Mehr Po­li­zis­ten, mehr Zü­ge und kei­ne neu­en Ta­ge­baue

Knapp acht Wo­chen nach der Land­tags­wahl ha­ben sich SPD, CDU und Grü­ne auf ei­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag für die nächs­ten fünf Jah­re ge­ei­nigt. Das sind die wich­tigs­ten Punk­te.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK - Von Ma­thi­as Haus­ding (mit dpa)

LANDESENTW­ICKLUNG:

„Ke­nia“will Wachs­tum in al­len Lan­des­tei­len. Der Lan­des­ent­wick­lungs­plan wird des­halb „kri­tisch über­prüft“, auch die Vor­ga­ben da­zu, wo Ent­wick­lung statt­fin­den soll. In der Staats­kanz­lei an­ge­sie­del­te „Re­gio­nal­ko­or­di­na­to­ren“sol­len ei­nen kur­zen Draht zwi­schen kom­mu­na­ler Ebe­ne und Lan­des­re­gie­rung hal­ten. Die Zu­sam­men­ar­beit mit Ber­lin et­wa in der Woh­nungs­po­li­tik soll aus­ge­wei­tet wer­den. Auch für Bran­den­burg plant „Ke­nia“ei­ne „Woh­nungs­bau­of­fen­si­ve“. Mit di­ver­sen Pro­gram­men soll künf­tig die Dorf­ent­wick­lung vor­an­ge­trie­ben wer­den.

PO­LI­ZEI UND JUS­TIZ:

Die Zahl der Po­li­zis­ten im Land wird von 8250 auf 8500 stei­gen. An den Ge­rich­ten sol­len je­des Jahr 30 zu­sätz­li­che Rich­ter und Staats­an­wäl­te so­wie 40 Jus­tiz­mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wer­den, um die Ver­fah­ren zu be­schleu­ni­gen. Im Land­tag wird ein Be­auf­trag­ter zur Stär­kung der Rech­te von Po­li­zei­be­am­ten an­ge­sie­delt. Für Bür­ger, die sich von der Po­li­zei un­recht­mä­ßig be­han­delt füh­len, wird ei­ne Be­schwer­de­stel­le ge­schaf­fen.

VER­KEHR:

Die Ko­ali­ti­on will den Schie­nen­ver­kehr aus­bau­en, das heißt: Mehr Zü­ge und dich­te­re Tak­tung. Ziel ist es, an al­len Bahn­hö­fen in Bran­den­burg werk­tags min­des­tens ei­nen St­un­den­takt im Re­gio­nal­ver­kehr ein­zu­rich­ten. Lang­fris­tig sol­len S-bah­nen in Bran­den­burg im Zehn-mi­nu­ten-takt ver­keh­ren. In den Stra­ßen­bau will die neue Lan­des­re­gie­rung 100 Mil­lio­nen Eu­ro und in Rad­we­ge 20 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich in­ves­tie­ren. Der An­teil des Au­to­ver­kehrs soll bis 2030 von der­zeit 60 auf 40 Pro­zent sin­ken.

LAND­WIRT­SCHAFT:

Die Ko­ali­ti­on be­kennt sich zu ei­ner flä­chen­ge­bun­de­nen, re­gio­nal­ver­träg­li­chen und tier­ge­rech­ten Nutz­tier­hal­tung. Man will bis 2021 ei­ne Nutz­tier­stra­te­gie er­ar­bei­ten. Der An­teil der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft soll wei­ter deut­lich er­höht wer­den. Bis 2020 wird auch ein Ak­ti­ons­plan zum In­sek­ten­schutz er­ar­bei­tet und bis 2030 der Pes­ti­zid­ein­satz hal­biert, so der Plan.

NA­TUR­SCHUTZ:

„Beim Na­tur- und Um­welt­schutz wol­len wir an die Er­fol­ge in der Grün­dungs­pha­se un­se­res Lan­des an­knüp­fen“, heißt es im Ko­ali­ti­ons­ver­trag. Un­ter an­de­rem sol­len Na­tur­parks und Bio­sphä­ren­re­ser­va­te per­so­nell ge­stärkt wer­den.

KI­TAS UND BIL­DUNG:

Kinder in den Ki­tas wer­den spä­tes­tens ab 2024 vom drit­ten Le­bens­jahr an bei­trags­frei be­treut. Zu­dem sol­len in Ki­tas und Krip­pen mehr Er­zie­he­rin­nen für klei­ne­re Grup­pen sor­gen. In den Schu­len sind 400 zu­sätz­li­che Stel­len für Leh­rer, So­zi­al­ar­bei­ter und Ver­wal­tungs­kräf­te ge­plant, Kinder wer­den erst ab sechs Jah­ren ein­ge­schult. Be­su­che in Ge­denk­stät­ten der Na­zi-ge­walt­herr­schaft und für Op­fer der DDRZEIT wer­den Pflicht.

