„Oh­ne Mi­li­tär geht es nicht“

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK - Au­ßen­po­li­tik-ex­per­te Mar­kus Kaim über die Sy­ri­en-fra­ge

Be­deu­tet der Vor­stoß der deut­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin ei­nen Pa­ra­dig­men­wech­sel?

Nein. Wir ha­ben seit der Si­cher­heits­kon­fe­renz 2014 so et­was wie ei­nen Kon­sens, dass Deutsch­land mehr in­ter­na­tio­na­le Ver­ant­wor­tung über­nimmt. Es gab auch in den letz­ten Jah­ren öf­ters Über­le­gun­gen zu ei­ner Sy­ri­en-mis­si­on. Zu­letzt vor ei­nem Jahr zum Schutz von Id­lib für den Fall ei­nes Che­mie­waf­fen­ein­sat­zes.

Kramp-kar­ren­bau­er will, dass dar­aus nun kon­kre­tes Han­deln wird.

Grund­sätz­lich ist die Be­reit­schaft zum En­ga­ge­ment in der deut­schen Po­li­tik im­mer gut. Nur: Ich se­he kei­ne Initia­ti­ve, ge­schwei­ge denn ei­nen Plan, al­len­falls so et­was wie ei­ne Idee. Bis­her ha­ben wir nur Schlag­wor­te. Was ist zum Bei­spiel ge­meint mit „in­ter­na­tio­na­ler Si­cher­heits­zo­ne“? Mit Russ­land und der Tür­kei zu re­den, klingt gut – aber über was? Ist die Na­to an­ge­spro­chen oder ei­ne Art Ko­ali­ti­on der Wil­li­gen? Das ist al­les of­fen.

Die Mi­nis­te­rin ar­gu­men­tiert, sie wol­le das mit den Part­nern ab­stim­men.

Man muss doch ei­ne Vor­stel­lung da­von ha­ben, was man will. So ein Mi­li­tär­ein­satz ist im­mer nur so gut wie sein po­li­ti­sches Ziel. Will man ei­ne hu­ma­ni­tär in­spi­rier­te Mis­si­on oder klas­si­sches Pe­ace­ke­eping oder Raum für po­li­ti­sche Ver­hand­lun­gen?

Oh­ne mi­li­tä­ri­schen Ein­satz wird es nicht ge­hen, oder?

Nein. Der mi­li­tä­ri­sche Auf­wand be­misst sich na­tür­lich am Ziel der Mis­si­on. Die De­tails müs­sen dann die Mi­li­tärs er­ar­bei­ten, wenn der Auf­trag steht. Aber in bei­den ge­nann­ten Fäl­len re­den wir über die Ent­sen­dung von Bo­den­trup­pen.

Wä­re für Deutsch­land ein Ein­satz oh­ne UN- Man­dat mög­lich?

Wenn ich die Op­po­si­ti­on wä­re, wür­de ich bei ei­nem Be­schluss oh­ne Un-man­dat so­fort nach Karls­ru­he zie­hen. Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kürz­lich den deut­schen Ein­satz im Kampf ge­gen die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on IS auch oh­ne Un-man­dat be­stä­tigt. Hin­ter­grund war da­bei aber der ter­ro­ris­ti­sche An­griff auf den Eu-staat Frank­reich En­de 2015, des­we­gen lässt sich das nicht auf die­sen Fall über­tra­gen. Al­so ist der Un-si­cher­heits­rat ge­fragt, und da­mit hat Russ­land ei­nen He­bel in der Hand.

Wel­cher Rah­men kol­lek­ti­ver Si­cher­heit ist denn in die­sem Fall ge­fragt: Uno, Na­to oder EU?

Das ist ei­ne wich­ti­ge Fra­ge, des­we­gen ver­ste­he ich nicht, dass die Ant­wort der Mi­nis­te­rin bis­lang aus­steht. Die Na­to ist na­tür­lich die wich­tigs­te Mi­li­tär­or­ga­ni­sa­ti­on, aber dort sit­zen die Tür­ken mit am Tisch. Da ha­ben wir al­so die nächs­te Ve­to-macht. eha

Der Trans­at­lan­tik­ex­per­te Dr. ha­bil. Mar­kus Kaim forscht ein Jahr lang als Fel­low der Zeit-stif­tung und des GMF in Wa­shing­ton D.C.. Er be­ant­wor­tet hier re­gel­mä­ßig zen­tra­le Fra­gen der Zeit.

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