Noch ein Stück nach links

Das Kan­di­da­ten-duo Nor­bert Wal­ter-bor­jans und Sas­kia Es­ken will Hartz-iv-sank­tio­nen kom­plett ab­schaf­fen.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK -

Ber­lin. Es ist noch gar nicht lan­ge her, da hat sich die SPD – da­mals noch un­ter Par­tei­che­fin Andrea Nah­les – da­zu durch­ge­run­gen, Hartz IV zu über­win­den; erst im Fe­bru­ar stell­te die Par­tei ein neu­es „So­zi­al­staats­pa­pier“vor. Die­ses Kon­zept je­doch könn­te schon bald über­holt sein. Denn wenn Nor­bert Wal­ter-bor­jans und Sas­kia Es­ken die Wahl zum Par­tei­vor­sitz ge­win­nen soll­ten, dürf­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten in so­zia­len Fra­gen noch ein­mal deut­lich nach links rü­cken.

„Wir wol­len ei­ne po­li­ti­sche Lob­by für die sein, die sonst kei­ne Lob­by ha­ben“, schreibt das Kan­di­da­ten­team in ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier, das die­ser Zei­tung vor­liegt. Auf sie­ben Sei­ten brei­ten die bei­den So­zi­al­de­mo­kra­ten aus, wie sie sich künf­tig die So­zi­al­po­li­tik vor­stel­len. So soll die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung durch ei­ne Ar­beits­ver­si­che­rung ab­ge­löst wer­den, die in ver­schie­de­nen Le­bens­si­tua­tio­nen greift, et­wa auch wenn An­ge­hö­ri­ge ge­pflegt wer­den oder ei­ne Wei­ter­bil­dung an­steht. Das Ren­ten­ein­tritts­al­ter dür­fe nicht er­höht wer­den. Zu­gleich sol­le die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ge­stärkt wer­den, wäh­rend die steu­er­li­che För­de­rung der Ries­ter-ren­te un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Be­stands­schut­zes ab­ge­schafft wer­den soll.

Kampf­an­sa­ge an den Vi­ze­kanz­ler

Wal­ter-bor­jans/es­ken stre­ben zu­dem ei­nen Min­dest­lohn von zwölf Eu­ro an, da­mit Ren­ten ober­halb der Ar­muts­gren­ze ga­ran­tiert sind. „Dass die Steu­er­zah­ler die Ein­kom­men von Ge­ring­ver­die­nern auf­sto­cken müs­sen, ob­wohl vie­le die­ser Auf­sto­cker Voll­zeit ar­bei­ten, ist ein so­zi­al­po­li­ti­scher Skan­dal.“

Be­son­ders kon­flikt­träch­tig ist die For­de­rung der bei­den nach ei­nem En­de der Hartz-iv-sank­tio­nen. Bis­lang war es Po­si­ti­on der SPD, dass „sinn­wid­ri­ge und un­wür­di­ge Sank­tio­nen“ab­ge­schafft ge­hö­ren, Mit­wir­kungs­pflich­ten al­ler­dings er­hal­ten blei­ben sol­len. Wal­ter-bor­jans und Es­ken wol­len hin­ge­gen, dass das Exis­tenz­mi­ni­mum sank­ti­ons­frei bleibt. Sie po­si­tio­nie­ren sich da­mit in der Dis­kus­si­on über ein be­din­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men, die in der SPD bis­lang nicht aus­ge­tra­gen wur­de.

Nie sei­en die Chan­cen grö­ßer ge­we­sen, Wohl­stand für al­le, so­zia­le Si­cher­heit und gu­te Ar­beit zu ge­währ­leis­ten, heißt es in dem Kon­zept. Es ge­be aber auch Pro­ble­me, die „aus fal­schen po­li­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen re­sul­tie­ren“, schrei­ben sie und nen­nen die an­hal­ten­de Spar­po­li­tik als ei­ne der Ur­sa­chen.

Auch da­mit stel­len sich die bei­den Kan­di­da­ten ge­gen Olaf Scholz und Kla­ra Gey­witz, das wohl aus­sichts­reichs­te Kon­kur­renz­duo. Scholz hat­te sich in so­zi­al­po­li­ti­schen Fra­gen stets am Nah­les-so­zi­al­staats­pa­pier ori­en­tiert.

Nach dem steu­er­po­li­ti­schen Kon­zept der bei­den ist das Pa­pier schon die zwei­te Kampf­an­sa­ge in Rich­tung Scholz. Noch bis 25. Ok­to­ber kön­nen die Spd-mit­glie­der ab­stim­men, wel­ches der sechs Be­wer­ber-duos künf­tig die Par­tei füh­ren soll. Ma­thi­as Pud­dig

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