Bru­ta­le Prü­gelat­ta­cke in Han­sa Nord

Ein An­woh­ner stellt in der Berg­stra­ße meh­re­re ran­da­lie­ren­de Ju­gend­li­che zur Re­de und wird von ih­nen kran­ken­haus­reif ge­schla­gen.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von Frank Gro­ne­berg

Der neu ge­stal­te­te Spiel­platz an der Grund­schu­le „Am Bo­ta­ni­schen Gar­ten“scheint zum Fei­er-treff­punkt zu wer­den. Als ein An­woh­ner in der Berg­stra­ße meh­re­re ran­da­lie­ren­de Ju­gend­li­che zur Re­de stell­te, wur­de er kran­ken­haus­reif ge­schla­gen.

Lo­ser“ha­ben Un­be­kann­te jetzt an die Haus­wand ge­sprüht. Ver­lie­rer. Am Don­ners­tag hat Bernd (Na­me ge­än­dert) die Schmie­re­rei ent­deckt. „Das wa­ren wohl die­sel­ben Leu­te“, ver­mu­tet er. Die­sel­ben Ju­gend­li­chen, die vor dem Haus auf ihn ein­ge­prü­gelt und ihm da­bei schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen zu­ge­fügt ha­ben. Doch der Rei­he nach.

Trink­ge­la­ge auf Spiel­platz

Der neu ge­stal­te­te Spiel­platz an der Grund­schu­le „Am Bo­ta­ni­schen Gar­ten“zieht seit Mo­na­ten ein Pu­bli­kum an, das dem Spiel­platz­al­ter längst ent­wach­sen ist. Ju­gend­li­che fei­ern dort am Wo­che­n­en­de Trink­ge­la­ge, grö­len bis in die Nacht, zer­schla­gen Fla­schen. Der Haus­meis­ter der Schu­le muss dann je­des­mal viel Zeit in­ves­tie­ren, um Glas­scher­ben und an­de­ren Müll zu be­sei­ti­gen.

Ha­ben sie ge­nug ge­trun­ken, zie­hen die Ju­gend­li­chen oft ran­da­lie­rend durch die Berg­stra­ße. Sie lau­fen über Au­tos, tre­ten Spie­gel ab. Ei­ner pol­ni­schen An­woh­ne­rin, de­ren Au­to in Słu­bice zu­ge­las­sen ist, bre­chen sie die Schei­ben­wi­scher ab und ste­cken ei­nen Zet­tel ans Au­to: „Du blö­de pol­ni­sche Schlam­pe.“Die Po­li­zei war be­reits mehr­fach im Ein­satz.

Es ist et­wa 21.30 Uhr, als Bernd am 11. Ok­to­ber lau­tes Ge­grö­le von der Stra­ße hört. Vom Kel­ler­fens­ter

aus sieht er vier Ju­gend­li­che, viel­leicht 16 oder 17 Jah­re alt. Ei­ner steht auf dem Au­to sei­ner Frau, wippt auf der Mo­tor­hau­be. „Jetzt reicht es“, denkt er sich, will ihn zur Re­de stel­len. Er greift sich ein Kant­holz, „für mei­ne Si­cher­heit“, geht raus, schnappt sich ei­nen der Jungs und fragt ihn ver­är­gert: „Was soll der Mist?“

Was er erst jetzt sieht: Aus Rich­tung des Spiel­plat­zes kom­men wei­te­re zehn Ju­gend­li­che. Die nun grö­ße­re Grup­pe prü­gelt mit Fäus­ten auf ihn ein. Ir­gend­wann

ge­lingt es ei­nem von ih­nen, ihm das Kant­holz zu ent­rei­ßen. Als sich Bernd weg­dreht, um den Schlä­gen zu ent­ge­hen, wird ihm das Holz so hart auf den Kopf ge­dro­schen, dass die Haut bis auf die Schä­del­de­cke auf­platzt. Blut schießt aus der fast 10 Zen­ti­me­ter lan­gen Wun­de. Der 41-Jäh­ri­ge läuft weg in Rich­tung Haus, meh­re­re Ju­gend­li­che fol­gen ihm. Sein Glück: Zwei Nach­barn grei­fen laut­stark ein, ru­fen die Po­li­zei. Die Ju­gend­li­chen las­sen von ihm ab, ent­fer­nen sich. Ei­ner ruft noch: „Wenn ihr noch nicht ge­nug habt, kommt hoch in den Park – dann be­kommt ihr den Rest.“

