Smart­pho­ne auf Rä­dern

Ein ver­netz­tes Au­to hält stän­dig Kon­takt. Das bie­tet Fah­rern, Händ­lern und Werk­stät­ten neue Mög­lich­kei­ten – von der Un­ter­hal­tung bis zum Ser­vice.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - MULTIMEDIA - Dpa

Frü­her stieg man ins Au­to ein, dreh­te den Ra­dio­knopf nach rechts und schob viel­leicht noch ei­ne Kas­set­te in den Schacht. Heu­te küm­mert sich im­mer öf­ter das Smart­pho­ne um die Un­ter­hal­tung. Schon beim Ein­stei­gen ver­bin­det sich die­ses mit dem En­ter­tain­ment­sys­tem an Bord und stellt al­le Funk­tio­nen des Han­dys zur Ver­fü­gung.

„Die Ver­net­zung im Au­to hat in den letz­ten Jah­ren im­mer wei­ter zu­ge­nom­men. Das ging mit dem ipod los, dann lie­ßen sich die Han­dys über Frei­sprech­ein­rich­tun­gen nut­zen, und jetzt kom­men Strea­m­ing­diens­te und Apps via Smart­pho­ne da­zu“, sagt Hol­ger Ip­pen von der Zeit­schrift „Au­to Zei­tung“. Da­bei sei­en die­se Mög­lich­kei­ten kei­nes­wegs auf hö­he­re Fahr­zeug­klas­sen be­schränkt. Selbst Neu­wa­gen im un­te­ren Preis­seg­ment wür­den in­zwi­schen ver­netz­te En­ter­tain­ment­sys­te­me an­bie­ten.

„Au­tos sind längst nicht mehr nur Fahr­zeu­ge, um uns von A nach B zu brin­gen. Die Kun­den wün­schen sich dar­in den Kom­fort, den sie auch von zu Hau­se und an­de­ren Di­ens­ten ken­nen“, sagt Ro­bert Span­hei­mer, Ex­per­te des Di­gi­tal-bran­chen­ver­ban­des Bit­kom. Noch kom­for­ta­bler wird die Nut­zung der Mo­bil­ge­rä­te im Au­to durch Sys­te­me wie App­le Car­play, An­dro­id Au­to oder Mir­ror­link. Da­hin­ter ste­cken ei­ge­ne Be­nut­zer­ober­flä­chen, die es er­mög­li­chen, vie­le Funk­tio­nen des Smart­pho­nes über das Dis­play des in­te­grier­ten En­ter­tain­ment­sys­tems zu be­die­nen. „Der zu­sätz­li­che Vor­teil ist, dass dann auch wei­te­re Funk­tio­nen wie Goog­le Maps zur Ver­fü­gung ste­hen, wo­durch der Au­to­fah­rer al­so gleich auch ein Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem zur Ver­fü­gung hat“, er­klärt Ip­pen.

Wäh­rend es für den Fah­rer hin­ter dem Steu­er im­mer kom­for­ta­bler wird, nimmt auch die An­bin­dung der Au­tos nach au­ßen Fahrt auf. „Bei der Ver­net­zung nach au­ßen geht es ei­ner­seits um die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Her­stel­lern und Werk­stät­ten, aber auch um den In­for­ma­ti­ons­aus­tausch mit an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern und der In­fra­struk­tur“, sagt Ip­pen. Künf­tig wer­de es bei­spiels­wei­se im­mer häu­fi­ger so sein, dass das Au­to selbst ei­nen Be­darf bei der Werk­statt an­mel­de, wenn et­wa ei­ne be­stimm­te Lauf­leis­tung er­reicht sei. „Dann kon­tak­tiert die Werk­statt den Au­to­fah­rer und bie­tet ei­nen Ser­vice­ter­min an, bei­spiels­wei­se ver­bun­den mit ei­nem On­line-ra­batt“, sagt Ip­pen. Denn für die Ser­vice­werk­stät­ten bie­te die Ver­net­zung auch ei­ne gu­te Mög­lich­keit der Kun­den­bin­dung.

Bei der Ver­net­zung mit Am­peln, Stra­ßen­schil­dern oder Ret­tungs­diens­ten hin­ge­gen ste­hen die Ver­kehrs­si­cher­heit und der Ver­kehrs­fluss im Fo­kus. In Düs­sel­dorf gibt es ei­ne 20 Ki­lo­me­ter lan­ge Test­stre­cke, auf der 16 Un­ter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen ent­spre­chen­de Pro­jek­te un­ter rea­len Be­din­gun­gen tes­ten. Ein Bei­spiel ist ein di­gi­ta­ler Ret­tungs­gas­sen-as­sis­tent, den Ford und Vo­da­fo­ne ent­wi­ckeln. „Der Alarm wird di­rekt im Kran­ken­wa­gen aus­ge­löst. Via Mo­bil­funk wer­den dann die Au­tos in der Um­ge­bung des Un­falls ge­warnt und auf dem Dis­play an­ge­lei­tet, wie sie ei­ne Ret­tungs­gas­se bil­den müs­sen“, er­klärt To­bi­as Kr­zos­sa von Vo­da­fo­ne. Vor­aus­set­zung da­für sind fest im Au­to ver­bau­te Sim-kar­ten, die bei Neu­wa­gen seit 1. April 2018 für den No­t­ruf ecall oh­ne­hin vor­ge­schrie­ben sind. Da­ne­ben aber bie­ten die Mo­bil­funk­kar­ten zahl­rei­che wei­te­re Mög­lich­kei­ten, spe­zi­ell im Hin­blick auf den neu­en Mo­bil­funk­stan­dard 5G.

Hin­ter der Ver­net­zung steckt auch ein gu­tes Ge­schäft. „Die Fahr­zeug­in­dus­trie wird sich im­mer mehr da­hin ent­wi­ckeln, dass der Kun­de on­line be­stimm­te Funk­tio­nen da­zu­kauft, die dann per Up­date ak­ti­viert wer­den“, sagt Ip­pen. So sei es bei­spiels­wei­se denk­bar, dass die Leis­tung ei­nes Au­tos li­mi­tiert wer­de, wenn ein Fahr­an­fän­ger da­mit un­ter­wegs sei. Oder ein Fea­ture wie die Mas­sa­ge­funk­ti­on im Sitz wird nur für die Fahrt in den Ur­laub da­zu ge­bucht.

Die Kehr­sei­te der Ver­net­zung: Der Fah­rer wird glä­ser­ner. Wer et­wa Car­sha­ring-an­ge­bo­te oder E-scoo­ter per Smart­pho­ne nutzt, gibt be­reits vie­les über sich preis. „Da wer­den gan­ze Be­we­gungs­pro­fi­le er­stellt, die von den Fir­men auch da­zu ge­nutzt wer­den, um wei­te­re Ge­schäf­te mit den Kun­den zu ma­chen“, gibt Ip­pen zu be­den­ken.

Die Kun­den wün­schen im Fahr­zeug den Kom­fort, den sie von zu Hau­se ken­nen. Ro­bert Span­hei­mer Di­gi­tal­ver­band Bit­kom

Fo­to: Zacha­rie Scheu­rer/dpa

Im­mer on­line: Im Au­to ver­bin­den sich Smart­pho­ne und das En­ter­tain­ment-sys­tem.

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