Ein Wech­sel bringt bis zu 380 Eu­ro

Wer sein Geld nicht un­nö­tig ver­hei­zen will, soll­te die Ta­ri­fe on­line ver­glei­chen. An­bie­ter lo­cken mit at­trak­ti­ven An­ge­bo­ten. Doch die ha­ben ih­re Tü­cken.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­an Kern

Der kom­men­de Win­ter wird teu­er. Zu­min­dest was das Hei­zen an­geht. Die An­bie­ter ha­ben die Prei­se für Erd­gas wie­der deut­lich er­höht. Knapp 9 Pro­zent mehr muss ein Mus­ter­haus­halt mit 20 000 Ki­lo­watt­stun­den im Ver­gleich zum Vor­jahr be­zah­len, er­rech­ne­te das On­line-ver­gleich­spor­tal „Ve­ri­vox“.

Das ist är­ger­lich. Aber auch ei­ne Chan­ce, aus der Not ei­ne Tu­gend zu ma­chen. Denn zu Be­ginn der Heiz­sai­son lo­cken vie­le An­bie­ter mit at­trak­ti­ven An­ge­bo­ten. Die wich­tigs­ten Fra­gen zum Erd­gas im Über­blick.

Lohnt sich ein Wech­sel?

In den al­ler­meis­ten Fäl­len lau­tet die Ant­wort: ja. Denn bei Erd­gas ist es völ­lig egal, bei wel­chem Un­ter­neh­men man Kun­de ist: Das Gas ist im­mer das­sel­be. Al­ler­dings be­deu­tet glei­ches Gas kei­nes­wegs auch den glei­chen Preis. Küm­mert man sich nicht um ei­nen spe­zi­el­len Ta­rif, lan­det man in der Grund­ver­sor­gung. „In der Re­gel ist die­ser Ta­rif der teu­ers­te“, sagt Ve­ri­vox-ex­per­te Lund­quist Neu­bau­er. Ge­ra­de hier ist das Spar­po­ten­zi­al enorm. 380 € spart man durch­schnitt­lich im Jahr bei ei­nem Wech­sel zum ver­brau­cher­freund­lichs­ten Ta­rif.

Wie läuft der Wech­sel ab?

Kei­ne War­te­zeit, kei­ne Ge­büh­ren – ein Wech­sel des Ga­s­an­bie­ters geht meist rei­bungs­los über die Büh­ne. So­bald man ei­nen neu­en Ver­trag ab­schließt, küm­mert sich der An­bie­ter um die Kün­di­gung des al­ten. „Das läuft alles au­to­ma­tisch“, sagt Neu­bau­er.

Die Un­ter­neh­men brau­chen je­doch oft ein paar Ta­ge für das Schrei­ben. Und das kann Kon­se­quen­zen ha­ben: Kommt die Kün­di­gung zu spät zum al­ten An­bie­ter, ver­län­gert sich der Ver­trag. Dann ist ein Wech­sel nicht mehr mög­lich. Heißt: Wenn es knapp wird, lie­ber sel­ber kün­di­gen.

Wo fin­de ich den bil­ligs­ten Ta­rif?

Check24, Ve­ri­vox, Top­ta­rif – im In­ter­net fin­det man zahl­rei­che Ver­gleich­spor­ta­le. Der Vor­teil: Die Su­che ist kin­der­leicht. Man muss le­dig­lich Post­leit­zahl, Woh­nungs­grö­ße und Ver­brauch an­ge­ben, schon be­kommt man dut­zen­de Gas-ta­ri­fe zur Aus­wahl. Kos­ten­los und un­ver­bind­lich.

