Hoch­zeits­fo­tos schon vor der Trau­ung

In Pa­ris boomt der Pre-wed­ding-tou­ris­mus. Vor al­lem asia­ti­sche Paa­re grei­fen tief in die Ta­sche für ro­man­ti­sche Hoch­zeits­fo­tos.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von Pe­ter Heusch

Pre-wed­ding – auch Ver­lob­ten-shooting ge­nant – ist ein boo­men­des Ge­schäft. Im­mer mehr Paa­re, vor­nehm­lich aus Fer­n­ost, las­sen es sich viel Geld kos­ten, sich schon vor der Hoch­zeit vor be­kann­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten ab­lich­ten zu las­sen.

Pa­ris sonnt sich ger­ne in sei­nem Ruf, die Stadt der Lie­be zu sein. Nicht nur, aber auch, weil sich die­ser Ruf präch­tig ver­sil­bern lässt. Er hat die fran­zö­si­sche Haupt­stadt schon seit lan­gem zu ei­nem der be­lieb­tes­ten Rei­se­zie­le über­haupt ge­macht. Ver­gleichs­wei­se neu ist je­doch das gro­ße Ge­schäft des Ver­lob­ten-shooting – auch „Pre-wed­ding“ge­nannt. Im­mer mehr Men­schen sind be­reit, ein Hei­den­geld aus­zu­ge­ben, um sich kurz vor dem Ein­tritt in den Ehe­stand in trau­ter Po­se vor den Pa­ri­ser Se­hens­wür­dig­kei­ten fo­to­gra­fie­ren zu las­sen.

Zu­ge­ge­ben: Der Ro­man­tik­fak­tor, der ein Kuss un­ter dem Eif­fel­turm oder vor der Glas­py­ra­mi­de des Lou­vre-mu­se­um bie­tet, ist schwer zu über­tref­fen. Trotz­dem über­rascht die Zahl der Paa­re, die sich dort oder an an­de­ren be­son­ders ma­le­ri­schen Pa­ri­ser „lo­ca­ti­ons“täg­lich ab­lich­ten las­sen. Bei­na­he aus­nahms­los han­delt es sich da­bei um Tou­ris­ten, sehr häu­fig tra­gen sie Hoch­zeits­klei­dung und eben­so häu­fig stam­men sie aus dem asia­ti­schen Raum. Ins­be­son­de­re bei schö­nem Wet­ter kann rasch der Ein­druck ent­ste­hen, dass sich so gut wie je­des drit­te chi­ne­si­sche, ja­pa­ni­sche oder ko­rea­ni­sche Braut­paar un­be­dingt in Pa­ris ver­hei­ra­ten will.

Dem ist frei­lich nicht so, da es sich im Zwei­fels­fall um Pre-wed­ding-shoo­tings han­delt. Schö­ne Hoch­zeit­fo­tos, die be­reits vor der Trau­ung ge­schos­sen wer­den, ha­ben in Asi­en – und vor al­lem in Chi­na, wo sich al­lein je­des Jahr mehr als zehn Mil­lio­nen Paa­re das Ja-wort ge­ben – ei­ne mitt­ler­wei­le 40-jäh­ri­ge Tra­di­ti­on. Doch wenn man sich dort frü­her in pro­fes­sio­nel­len Stu­di­os und in aus­ge­wähl­ten Pa­ris- oder Ve­ne­dig­ku­lis­sen in Sze­ne set­zen ließ, sind heu­te Ori­gi­nal­schau­plät­ze ge­fragt. Fol­ge­rich­tig er­setzt die Rei­se nach Pa­ris (sehr an­ge­sagt sind auch Lon­don, Ve­ne­dig, Rom, Ca­pri, Ha­waii oder Neu­see­land) im­mer häu­fi­ger den Gang ins hei­mi­sche Fo­to­stu­dio.

Bis zu 3500 Eu­ro fürs Pa­ket

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich die­se Pre-wed­ding-fo­to­gra­fie zu ei­nem sehr lu­kra­ti­ven Ge­schäfts­mo­dell ent­wi­ckelt. Or­ga­ni­siert wer­den die Fo­to-rei­sen zu­meist von spe­zia­li­sier­ten Agen­tu­ren mit Sitz in Asi­en. Aber zu­mal in Pa­ris, wo schon auf­grund der gro­ßen Mo­de­schau­en an gu­ten Fo­to­gra­fen kein Man­gel herrscht, sind ih­nen in­zwi­schen Kon­kur­ren­ten er­wach­sen. Kein Wun­der, schließ­lich pro­fi­tiert ge­ra­de Frank­reich ganz be­son­ders von dem neu­en Trend. Die re­nom­mier­te Pa­ri­ser Ta­ges­zei­tung „Le Mon­de“schätz­te das asia­ti­sche Um­satz­vo­lu­men der Pre-wed­ding-pho­to­gra­phy jüngst auf mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro jähr­lich.

Paa­re aus dem asia­ti­schen Raum bu­chen ih­re bis zu 3500 Eu­ro kos­ten­den Pa­ri­ser Fo­to­ses­si­ons ge­mein­hin als Pa­ket, wel­ches den Fo­to­gra­fen, Leih­klei­der, ei­ne Sty­lis­tin und den Trans­port wäh­rend der Auf­nah­men um­fasst. Flü­ge und Un­ter­kunft schla­gen da­bei ge­trennt zu Bu­che. Ein teu­rer Spaß? Frag­los. Aber Al­ben mit „Pre-wed­ding-fo­tos“sind vor al­lem in Chi­na ein fes­ter Be­stand­teil sehr auf­wen­di­ger Hoch­zeits­fei­ern, die den so­zia­len Sta­tus der Braut­paa­re und de­ren El­tern aufs Ein­drucks­volls­te her­aus­stel­len sol­len.

Fo­to: afp

Ein Hoch­zeits­paar po­siert auf ei­ner Stra­ße auf der In­sel Ba­li.

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