Auf die Oh­ren

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - MULTIMEDIA -

„Ganz ein­fach“,

sagt Ke­vin, „kein Pro­blem.“Ich blei­be miss­trau­isch. War­um spricht der jun­ge Di­gi­tal­ex­per­te auf­fal­lend lang­sam mit mir? Ke­vin Pin­now ist Pod­cast-ex­per­te beim Kreis­an­zei­ger Iser­lohn. Heu­te ha­be ich wie­der Nach­hil­fe. Ke­vin Pin­now bringt mir Pod­cas­ten bei: Auf­neh­men, Schnei­den, Ver­brei­ten. Frü­her ha­be ich die schma­len brau­nen Strei­fen der Mu­sik­kas­set­ten zu­sam­men­ge­klebt, das Prin­zip ist ge­blie­ben. Ke­vin schnei­det mit der App­le-soft­ware „Ga­ra­ge­band“. Und, hur­ra, ich krieg’s auch hin. Ein klei­ner Schnitt für die Mensch­heit, aber mein ers­tes Er­folgs­er­leb­nis seit lan­gem im ge­heim­nis­vol­len Di­gi­ta­li­en.

Pod­cast ist im Trend. Was neu­mo­disch klingt, ist ein­fach nur Ra­dio to go, schnell pro­du­ziert, ver­brei­tet und welt­weit ge­hört. Be­freit von leicht er­reg­ba­ren Rund­funk­rä­ten fin­det hier das Deut­li­che und Der­be eben­so ein Zu­hau­se wie Al­ber­nes und Ab­ge­dreh­tes. Pod­cast ver­hält sich zu Ra­dio wie Youtube zu TV – jün­ger, fre­cher, zu­ge­spitz­ter und übe­r­all zu hö­ren, beim Jog­gen, beim Ein­schla­fen, bei der Ar­beit. Wer lauscht, hat die Au­gen frei und kann ne­ben­bei was an­de­res er­le­di­gen.

Pod­cast ver­hält sich zu Ra­dio wie Youtube zu TV.

In den USA wer­den Pod­casts ge­fei­ert und be­wor­ben wie Net­flix-se­ri­en. In Deutsch­land blei­ben die Zu­wachs­ra­ten sta­bil steil. Für Jour­na­lis­ten wie mich, die ihr Le­ben lang klei­ne Auf­sät­ze schrei­ben, ein zu­kunfts­träch­ti­ges Ex­pe­ri­men­tier­feld.

Ke­vin baut für Iser­lohn Sport- und Kul­tur­pod­casts, lo­kal, per­sön­lich, in­for­ma­tiv. Kann ich auch, oder? „Jaaaa“, sagt Ke­vin und macht ei­ne lan­ge Pau­se, „ . . . aber . . .“Das größ­te Miss­ver­ständ­nis, er­klärt mein Aus­bil­der, lie­ge in der An­nah­me, dass es ge­nü­ge, ein­fach drauf­los zu sab­beln. Ir­gend­was er­zäh­len und trotz­dem ori­gi­nell sein, das schafft bes­ten­falls Mi­cky Bei­sen­herz.

Ich ver­such’s mit mei­nen Netz­ent­de­ckern. In Fol­ge eins er­klärt Ke­vin, wie Pod­cas­ten geht. Nach ei­ner hal­ben St­un­de Üben und zwei St­un­den Schnitt ist die ers­te Fol­ge fer­tig. Ich hät­te nie ge­dacht, wie viel Spaß es be­rei­tet, aus ei­ner St­un­de Re­den die span­nends­ten Stel­len her­aus­zu­fil­tern und halb­wegs sinn­voll an­ein­an­der zu fum­meln. Le­bens­lan­ges Ler­nen funk­tio­niert ja doch.

Unser Au­tor

Ha­jo Schu­ma­cher stu­dier­te Jour­na­lis­tik, Po­li­to­lo­gie und Psy­cho­lo­gie. Der 55-Jäh­ri­ge war Re­dak­teur beim Spie­gel und Chef­re­dak­teur von Max. Heu­te ar­bei­tet er als frei­er Jour­na­list, Buch­au­tor und Mo­de­ra­tor.

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