FLÜCHT­LINGS­PO­LI­TIK:

Ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber sol­len das Land ver­las­sen. Für Ab­schie­be­haft sol­len wei­ter Plät­ze in an­de­ren Bun­des­län­dern ge­nutzt wer­den. Rei­chen die­se nicht mehr aus, will die Ko­ali­ti­on wei­te­re Maß­nah­men prü­fen. Für die Ab­schie­bung von straf­fäl­li­gen Aus­län­dern soll ei­ne Task Force ge­bil­det wer­den. Die Ko­ali­ti­on be­kennt sich zur Auf­nah­me von Flücht­lin­gen, die aus See­not ge­ret­tet wur­den, in Ab­stim­mung mit dem Bund. Im Rah­men von Hilfs­pro­gram­men sol­len jähr­lich 200 Flücht­lin­ge aus hu­ma­ni­tä­ren Not­la­gen auf­ge­nom­men wer­den. Die Un­ter­brin­gung von Flücht­lings­fa­mi­li­en mit Kin­dern in Ge­mein­schafts­un­ter­künf­ten wird auf ein Jahr be­schränkt.

ENER­GIE:

Kei­ne neu­en und kei­ne Er­wei­te­rung be­ste­hen­der Braun­koh­le­ta­ge­baue. So­mit sol­len auch kei­ne wei­te­ren Dör­fer ab­ge­bag­gert wer­den. Ge­plant ist der Aus­bau der Wind­ener­gie von der­zeit 7000 Me­ga­watt Leis­tung bis 2030 auf 10 500 Me­ga­watt.

AR­BEIT:

Die Ta­rif­bin­dung im Land soll ge­stärkt wer­den. So wird die Lohn­un­ter­gren­ze bei öf­fent­li­chen Ver­ga­ben in Bran­den­burg rasch auf zu­nächst 13 Eu­ro er­höht.

IN­TER­NET:

Bran­den­burg soll bis 2025 ei­ne flä­chen­de­cken­de Glas­fa­ser-in­fra­struk­tur er­hal­ten – mit Vor­rang für re­gio­nal be­deut­sa­me Ge­wer­be­stand­or­te. Ziel: We­der „wei­ße Fle­cken“oh­ne schnel­les In­ter­net noch „graue Fle­cken“oh­ne Glas­fa­ser­an­schluss.

GE­SUND­HEIT UND PFLE­GE:

Al­le Kran­ken­haus­stand­or­te sol­len er­hal­ten blei­ben, das Land för­dert dies jähr­lich mit 110 Mil­lio­nen Eu­ro. In den länd­li­chen Re­gio­nen ist in Kli­ni­ken künf­tig ne­ben der sta­tio­nä­ren auch am­bu­lan­te Ver­sor­gung ge­plant. Mit ei­nem Bud­get von 30 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich will die Ko­ali­ti­on die Aus­bil­dung von Pfle­ge­fach­kräf­ten und Pfle­ge­stütz­punk­ten auf dem Land för­dern.

HAUS­HALT UND FI­NAN­ZEN:

Die Ko­ali­ti­on will für ih­re Vor­ha­ben in den kom­men­den fünf Jah­ren 600 Mil­lio­nen Eu­ro mehr aus­ge­ben, als in der Fi­nanz­pla­nung vor­ge­se­hen war. Da­zu will Ro­tschwarz-grün nach vie­len Jah­ren oh­ne Neu­ver­schul­dung ei­nen neu­en Kre­dit in Hö­he von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro auf­neh­men – für zu­sätz­li­che Pro­jek­te im Nah­ver­kehr, den Neu­bau von Schu­len, Ki­tas und Wohnungen, das Ge­sund­heits­we­sen, die Di­gi­ta­li­sie­rung und den Kli­ma­schutz.

WIS­SEN­SCHAFT:

Der Grund­haus­halt der Hoch­schu­len soll um jähr­lich je­weils fünf Mil­lio­nen Eu­ro schritt­wei­se er­höht wer­den. Es sol­len wei­te­re pra­xis­na­he dua­le Stu­di­en­gän­ge auf­ge­baut wer­den, um den Fach­kräf­te­be­darf zu de­cken.

OST­DEUT­SCHE IN­TER­ES­SEN:

Men­schen mit ost­deut­scher Bio­gra­fie sol­len über Rück­kehr­pro­gram­me und Be­ra­tungs­an­ge­bo­te An­rei­ze zur Rück­kehr in ih­re Hei­mat er­hal­ten. Ge­plant ist au­ßer­dem, dass neu ge­schaf­fe­ne Ein­rich­tun­gen des Bun­des in Bran­den­burg an­ge­sie­delt wer­den sol­len.

Fo­to: Mo­ni­ka Sko­li­mow­s­ka/zb

Mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen: Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) und die Grü­nen-frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Ur­su­la Non­ne­ma­cher stell­ten am Frei­tag ge­mein­sam mit dem Cdu-lan­des­vor­sit­zen­den Micha­el St­üb­gen (v. l.) den Ko­ali­ti­ons­ver­trag vor.

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