Grü­ne ste­hen auf der Brem­se

De­bat­ten um Ver­wal­tungs­de­tail brin­gen den Ver­hand­lungs­plan ins Sto­cken. Öko­lo­gi­sche Wen­de ist bis­lang nicht in Sicht.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BRANDENBUR­G - Von Ul­rich Thies­sen

Fast zwölf St­un­den Ver­hand­lun­gen, so et­was hin­ter­lässt Spu­ren. Als die Spre­cher von SPD, CDU und Grü­nen am spä­ten Mon­tag­abend vor die Pres­se tra­ten, ge­lang es ih­nen kaum, den sonst üb­li­chen Ein­druck zu ver­mit­teln: Es geht vor­an mit dem Ke­nia-bünd­nis in Bran­den­burg.

SPD-CHEF Diet­mar Wo­id­ke ver­such­te zwar die Li­nie zu hal­ten, dass man sich im Grun­de ge­nom­men auch bei den ver­han­del­ten The­men Land­wirt­schaft und Um­welt ei­nig sei. Al­ler­dings konn­te er auch nicht ein kon­kre­tes Er­geb­nis be­nen­nen. Dass die Lan­des­gar­ten­schau­en wei­ter un­ter­stützt wer­den, klang fast schon wie ei­ne in­halt­li­che Bank­rott­er­klä­rung. Sie stan­den nie in Fra­ge und die nächs­te Blu­men­schau 2022 in Bee­litz wird längst vor­be­rei­tet.

Die Grü­nen leg­ten 60 Sei­ten vor

Die Ver­hand­lungs­füh­re­rin der Grü­nen, Ur­su­la Non­ne­ma­cher, be­ton­te, dass noch gar nichts end­gül­tig sei. Ei­ne sechs­köp­fi­ge Re­dak­ti­ons­grup­pe soll nun bis Don­ners­tag die Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se für die­sen Be­reich neu fas­sen und ein zwan­zigsei­ti­ges Pa­pier ein­kür­zen.

Ob die Grü­nen in die­sem für sie wich­ti­gen Be­reich punk­ten konn­ten, ist schwer zu sa­gen. Non­ne­ma­cher er­klär­te, sie kön­ne zu den Kli­ma­zie­len der künf­ti­gen Ko­ali­ti­on kei­ne Aus­sa­ge tref­fen. Un­klar­hei­ten gibt es auch beim Ein­satz von Pes­ti­zi­den. Ei­ne Volks­in­itia­ti­ve für den Ar­ten­schutz hat be­reits mehr als 60 000 Un­ter­schrif­ten un­ter an­de­rem für die For­de­rung ge­sam­melt, die Che­mi­ka­li­en nicht mehr in Na­tur­schutz­ge­bie­ten ein­zu­set­zen. Die Land­wir­te ge­hen da­ge­gen auf die Bar­ri­ka­den.

In den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen wur­de aus dem Be­griff „Pes­ti­zi­de“zu­nächst „che­misch-syn­the­ti­sche Pflan­zen­schutz­mit­tel“. De­ren Ein­satz soll bis zum Jahr 2030 in Bran­den­burg hal­biert wer­den, so Non­ne­ma­cher. Wel­ches Aus­gangs­jahr da­zu her­an­ge­zo­gen wird, blieb of­fen. Eben­so die Fra­ge, ob der Ein­satz in Schutz­ge­bie­ten be­grenzt wird.

Aus­gangs­punkt der Ver­hand­lun­gen wa­ren die Ar­beits­grup­pen. Die Grü­nen, so heißt es, sei­en dort mit ei­nem 60-sei­ti­gen Pa­pier an­ge­tre­ten. Es ging um Schna­bel­pfle­ge bei Ge­flü­gel, Re­ge­lun­gen zur Kas­trie­rung von Kat­zen und das Si­cker­was­ser in Si­lo­an­la­gen. Sei­tens der Grü­nen wird die De­tailfreu­de mit dem Hin­weis ver­tei­digt, dass man lie­ber jetzt strei­te als in den nächs­ten fünf Jah­ren. Da­hin­ter ver­birgt sich die Furcht, von den grö­ße­ren Part­nern im Re­gie­rungs­han­deln in die Ecke ge­drängt zu wer­den. Bei SPD und CDU ist re­gel­mä­ßi­ges Stöh­nen zu ver­neh­men. Wenn die Grü­nen al­les jetzt re­geln wol­len, brau­chen sie gar kei­ne Mi­nis­ter mehr, heißt es sar­kas­tisch. Die hät­ten eh nichts mehr zu ent­schei­den.

Zu den un­ge­klär­ten Be­rei­chen ge­hört auch der Forst. Die vor­be­rei­ten­de Ar­beits­grup­pe hat­te vor­ge­schla­gen, den Per­so­nal­be­stand nicht wie ge­plant von 1450 Stel­len auf 1000 zu re­du­zie­ren, son­dern auf 1600 aus­zu­bau­en. Die­se Zahl soll jetzt ent­fal­len sein. Statt des­sen ist von Auf­ga­ben­über­prü­fung und ei­ner ent­spre­chen­den Per­so­nal­ent­wick­lung die Re­de.

Hei­kel dürf­te es auch auf der heu­ti­gen nächs­ten Sit­zung zu den The­men Wirt­schaft, Ver­kehr und Ener­gie zu­ge­hen. Größ­ter Streit­punkt da­bei ist die Wind­ener­gie. Die Grü­nen wol­len den Aus­bau ga­ran­tie­ren und se­hen in der Aus­wei­tung der Min­dest­ab­stän­de zu Wohn­be­bau­un­gen ei­ne ro­te Li­nie. Un­ter­stüt­zung er­hal­ten sie da­bei vom Bun­des­ver­ban­des Wind­ener­gie (BWE). „Wer Ab­stän­de über 1000 Me­ter zur Wohn­be­bau­ung ein­füh­ren und Wind­ener­gie im Wald zu­gleich un­ter­sa­gen will, schiebt die Ener­gie­wen­de auf ein Ab­stell­gleis“, sag­te Hin­rich Glahr, Lan­des­vo­rist­zen­der des BWE An­fang die­ser Wo­che.

Die CDU möch­te die Min­dest­ab­stän­de auf 1500 Me­ter aus­deh­nen und dann den Kom­mu­nen die Ent­schei­dung dar­über über­las­sen, ob die­se Dis­tanz un­ter­schrit­ten wer­den soll. Das leh­nen die Grü­nen je­doch ab. Die SPD hat­te mit den Lin­ken zu­sam­men ei­ne Bun­des­rats­in­itia­ti­ve ein­ge­bracht, die die Pri­vi­le­gie­rung der Wind­rä­der im Bau­recht be­en­det. Aber auch da­ge­gen weh­ren sich die Grü­nen.

Fo­to: dpa

Lan­des­bi­schof Mar­kus Drö­ge.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.