Bernd hat nicht nur die Platz­wun­de auf dem Kopf, son­dern auch meh­re­re gro­ße Hä­ma­to­me im Ge­sicht und an­ders­wo. Er wird ins Kran­ken­haus ge­bracht. Die Po­li­zei kommt mit zwei Ein­satz­wa­gen, fahn­det nach der Grup­pe, fin­det sie aber nicht. Das Kant­holz, an dem sich Spu­ren be­fin­den kön­nen, wird nicht si­cher­ge­stellt – es liegt nach wie vor in Bernds Kel­ler. Auch die bei­den Nach­barn, die ein­ge­grif­fen ha­ben, wer­den vor Ort nicht als Zeu­gen re­gis­triert. Die Pres­se­stel­le der Po­li­zei lehnt ei­ne Stel­lung­nah­me da­zu ab, aus „er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den“. Auch die Fra­gen nach frü­he­ren Ein­sät­zen auf dem Spiel­platz und in der Berg­stra­ße und nach et­wai­gen Er­mitt­lun­gen wer­den nicht be­ant­wor­tet.

Blut schießt aus Wun­de am Kopf

Bernd er­stat­tet An­zei­ge ge­gen Un­be­kannt we­gen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung. „Ich se­he nicht ein, dass hier Leu­te frem­des Ei­gen­tum mut­wil­lig zer­stö­ren“, be­grün­det er sein Ein­schrei­ten. „Wenn hier je­der aus Angst nur hin­term Vor­hang steht, dann ist das hier ein ir­gend­wann ein rechts­frei­er Raum.“Es sei „wirk­lich er­schre­ckend, dass die­se Ju­gend­li­chen

über­haupt kei­ne Hemm­schwel­le ha­ben“. Er er­war­te, „dass end­lich Maß­nah­men er­grif­fen wer­den, da­mit hier wie­der Ru­he ein­kehrt“. Sei­ne Frau dankt den Ret­tungs­kräf­ten für de­ren schnel­le Hil­fe.

Stadt sucht nach ei­ner Lö­sung

Die Chan­cen, die Ge­walt­tä­ter zu fas­sen, sind gut, denn: Kurz vor der Prü­gelat­ta­cke war ei­ne Strei­fe des Ord­nungs­am­tes auf dem Spiel­platz und hat die Per­so­na­li­en der Grup­pe auf­ge­nom­men. Ober­bür­ger­meis­ter René Wil­ke be­stä­tigt am Don­ners­tag die­se In­for­ma­ti­on. „Bei uns lau­fen seit län­ge­rem Be­schwer­den auf, von An­woh­nern und von der Schul­lei­tung“, sagt er, „wir su­chen nach ei­ner Lö­sung.“Das Ord­nungs­amt be­strei­fe das Are­al täg­lich, ein Street­wor­ker sei im Ein­satz. Er selbst ha­be mit Ju­gend­li­chen ge­spro­chen. „Es gibt dort drei Grup­pen – zwei ver­hal­ten sich or­dent­lich, die drit­te aber ist mas­siv auf­fäl­lig. Was mich über­rascht: Ein gro­ßer Teil von ih­nen kommt of­fen­bar aus See­low.“Man sei auch in Ge­sprä­chen mit der För­der­mit­tel­stel­le, um das Ge­län­de ein­zäu­nen zu dür­fen. Denn ei­ne För­der­be­din­gung war: Der Spiel­platz ist öf­fent­lich. „Ei­ne Ein­zäu­nung wä­re aber sehr, sehr scha­de, denn dann kä­men auch al­le, die hier spie­len wol­len, nicht mehr rauf.“

Ju­gend­li­che sor­gen seit Mo­na­ten für Är­ger auf dem Spiel­platz der Schu­le in der Berg­stra­ße.

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