Die Queen als Wer­be­spot

Pa­ra­do­xe Thron­re­de zur Un­ter­stüt­zung von Bo­ris John­sons Min­der­heits­re­gie­rung, die den Br­ex­it um je­den Preis durch­drü­cken will.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - POLITIK - Von Hen­drik Beb­ber

Die gol­de­ne Staats­kut­sche roll­te die Queen zu ih­rer 65. Thron­re­de. Doch al­ler Pomp und Bom­bast die­ser Ze­re­mo­nie konn­te nicht ver­heh­len, wie freud­los und pein­lich die­se Ver­le­sung des Re­gie­rungs­pro­gramms für die Kö­ni­gin ge­we­sen sein muss. In 9 Mi­nu­ten und 40 Se­kun­den lei­er­te sie die Ge­set­zes­vor­ha­ben run­ter, die mit der Ver­si­che­rung be­gann: „Die Haupt­prio­ri­tät mei­ner Re­gie­rung ist der Aus­tritt aus der EU am 31. Ok­to­ber.“

Die Kö­ni­gin ver­mied bei die­ser Li­ta­nei die ein­zi­gen per­sön­li­chen Be­mer­kun­gen, die ihr die Re­gie­rung zu­ge­steht, näm­lich zu sa­gen, wie sehr sie sich auf Staats­be­su­che aus­län­di­scher Gäs­te freut. Statt­des­sen spul­te sie 26 Ge­set­zes­vor­ha­ben ab, von de­nen sie wie ih­re Un­ter­ta­nen nicht weiß, ob sie je­mals in Kraft tre­ten. Sie hat ei­nen Pre­mier­mi­nis­ter, der mit ei­ner Min­der­heit von mi­nus 40 Stim­men re­giert und sie da­zu nö­tig­te, ein Re­gie­rungs­pro­gramm zu ver­kün­den, ob­wohl er lie­ber heu­te als mor­gen Neu­wah­len an­set­zen möch­te. Höchst frag­lich ist auch der Aus­tritts­ter­min am 31. Ok­to­ber, denn erst der Eu-gip­fel Mit­te der Wo­che und die Son­der­sit­zung des Par­la­ments am Sonn­abend wer­den zei­gen ob John­sons Kal­kül auf­geht.

Wie der Pre­mier­mi­nis­ter die Queen mit der Zwangs­pau­se für das Par­la­ment für ei­ne un­ge­setz­li­che Maß­nah­me über­töl­pel­te, so be­nutz­te er sie nun als kö­nig­li­chen Wer­be­spot für Neu­wah­len, von de­nen er hofft, end­lich hand­lungs­fä­hig zu wer­den.

Die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en ta­ten die Thron­re­de als rei­ne „Far­ce“und „To­ry-wahl­kampf­pro­pa­gan­da“ab. Wäh­rend die Queen im Na­men John­sons die en­ge Ver­bun­den­heit der Völ­ker des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­rei­ches be­schwor, ver­kün­de­te die schot­ti­sche Na­tio­nal­par­tei ei­nen neu­en An­lauf für ei­nen Volks­ent­scheid zur Un­ab­hän­gig­keit Schott­lands.

Brüs­sel und Du­blin ver­mei­den al­les, um nicht als Sün­den­bö­cke für John­sons ge­platz­ten De­al zu die­nen und „ver­han­deln in­ten­siv.“Theo­ri­en, John­son ha­be bei der strit­ti­gen Fra­ge der iri­schen Gren­ze ein ge­mein­sa­mes Zoll­ge­biet vor­ge­schla­gen, stie­ßen be­reits auf schar­fe Ab­leh­nung der nord­iri­schen Pro­tes­tan­ten, die sei­ne Min­der­heits­re­gie­rung noch stüt­zen. Hard­li­ner sei­ner ei­ge­nen Frak­ti­on be­ste­hen dar­auf, dass Groß­bri­tan­ni­en auf Bie­gen und Bre­chen auch oh­ne De­al am Mo­nats­en­de die EU ver­lässt.

Doch das ver­hin­dert ei­gent­lich ein Ge­setz des Par­la­ments, das John­son da­zu ver­pflich­tet, Brüs­sel um ei­ne neue Ver­län­ge­rungs­frist zu bit­ten, falls es zu kei­ner Ver­ein­ba­rung kom­men wird. Auch wenn ent­ge­gen den meis­ten Pro­gno­sen in den nächs­ten Ta­gen ir­gend­ein De­al be­schlos­sen wird, wür­de es ein­fach zeit­lich nicht mehr mög­lich sein, den lan­gen Ra­ti­fi­zie­rungs­pro­zess bis zum Mo­nats­en­de durch­zu­zie­hen.

Fo­to: Pe­te Ma­clai­ne/i-images/ima­go

Prinz Charles (r.) ge­lei­tet sei­ne Mut­ter zur Par­la­ments­er­öff­nung. Die Kro­ne wird vor­ne­weg ge­tra­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.