Still­stand ist kei­ne Op­ti­on

Yvon­ne Lang­held ist ei­ne der ers­ten Kos­me­tik­stu­dio-be­sit­ze­rin­nen in Berlin, die Nach­wuchs aus­bil­den darf

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - MEISTERFEI­ER 2019 - Von Ma­ria neu­en­dorff

Berlin. Yvon­ne Lang­held ist ei­ne der ers­ten Kos­me­ti­ke­rin­nen in Berlin mit be­stan­de­ner Meis­ter­prü­fung. Da­bei führ­te ihr ei­ge­ner Weg in die Bran­che nur auf Um­we­gen.

Wer in der tru­be­li­gen Grün­ber­ger Stra­ße in Berlin-fried­richs­hain zwi­schen Bis­tros und Spä­tis das Kos­me­tik­stu­dio „Ho­nig­haut“be­tritt, wird sanft ent­schleu­nigt. In­ha­be­rin Yvon­ne Lang­held bit­tet die Kun­den, sich erst ein­mal am Was­ser­spen­der zu be­die­nen und auf ei­nem der Samts­es­sel im plü­schi­gen Leo­par­den­mus­ter Platz zu neh­men. Die gold­brau­ne Ta­pe­te passt gut zum Wein­rot der Be­hand­lungs­stüh­le. Swing-mu­sik du­delt im Hin­ter­grund. Dass Yvon­ne Lang­held we­ni­ge Schrit­te vom Box­ha­ge­ner Platz ei­ne klei­ne Wohl­fühl­oa­se für Kör­per und See­le ge­schaf­fen hat, sieht man auf den ers­ten Blick. Doch was die We­nigs­ten wis­sen: Sie ist nicht nur aus­ge­bil­de­te Kos­me­ti­ke­rin, son­dern hat ge­ra­de ih­ren Meis­ter ge­macht.

Ei­ne ab­so­lu­te Sel­ten­heit in der Bran­che. Erst seit 2016 kön­nen sich Kos­me­ti­ker in Berlin-bran­den­burg wie­der den Meis­ter­brief der Hand­werks­kam­mer er­ar­bei­ten. „Als ich da­von hör­te, ha­be ich so­fort ,hier‘ ge­schrien“, er­zählt die 44-Jäh­ri­ge. Wenn es nach ihr gin­ge, so soll­te so­gar ei­ne Meis­ter­pflicht für selbst­stän­di­ge Kos­me­ti­ker ein­ge­führt wer­den. „Das wird ge­ra­de dis­ku­tiert“, er­klärt die Ber­li­ne­rin, der die Hür­den des Be­rufs mo­men­tan viel zu nied­rig sind. „Je­der, der nur ei­nen Wo­chen­end­kurs be­sucht, kann schon ein Stu­dio auf­ma­chen.“

So ha­be sie auch Kun­den, de­ren Haut­bild sich nicht ver­än­dert oder so­gar ver­schlech­tert hat, weil sie wo­an­ders mit fal­schen Pro­duk­ten be­han­delt wur­den. „Kos­me­tik ist ei­ne Wis­sen­schaft für sich, der Markt ent­wi­ckelt sich ste­tig wei­ter. Ein Lern­pro­zess, der nie auf­hö­ren soll­te“, fin­det Lang­held. In

den Hwk-kur­sen, die sie meist am Sonn­abend und Sonn­tag nach der ei­gent­li­chen Ar­beit be­such­te, konn­te sie un­ter an­de­rem ihr Wis­sen zum The­ma Per­ma­nent-ma­ke-up oder Mi­cro Need­ling er­wei­tern. Bei Letz­te­rem wird durch klei­ne Sti­che die Selbst­er­neue­rung der Haut an­ge­regt. Das soll auch Fal­ten oder Nar­ben mil­dern.

In ih­rem 2005 ge­grün­de­ten Ge­schäft an der Grün­ber­ger Stra­ße 87 hat die Kos­me­tik-ex­per­tin schon vie­les aus­pro­biert. „Aber erst, wenn ich selbst von ei­ner Tech­nik und de­ren Wir­kung über­zeugt bin, kommt sie auch ins Pro­gramm.“

Für die Haa­rent­fer­nung an sen­si­blen Stel­len emp­fiehlt die Frau mit dem kur­zen blon­den Ro­cka­bil­ly-pon­ny auch Su­ga­ring, ei­ne sanf­te ori­en­ta­li­sche Me­tho­de mit Zu­cker­pas­te. Ne­ben ve­ga­nen Hand­pee­lings bie­tet die Ex­per­tin auch Kör­per­straf­fung mit dem Di­vi­nia-sys­tem an. Die Ul­tra­schall-be­hand­lung mit Elek­tro­den, die die Haut ent­schla­cken und for­men soll, kommt aus der Schweiz.

In dem Al­pen­land kam die ge­lern­te Ho­tel­fach­frau vor vie­len Jah­ren erst­mals wäh­rend ei­nes Jobs in ei­nem Fünf-ster­ne-ho­tel mit pro­fes­sio­nel­ler Kos­me­tik in Be­rüh­rung und fing Feu­er.

„Ich war schon im­mer of­fen für Neu­es. Ich kann mit Still­stand nicht viel an­fan­gen“, sagt die Stu­dio-be­sit­ze­rin, die in ih­rer we­ni­gen Frei­zeit ger­ne im Bar­nim Mo­tor­rad fährt.

Für die Aus­bil­dung zur Kos­me­ti­ke­rin ha­be sie sich da­mals auf den Ho­sen­bo­den ge­setzt. Die Ge­büh­ren an der Kos­me­tik­schu­le muss­te sie selbst be­zah­len. „Zu mei­ner Zeit gab es noch nicht die Aus­bil­dung im dua­len Sys­tem.“Als frisch ge­ba­cke­ne Meis­te­rin darf Lang­held nun end­lich auch selbst aus­bil­den. Dass der Nach­wuchs di­rekt im Kos­me­ti­k­la­den ler­nen kann, ist in der Bran­che eben­falls die Aus­nah­me. „Weil man nur mit Meis­ter­brief aus­bil­den darf, gibt es so gut wie kei­ne Lehr­stel­len in den Stu­di­os. Die meis­ten ler­nen so nur an der Schu­le“, sagt die Che­fin, die auch ih­re vier Mit­ar­bei­te­rin­nen im­mer wie­der zu Fort­bil­dun­gen schickt. Ge­ra­de in Sa­chen Per­so­nal­we­sen und Be­triebs­ma­nage­ment ha­be sie auf der Meis­ter­schu­le viel für den All­tag da­zu­ler­nen kön­nen, sagt Lang­held. In den kom­men­den Ta­gen will sie drau­ßen vor der Tür das Wer­be­schild er­neu­ern. Dann soll je­der Kun­de le­sen, dass ihr La­den nun ein Meis­ter­be­trieb ist. „So ein Ti­tel si­gna­li­siert nach au­ßen auch: Wir wis­sen, was wir tun.“

Foto: Ma­ria Neu­en­dorff

Jetzt mit Meis­ter­ti­tel: Yvon­ne Lang­held be­treibt seit 2005 ein Stu­dio in Berlin-fried­richs­hain.

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