Kri­tik an un­re­gu­lier­ten On­li­ne­spie­len

Schon Kin­der sind der Pro­pa­gan­da von rechts aus­ge­setzt. Mel­den lässt sich das kaum.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - POLITIK -

Ber­lin.

Die An­kün­di­gung von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU), nach dem At­ten­tat von Hal­le die Com­pu­ter­spiel­sze­ne stär­ker auf rechts­ex­tre­me Um­trie­be ins Vi­sier zu neh­men, stößt ne­ben Kri­tik auch auf Zu­stim­mung. Nach­dem Fe­lix Falk, Chef des Ver­bands der deut­schen Ga­mes-bran­che, sich ge­gen ei­nen Ge­ne­ral­ver­dacht ver­wahrt und von ei­ner Hilf­lo­sig­keit der Si­cher­heits­be­hör­den ge­spro­chen hat­te, gibt es aus den Rei­hen von For­schern vor­sich­ti­ge Zu­stim­mung zu dem Vor­stoß.

„Der Be­reich des On­line-ga­mings ist weit­ge­hend un­re­gu­liert“, sagt der Cy­ber­kri­mi­no­lo­ge Tho­mas-ga­bri­el Rü­di­ger. Dies sei be­son­ders bei Kin­dern ge­fähr­lich, weil ei­ni­ge Spie­le be­reits ab null oder sechs Jah­ren frei­ge­ge­ben sei­en. Dort trä­fen sie selbst in harm­los er­schei­nen­den Spie­len manch­mal auf Mit­spie­ler mit ex­tre­mis­ti­schen Welt­bil­dern und Spie­ler-gil­den mit Na­men wie „Waf­fen-ss“oder „Gesta­po Boys“. „Das Ri­si­ko gibt es fak­tisch in al­len Spie­len, von Fort­ni­te bis Clash of Clans oder Brawl­stars“, hat Rü­di­ger be­ob­ach­tet. „Dass dann ge­zielt auch Ein­fluss auf Kin­der ge­nom­men wird, ist nicht un­rea­lis­tisch.“

Rü­di­ger sieht ein Man­ko vor al­lem in feh­len­den Vor­schrif­ten. „Bis­lang gibt es un­ver­ständ­li­cher­wei­se kei­ne Pflicht der Spie­le­an­bie­ter, ei­ne ein­fa­che Mel­de­funk­ti­on für ex­tre­mis­ti­sche Na­men oder In­hal­te vor­zu­hal­ten“, sagt er. Bei Twit­ter, Face­book und Co sei das hin­ge­gen durch das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz vor­ge­schrie­ben. „Es kann doch nicht sein, dass ge­ra­de die Platt­for­men, wo Kin­der tat­säch­lich un­ter­wegs sind, die ge­rings­ten Schutz­me­cha­nis­men ha­ben.“

„Dar­über hin­aus soll­ten Mo­de­ra­to­ren in die­sen Spie­len ver­pflich­tend ge­schult wer­den, auch im Um­gang mit Se­xu­al­de­lik­ten und Ex­tre­mis­mus“, for­dert Rü­di­ger. Es ge­he dar­um, ei­nen ganz­heit­li­chen An­satz ge­gen der­ar­ti­ge Um­trie­be im Netz zu fin­den, der nicht auf On­line-spie­le be­schränkt wer­den dür­fe. Ein Spre­cher des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums er­klär­te, es ge­he nicht dar­um, die Ga­mes-bran­che un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht zu stel­len. Die Po­li­zei müs­se aber wis­sen, wo die Rechts­ex­tre­men im In­ter­net un­ter­wegs sei­en. Ste­fan Ke­gel

Fo­to: dpa

Ga­mer tau­chen in ih­re Welt ab.

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