler Vor­aus­sicht wohl im Amt blei­ben wird, am Mon­tag zum Wahl­sieg. Deutsch­land und Po­len sei­en Nach­barn, Freunde und Part­ner, be­ton­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert.

Die Bun­des­spre­cher der AFD, Alex­an­der Gau­land und Jörg Meu­then, gra­tu­lier­ten der PIS eben­falls und be­zeich­ne­ten de­ren Wahl­sieg als „ein wei­te­res gu­tes Zei­chen da­für, dass die kon­ser­va­ti­ven Kräf­te in Eu­ro­pa im­mer stär­ker wer­den“.

Dietrich Schrö­der

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.