Aber Ach­tung: Vie­le ver­meint­li­chen Schnäpp­chen ent­pup­pen sich als ech­te Geld­fres­ser. Das Tü­cki­sche: Die Ver­gleich­spor­ta­le be­rech­nen bei den Prei­sen au­to­ma­tisch Neu­kun­den-bo­ni mit. „Die­se Bo­ni wer­den nicht im­mer aus­be­zahlt“, sagt Chris­ti­na Wall­raf von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nord­rhein-west­fa­len. Au­ßer­dem gel­ten die Ra­bat­te nur für das ers­te Ver­trags­jahr. Ab dem zwei­ten wird es deut­lich teu­rer. Die Ver­brau­cher­schüt­ze­rin rät, die Such­fil­ter bei den Por­ta­len zu än­dern. Bei der Su­che sol­le man pe­ni­bel dar­auf ach­ten, dass die Bo­ni nicht mit ein­be­rech­net wer­den.

Wie lang soll der Ver­trag lau­fen?

Ma­xi­mal ein Jahr, mehr nicht. So lau­tet die Faust­for­mel von Ver­brau­cher­schüt­ze­rin Wall­raf. Das gilt be­son­ders in der jet­zi­gen Si­tua­ti­on, weil Gas im Groß­han­del wie­der bil­li­ger wird. Die­se Preis­sen­kung wird lang­fris­tig auch den Kun­den er­rei­chen – vor­aus­ge­setzt, der steckt nicht in ei­nem lan­gen Ver­trag fest.

Ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Re­gel: lang­fris­ti­ge An­schluss­ver­trä­ge ver­mei­den. Bei vie­len An­bie­tern ver­län­gert sich der Ver­trag au­to­ma­tisch um ein Jahr. Kün­digt man nicht recht­zei­tig, kann man viel Geld ver­lie­ren. Des­we­gen lohnt es sich, die Ver­trags­kon­di­tio­nen ge­nau zu prü­fen. Ak­zep­ta­bel sei ei­ne au­to­ma­ti­sche Ver­län­ge­rung „von ei­nem Mo­nat oder sechs Wo­chen“, sagt Wall­raf.

Braucht man ei­ne Preis­ga­ran­tie?

We­gen der stei­gen­den Gas-kos­ten wer­ben vie­le An­bie­ter mit ei­ner Preis­ga­ran­tie. Das Ver­spre­chen: Egal was pas­siert, der Preis bleibt für die ver­ein­bar­te Zeit gleich. Das hört sich viel­ver­spre­chend an. Aber Wall­raf warnt: „Ei­ne Preis­ga­ran­tie lohnt sich nur, wenn sie nicht teu­er er­kauft wird.“Schließ­lich hat der Kun­de bei je­der Preis­er­hö­hung ein Son­der­kün­di­gungs­recht und kann wech­seln. Wer die Post des An­bie­ters auf­merk­sam liest, ist al­so auf der si­che­ren Sei­te – auch oh­ne Preis­ga­ran­tie.

Ist ein Kli­ma­gas-ta­rif sinn­voll?

Das Ver­spre­chen ist ver­lo­ckend: Bil­lig hei­zen und gleich­zei­tig et­was Gu­tes für den Pla­ne­ten tun. Das soll mit dem Kli­ma- oder Öko­gas mög­lich sein. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Denn hinter dem Wer­be-slo­gan ver­birgt sich ein Trick der An­bie­ter. Sie ver­pflich­ten sich zwar, das beim Hei­zen ent­ste­hen­de CO2 aus­zu­glei­chen. Al­ler­dings be­lie­fern sie den Kun­den wei­ter­hin mit fos­si­lem Erd­gas. Wirk­lich kli­ma­freund­lich ist das nicht. Zu­dem ist die Co2-kom­pen­sa­ti­on oft in­trans­pa­rent. Wel­che Pro­jek­te mit dem Geld ge­för­dert wer­den, ist für den Kun­den schwer nach­zu­voll­zie­hen. Wall­raf’s Tipp lau­tet des­halb: Statt den Öko-auf­preis zu zah­len, lie­ber spar­sam hei­zen. Das sei im­mer noch die ef­fek­tivs­te Me­tho­de, das Kli­ma zu schüt­zen.

Fo­to: © Patrick Da­xen­bich­ler/shut­ter

Teu­rer Kom­fort: Die Prei­se für Erd­gas ha­ben sich in die­sem Jahr wie­der er­höht.

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