Fried­rich Merz stellt die Macht­fra­ge in der CDU

Der frü­he­re Uni­ons-frak­ti­ons­chef wirft Kanz­le­rin man­geln­de Füh­rung vor. Die Jun­ge Uni­on will mehr Ver­ant­wor­tung für Jens Spahn.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E - Von Gui­do Boh­sem

Die in­ner­par­tei­li­che Kri­tik am Füh­rungs­duo der CDU hat an Schär­fe zu­ge­nom­men. Der ehe­ma­li­ge Uni­ons-frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz be­zeich­ne­te das schlech­te Er­geb­nis der CDU bei der Land­tags­wahl in Thü­rin­gen als „gro­ßes Miss­trau­ens­vo­tum“ge­gen die Gro­ko. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel las­se „po­li­ti­sche Füh­rung und kla­re Aus­sa­gen“ver­mis­sen, be­ton­te er.

Durch ih­re Un­tä­tig­keit sei das Er­schei­nungs­bild der Bun­des­re­gie­rung „grot­ten­schlecht“. Zu der eben­falls in die Kri­tik ge­ra­te­nen Par­tei­che­fin An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er sag­te er, es ge­he um die Fra­ge, „wer für uns zu­künf­tig im Kanz­ler­amt ar­bei­ten soll, es geht nicht um die Par­tei­vor­sit­zen­de“. Er ha­be AKK sei­ne Un­ter­stüt­zung zu­ge­sagt, und da­zu ste­he er.

Ähn­lich äu­ßer­te sich auch der ehe­ma­li­ge hes­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ro­land Koch. Die­ser be­klag­te ei­ne Ver­schleie­rung le­gi­ti­mer Kon­flik­te durch For­mel­kom­pro­mis­se. Da­durch wür­de die ge­sell­schaft­li­che De­bat­te ver­engt, schrieb Koch in ei­nem Bei­trag für das Ma­ga­zin „Ci­ce­ro“. „Die Uni­on lässt es zu, dass für je­des Pro­blem ei­ne staat­li­che Re­gu­lie­rung her­bei­ge­ru­fen wird.“

Auch der Vor­sit­zen­de der Cdu-mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung, Cars­ten Lin­ne­mann, üb­te schar­fe Kri­tik an der Bun­des­kanz­le­rin. „Mei­ne Par­tei hat jah­re­lang ein Ar­gu­ment ge­habt – und das ist An­ge­la Mer­kel. Dar­auf ha­ben wir uns kon­zen­triert. Und ha­ben ver­ges­sen, ich will so­gar sa­gen ver­pennt, die Un­ter­schie­de in der Sa­che her­aus­zu­stel­len: Wo­für steht die Uni­on?“

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn rief sei­ne Par­tei zur Kon­zen­tra­ti­on auf die ei­gent­li­che Ar­beit auf. „Gu­te Sach­de­bat­ten mit Pro­fil ma­chen im­mun ge­gen Per­so­nal­de­bat­ten“, sag­te er. Der Vor­sit­zen­de der Jun­gen Uni­on, Til­man Ku­ban, brach­te der­weil Spahn als po­ten­zi­el­len Kanz­ler ins Ge­spräch. „Die Fra­ge stellt sich ak­tu­ell nicht. