Denk­mal an der Ber-lan­de­bahn

Die Ber­li­ner Flug­ge­sell­schaf­ten Air Ber­lin und Ger­ma­nia sind nach der In­sol­venz Ge­schich­te. Ma­ri­us Lan­gas hat mit den drei Me­ter ho­hen Schrift­zü­gen der Air­lines Gro­ßes vor.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - BRANDENBUR­G - Von Andre­as Wendt Spen­den: www.go­fund­me.com/ air-ber­lin-ger­ma­nia-4ever

Der Traum von Ma­ri­us Lan­gas nimmt Gestalt an. Der 30-jäh­ri­ge ge­bür­ti­ge Fürs­ten­wal­der plant aus Hin­ter­las­sen­schaf­ten der in­sol­ven­ten Flug­ge­sell­schaf­ten Air Ber­lin und Ger­ma­nia ein Denk­mal am BER. Für ei­ne vier­stel­li­ge Sum­me hat­te er vor we­ni­gen Wo­chen die einst am Han­gar in Schö­ne­feld pran­gen­den Schrift­zü­ge und Lo­gos bei­der Air­lines ge­kauft und über die Cro­w­fun­dig-platt­form „Go­fund­me“zu Spen­den auf­ge­ru­fen, um sein Pro­jekt um­zu­set­zen.

Am Di­ens­tag war es nun so­weit: Mit Un­ter­stüt­zung von Luft­han­sa Bom­bar­dier sind die ton­nen­schwe­ren Ori­gi­na­le bei­der Air­lines aus dem Han­gar in Sel­chow bei Schö­ne­feld auf ei­nen Las­ter ge­la­den und auf das Ge­län­de der Lo­gis­tik­fir­ma Rieck ge­fah­ren wor­den. „Vor al­lem die Lo­gos wa­ren ein Pro­blem“, sagt Lan­gas. „Wir konn­ten sie lei­der nicht aus­ein­an­der bau­en.“Das Ge­län­de von Rieck Lo­gis­tik ver­läuft nach Aus­sa­gen von Lan­gas, der bei der Deut­schen Flug­si­che­rung ar­bei­tet, par­al­lel zum An­flug auf die Pis­te 25R, so­dass je­der, der im An­flug auf der rech­ten Sei­te sitzt, kurz vor der Lan­dung künf­tig den Air-ber­lin-schrift­zug se­hen könn­te.

Zu­min­dest bis April 2020, denn dann en­det die In­ter­na­tio­na­le Luft­fahrt­aus­stel­lung (ILA) und so­lan­ge will Ge­schäfts­füh­rer Patrick von Oy die Flä­che zur Ver­fü­gung stel­len. Er sei von sei­ner Idee be­geis­tert ge­we­sen, er­zählt Lan­gas. So wie Lan­gas über den Kon­to­stand bei Go­fund­me er­freut war. In­ner­halb we­ni­ger Wo­chen sind dort 6500 Eu­ro an Spen­den ein­ge­gan­gen. „Da­mit lässt sich die In­stal­la­ti­on um­set­zen“, ist Lan­gas über­zeugt. Ur­sprüng­lich war der 30-Jäh­ri­ge da­von aus­ge­gan­gen, min­des­tens 8000 Eu­ro zur Rea­li­sie­rung des Pro­jekts zu be­nö­ti­gen. „Ich dach­te, dass wir Ver­trä­ge brau­chen, die no­ta­ri­ell be­ur­kun­det wer­den und Kos­ten ver­ur­sa­chen“, sagt er. Aber durch die Un­ter­stüt­zung des Lo­gis­tik­un­ter­neh­mens ha­be er viel ge­spart.

Da­mit nicht ge­nug: Zwei wei­te­re Schrift­zü­ge – ei­ner von Air Ber­lin und ei­ner von Ger­ma­nia – wer­den dau­er­haft auf dem Flug­platz in Fehr­bel­lin (Ost­p­ri­gnitz-rup­pin) auf­ge­baut. Flug­platz-ge­schäfts­füh­rer Cars­ten Mil­bach hat nach Aus­sa­gen von Lan­gas das Pro­jekt von Be­ginn an stark un­ter­stützt und er­hofft sich über die bis zu drei Me­ter ho­hen Ra­ri­tä­ten auch ei­nen Auf­trieb für sei­nen Ver­kehrs­lan­de­platz, den die Stadt Neu­rup­pin und die Ge­mein­de Fehr­bel­lin 2018 an den pri­va­ten In­ves­tor ver­kauft hat­ten.

Nach dem Trans­port wird Lan­gas zu­fol­ge in den nächs­ten Wo­chen an den Ver­an­ke­run­gen ge­ar­bei­tet. In Schö­ne­feld wer­den die Buch­sta­ben so an­ge­schrägt, da­mit der Re­gen ab­lau­fen kann. In Fehr­bel­lin wird ei­ne rich­ti­ge Kon­struk­ti­on ge­schweißt, um die ein­zel­nen Buch­sta­ben des Schrift­zu­ges lan­ge Zeit si­cher zu be­fes­ti­gen.

Auf ei­ner Dan­kes­ta­fel will Lan­gas an die Air­lines er­in­nern und letzt­lich all je­ne auf­füh­ren, die sein Pro­jekt un­ter­stützt ha­ben. Air Ber­lin hat­te im Au­gust 2017 In­sol­venz an­mel­den müs­sen, Ger­ma­nia im Fe­bru­ar die­ses Jah­res. Die Fol­ge der Plei­te bei­der Haupt­stadt-air­lines wa­ren ei­ne Men­ge Flug­zeu­ge, die von Mit­be­wer­bern über­nom­men wor­den sind, und über 9000 Be­schäf­tig­te, die ih­ren Ar­beits­platz ver­lo­ren. „Die­se Air­lines zeich­ne­ten sich be­son­ders durch ih­ren Spi­rit un­ter den Mit­ar­bei­tern aus. Je­der hat zu­sam­men­ge­hal­ten, ist durch dick und dünn und schluss­end­lich in die Plei­te ge­gan­gen, man­che so­gar bei bei­den Air­lines“, be­tont Lan­gas. Der Ver­lust bei­der Flug­ge­sell­schaf­ten ha­be der Luft­fahrt­re­gi­on Ber­lin/bran­den­burg ei­nen or­dent­li­chen Scha­den ver­passt. „So soll die­ses Denk­mal auch ein Mahn­mal wer­den, das zeigt, wie Miss­ma­nage­ment und Gier ein gro­ßes Un­glück her­bei­füh­ren kön­nen“, sagt der Initia­tor der un­ge­wöhn­li­chen Ak­ti­on. Ma­na­ger, die die In­sol­venz von Air Ber­lin und Ger­ma­nia mit zu ver­ant­wor­ten hat­ten, sei­en nicht un­ter den Spen­dern und Un­ter­stüt­zern des ge­plan­ten Denk­mals ge­we­sen.

Lan­gas hofft, dass er mit der Um­set­zung sei­ner Idee ei­nen Ort schafft, wo ehe­ma­li­ge An­ge­stell­te bei­der Flug­ge­sell­schaf­ten zu­sam­men­kom­men und ein we­nig in Er­in­ne­run­gen schwel­gen kön­nen. „Das ist mei­ne Mo­ti­va­ti­on“, sagt der heu­te in Zeu­then (Dah­me-spree­wald) le­ben­de Mann.

Frü­he­re Mit­ar­bei­ter sind durch dick und dünn und letzt­lich in die Plei­te ge­gan­gen.

Fo­to: Ma­ri­us Lan­gas

Am Bo­den: Der Schrift­zug der in­sol­ven­ten Flug­ge­sell­schaft Air Ber­lin liegt am Han­gar in Sel­chow bei Schö­ne­feld. Am Di­ens­tag sind die Buch­sta­ben ab­trans­por­tiert wor­den – und sol­len künf­tig als Denk­mal auf­ge­stellt wer­den.

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