Mon­tags kei­ne Brie­fe mehr?

Die FDP will die Zu­stel­lung zu Wo­chen­be­ginn strei­chen. Auch das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um denkt in die­se Rich­tung und will bis Jah­res­en­de ei­nen Ge­setz­ent­wurf vor­le­gen.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - WIRTSCHAFT - Von Wolf von De­witz dpa

Die De­bat­te, ob die Deut­sche Post künf­tig noch sechs Ta­ge in der Wo­che Brie­fe zu­stel­len muss, ist wie­der auf­ge­flammt. Hin­ter­grund ist die an­ste­hen­de Re­form des Post­ge­set­zes. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te da­zu ein Eck­punk­te­pa­pier vor­ge­legt. Tei­le des Ge­set­zes sind schon mehr als zwei Jahr­zehn­te alt, sie gel­ten an­ge­sichts fort­schrei­ten­der Di­gi­ta­li­sie­rung und sin­ken­der Brief­men­gen als über­holt.

In dem Eck­punk­te­pa­pier schreibt das Mi­nis­te­ri­um un­ter an­de­rem, man wol­le un­ter­su­chen, „ob die Zu­stel­lung an sechs Ta­gen wei­ter­hin er­for­der­lich ist“. Da­bei ver­weist es auf Eu-re­geln, de­nen zu­fol­ge an nur fünf Ta­gen pro Wo­che zu­ge­stellt wer­den muss.

An­de­re Par­tei­en zie­hen nicht mit

Die Bun­des­tags­frak­ti­on der FDP hat nun ei­nen An­trag ge­stellt, dass an Mon­ta­gen kei­ne Pflicht mehr sein soll. Die Li­be­ra­len knüp­fen dies aber an die Be­din­gung, dass die Deut­sche Post sams­tags deut­lich mehr Brie­fe aus­lie­fert. Bis­her muss die Post an ei­nem Werk­tag min­des­tens 80 Pro­zent der Brie­fe zu­stel­len, die am Vor­tag ein­ge­wor­fen wor­den sind. Die­sen Wert will die FDP für Sams­ta­ge auf 95 Pro­zent stei­gern. Das soll ver­hin­dern, dass gro­ße Brief­men­gen ta­ge­lang lie­gen blei­ben.

Sol­len die Brief­käs­ten an Mon­ta­gen leer blei­ben dür­fen? Das Eck­punk­te­pa­pier stellt die Fra­ge, be­ant­wor­tet sie aber nicht. Ja, sagt die FDP. Nein, heißt es hin­ge­gen von der SPD. „Ei­ne Ver­kür­zung der Zu­stel­lung von sechs auf fünf Ta­ge die Wo­che ist oh­ne Fra­ge ei­ne Ver­schlech­te­rung für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger“, sagt der Vi­ze­chef der Spd-bun­des­tags­frak­ti­on, Sö­ren Bar­tol. „Wir leh­nen die­se ab.“

Ein Nein kommt auch von der AFD, von den Grü­nen und von der Lin­ken. Der Links­po­li­ti­ker Pas­cal Mei­ser be­tont, dass ge­ra­de erst ei­ne saf­ti­ge Por­to­er­hö­hung ge­neh­migt wor­den sei und dass die Post-be­schwer­den an­stei­gen. Aus sei­ner Sicht wä­re es da­her völ­lig un­an­ge­mes­sen, nun den Mon­tag zu strei­chen und der Post das Ge­schäft so­mit zu er­leich­tern.

Stren­ge­re Re­geln als in der EU

Der wirt­schafts­po­li­ti­sche Spre­cher der Frak­ti­on von CDU und CSU im Bun­des­tag, Joa­chim Pfeif­fer, gibt zu be­den­ken, dass man in Deutsch­land schär­fe­re Zu­stell­pflich­ten ha­be als in an­de­ren Eu-staa­ten. „An­ge­sichts der um­fas­sen­den Di­gi­ta­li­sie­rung von Wirt­schaft und Ge­sell­schaft wer­den wir ge­nau prü­fen müs­sen, ob das noch zeit­ge­mäß ist.“Der Po­li­ti­ker stellt zwar kei­ne Ab­schaf­fung der Mon­tags­zu­stel­lung in Aus­sicht, aber im­mer­hin Än­de­run­gen. Er kön­ne sich durch­aus vor­stel­len, dass Kun­den zum Bei­spiel für ei­ne Mon­tags­zu­stel­lung „ei­nen klei­nen Be­trag mehr“be­zah­len. Doch ge­be es in sei­ner Frak­ti­on noch kei­ne Ei­ni­gung zu die­sem The­ma.

Ein Knack­punkt ist die Fra­ge, ob ein Mon­tags-aus zu nicht hin­nehm­ba­ren Ver­zö­ge­run­gen im Brief­ver­kehr mit Ge­rich­ten füh­ren wür­de – dass al­so da­durch Fris­ten nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Sol­che Ge­richts­schrei­ben müs­sen laut Ge­setz in Pa­pier­form zu­ge­stellt wer­den. „So­lan­ge der Staat, et­wa bei Be­hör­den- oder Ge­richts­kom­mu­ni­ka­ti­on, den klas­si­schen Brief­ver­kehr zwin­gend vor­aus­setzt, darf es kei­ne Ein­schrän­kung der Brief­zu­stel­lung ge­ben“, sagt der Vi­ze-chef der Afd-bun­des­tags­frak­ti­on, Leif-erik Holm.

Li­be­ra­le wol­len Ge­gen­leis­tung.

Die FDP will ih­ren An­trag nicht als Schüt­zen­hil­fe für die Deut­sche Post se­hen. Ih­re For­de­rung, die Brief­men­gen am Sonn­abend in die Hö­he zu schrau­ben, dürf­te für den Bon­ner Kon­zern ein Kraft­akt sein. Der fe­der­füh­ren­de Ver­fas­ser des An­trags, der Fdp-ab­ge­ord­ne­te Rein­hard Hou­ben, sagt, der Weg­fall der Mon­tags­pflicht wä­re für die Fir­ma fi­nan­zi­ell ge­se­hen ein gro­ßer Vor­teil, weil sie dann we­ni­ger Per­so­nal bräuch­te. „Das darf aber kein Ge­schenk oh­ne Ge­gen­leis­tung wer­den.“Im Ge­gen­zug müs­se sich die Sams­tags­zu­stel­lung ver­bes­sern.

Fo­to: Oli­ver Berg/dpa

Nur 13 Pro­zent der Brie­fe kom­men von Pri­vat­leu­ten.

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