Im Al­ter schön und teu­er

In deut­schen Hä­fen lie­gen his­to­ri­sche Se­gel- und Dampf­schif­fe aus hei­mi­schen Werf­ten und be­rei­ten den Städ­ten Sor­gen und Kos­ten.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BLICK IN DIE WELT - Von Hans-chris­ti­an Wös­te dpa

Ein Schiff ist im Ha­fen si­cher, aber da­für wur­de es nicht ge­baut“, lau­tet ein Sprich­wort. Schif­fe in Fahrt zu hal­ten, ist je­doch teu­er. Und selbst Mu­se­ums­schif­fe, die nur im Ha­fen lie­gen, ver­ur­sa­chen ho­he Kos­ten. Ei­ni­ge Bei­spie­le von Nord- und Ost­see:

„Seu­te Deern“

Die 100 Jah­re al­te Bark gilt als Wahr­zei­chen Bre­mer­ha­vens. Der Vier­mast-gaf­fel­scho­ner war einst im Holz­trans­port ein­ge­setzt und liegt schwer an­ge­schla­gen im Mu­se­ums­ha­fen. Im Fe­bru­ar setz­te dem Schiff ein Feu­er zu, am 30. Sep­tem­ber sack­te es auf den Grund des Ha­fens ab. Es muss­te ge­bor­gen wer­den. Seit­dem lau­fen die Pum­pen und be­för­dern täg­lich 4800 Ku­bik­me­ter Was­ser aus dem Schiff.

Am 23. Ok­to­ber will der Stif­tungs­rat des Deut­schen Schiff­fahrts­mu­se­ums über sei­ne Zu­kunft ent­schei­den. Der Bund hat 17 Mil­lio­nen Eu­ro zur Re­stau­rie­rung zu­ge­sagt, falls die Stadt Bre­mer­ha­ven und das Land Bre­men den glei­chen Be­trag bei­steu­ern. Die Zu­kunft der „Seu­te Deern“(platt­deutsch für sü­ßes Mäd­chen) ist al­so mehr als un­ge­wiss.

„Ka­pi­tän Mey­er“

Der ehe­ma­li­ge Dampf­ton­nen­le­ger war 1950 das ers­te neu­ge­bau­te staat­li­che Schiff in der 1949 ge­grün­de­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. 1952 war es an der his­to­ri­schen Über­ga­be Hel­go­lands von den Al­li­ier­ten be­tei­ligt und fuhr bis 1983 Ein­sät­ze als War­tungs­schiff für Feu­er­schif­fe und schwim­men­de See­zei­chen.

In­zwi­schen ist das Mu­se­ums­schiff nicht mehr in Fahrt, ei­ne Sa­nie­rung und die Ein­bin­dung ins Wil­helms­ha­ve­ner Küs­ten­mu­se­um wür­den mehr als 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Der Rat der Stadt hat den Plan we­gen kaum ab­schätz­ba­rer Fol­ge­kos­ten so­eben ab­ge­lehnt. Die Zu­kunft auch die­ses Schif­fes ist da­mit of­fen.

„Am­rum­bank“

Das frü­he­re Feu­er­schiff „Am­rum­bank/deut­sche Bucht“liegt seit Jah­ren am Em­der Rats­delft. Das 104 Jah­re al­te Mu­se­ums­schiff mit Re­stau­rant muss jetzt drin­gend sa­niert wer­den, der­zeit läuft die Aus­schrei­bung zur Ge­ne­ral­über­ho­lung für rund 4,4 Mil­lio­nen Eu­ro.

Der neue Ver­ein „Ma­ri­ti­mes Kul­tur­gut Deut­sche Feu­er­schif­fe“küm­mert sich um die letz­ten sie­ben Feu­er­schif­fe in deut­schen Hä­fen von Bor­kum bis Lü­beck, zwei da­von sind nicht mehr fahr­be­reit. Der Ver­ein er­war­tet rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro Bun­des­mit­tel und wei­te­re zehn Mil­lio­nen an Zu­schüs­sen zur Sa­nie­rung al­ler Schif­fe.

„Pe­king“

Die Vier­mast-stahl­bark ist 1911 bei Blohm&voss in Ham­burg vom Sta­pel ge­lau­fen. Sie lag Jahr­zehn­te als Mu­se­ums­schiff in New York und war am En­de völ­lig ma­ro­de. 2017 wur­de die „Pe­king“per Schiff über den At­lan­tik nach Bruns­büt­tel über­führt und bei der Pe­ters-werft in We­wels­fleth ein­ge­dockt.

Seit­dem läuft die Re­stau­rie­rung, die bis 2020 dau­ern soll. Die Ge­samt­kos­ten be­lau­fen sich auf 35 Mil­lio­nen Eu­ro, die vom Bund ge­tra­gen wer­den. Die „Pe­king“soll das Flagg­schiff für das deut­sche Ha­fen­mu­se­um wer­den, das in Ham­burg ent­steht. Sie wird vor­aus­sicht­lich im nächs­ten Som­mer erst­mals nach Jahr­zehn­ten wie­der in Ham­burg an­le­gen.

Ein Ver­ein küm­mert sich um die letz­ten sie­ben Feu­er­schif­fe in deut­schen Hä­fen.

„Un­di­ne“

Seit Ok­to­ber 2014 liegt der Rumpf des äl­tes­ten er­hal­te­nen See­bä­der­schiffs Deutsch­lands im Ros­to­cker Stadt­ha­fen und ros­tet still vor sich hin. 1910 war es auf der Ros­to­cker Nep­tun Werft ge­baut wor­den. „Das Schiff soll re­stau­riert und bei der al­ten Nep­tun Werft an Land ge­stellt wer­den“, sag­te der frü­he­re Ha­fen­ka­pi­tän Gis­bert Ruhn­ke. Da­zu soll das Deck um­ge­baut wer­den, da­mit das Schiff spä­ter als ei­ne Art Mu­se­um die­nen kann. „Mit ei­ner Mil­li­on Eu­ro muss man schon rech­nen“, sagt Ruhn­ke.

Fo­to: Cars­ten Reh­der/dpa

Das Se­gel­schiff „Pe­king“liegt vor dem Aus­do­cken in der Werft in Ham­burg.

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