Tat der „mo­ra­li­schen Ver­wahr­lo­sung“

In Frank­furt (Oder) ste­hen zwei Frau­en vor Ge­richt, die ei­ne 33-Jäh­ri­ge erst grund­los miss­han­delt und dann mit Tö­tungs­ab­sicht in die eis­kal­te Oder ge­sto­ßen ha­ben sol­len.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BRANDENBUR­G - Von Ma­thi­as Haus­ding

Die bei­den Frau­en auf der An­kla­ge­bank wir­ken völ­lig un­schein­bar. Man könn­te ver­mu­ten, dass sie in der Ver­wal­tung ei­ner Kran­ken­kas­se oder im Su­per­markt ar­bei­ten und ein Le­ben als un­be­schol­te­ne Bür­ge­rin­nen füh­ren. Tat­säch­lich aber woll­ten sie nach Über­zeu­gung der Staats­an­walt­schaft ei­ne an­de­re Frau um­brin­gen, nach­dem sie sie zu­vor grund­los miss­han­delt hat­ten.

Zum Auf­takt des Pro­zes­ses um den Mord­ver­such in Frank­furt (Oder) ha­ben die bei­den An­ge­klag­ten am Mon­tag die Aus­sa­ge ver­wei­gert. Der 31 Jah­re al­ten Jen­ni­fer S. und der 19-jäh­ri­gen Mo­ni­que D. wird vor­ge­wor­fen, am 7. Ja­nu­ar die­ses Jah­res ei­ne 33 Jah­re al­te Frank­fur­te­rin in die eis­kal­te Oder ge­sto­ßen zu ha­ben. Laut An­kla­ge­schrift mit dem Ziel, durch ei­nen Mord die vor­aus­ge­gan­ge­nen Miss­hand­lun­gen zu ver­de­cken.

Am Nach­mit­tag des Tat­ta­ges hät­ten sie dem­nach ge­mein­sam mit zwei Män­nern den Plan ge­fasst, sich an der Frau zu rä­chen. Laut Staats­an­walt­schaft hielt das Quar­tett ihr vor, sich in frem­de Be­zie­hun­gen ein­zu­mi­schen und Un­wahr­hei­ten zu ver­brei­ten.

Ober­staats­an­walt Ul­rich Scher­ding sag­te am Ran­de der Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt Frank­furt, es sei be­mer­kens­wert, zu welch sinn­lo­sen Ta­ten die Ver­bin­dung von mo­ra­li­scher Ver­wahr­lo­sung und Al­ko­hol füh­ren kön­ne. Die bei­den Män­ner, de­ren Pro­zess we­gen Kör­per­ver­let­zung und an­de­ren Ver­ge­hen in Kür­ze be­ginnt, und die bei­den Frau­en ha­ben das Op­fer laut An­kla­ge über St­un­den ge­quält. Los ging es da­mit, dass der Frau auf of­fe­ner Stra­ße das Han­dy und ih­re Woh­nungs­schlüs­sel ge­raubt wur­den. Jen­ni­fer S. ha­be da­bei auf die Frau ein­ge­schla­gen und Mo­ni­que D. die Haa­re der 33-Jäh­ri­gen an­ge­zün­det. Ge­mein­sam mit den zwei Män­nern sei man dann in die Woh­nung des Op­fers ge­gan­gen, um es aus­zu­rau­ben. Zu der spä­ter auf­ge­teil­ten Beu­te ge­hör­ten ein Fern­se­her, Lap­top, Uh­ren, Schmuck und et­was Bar­geld. In der Zeit wur­de der Frau fort­lau­fend Ge­walt an­ge­tan. Man flöß­te ihr zwei Ecs­ta­sy-ta­blet­ten ein, be­sprüh­te sie mit Pfef­fer­spray, ra­sier­te ih­re Haa­re ab, trat mit Fü­ßen ge­gen ih­ren Kopf. Dann ging es in die Woh­nung ei­nes Man­nes, wo sich die Tor­tur fort­setz­te.

Schließ­lich hät­ten die bei­den Frau­en ver­ein­bart, ihr Op­fer zu tö­ten, um die Ge­walt­ta­ten zu ver­de­cken, so die Staats­an­walt­schaft. Sie sol­len sich mit der Frau an ei­ne ab­ge­le­ge­ne Stel­le an der Oder, dem Win­ter­ha­fen, be­ge­ben ha­ben. Mo­ni­que D., die das Op­fer bis zu je­nem Tag über­haupt nicht kann­te, aber wohl von Jen­ni­fer S. in­stru­men­ta­li­siert wur­de, ha­be die Frau in den drei Grad kal­ten Fluss ge­sto­ßen. Laut An­kla­ge­schrift ist sie mehr als 100 Me­ter ab­ge­trie­ben, be­vor sie sich über ei­ne Lei­ter selbst ret­ten konn­te.

Straf­ra­batt ge­gen Ge­ständ­nis?

Die Ver­tei­di­gung von Jen­ni­fer S. bat die Straf­kam­mer nach Ver­le­sung der An­kla­ge­schrift um ein Ge­spräch hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren. Of­fen­bar soll­te aus­ge­lo­tet wer­den, wel­chen Straf­ra­batt es für ein mög­li­ches Ge­ständ­nis ge­ben könn­te. Er­geb­nis­se des Ge­sprächs wur­den nicht be­kannt.

Am Mon­tag soll der Pro­zess fort­ge­setzt wer­den. Dann ist das Op­fer als Zeu­gin ge­la­den. Ih­re An­wäl­tin Kat­ja Isen­berg sag­te am Ran­de der Ver­hand­lung, dass ih­re Man­dan­tin kör­per­lich wie­der ge­ne­sen sei, es ihr aber zu schaf­fen ma­che, ei­ni­ge der An­grei­fer in Frank­furt auf der Stra­ße zu tref­fen. Le­dig­lich die zwei Haupt­tä­te­rin­nen sit­zen noch in U-haft.

War­um der Ge­walt­ex­zess? Weil das Op­fer an­geb­lich Lü­gen ver­brei­tet hat.

Fo­to: Ma­thi­as Haus­ding

An­ge­klagt we­gen ver­such­ten Mor­des: An­walt De­nis Mat­t­hies (l.) am Mon­tag ne­ben sei­ner Man­dan­tin Jen­ni­fer S. (vorn). Im Hin­ter­grund die zwei­te An­ge­klag­te Mo­ni­que D.

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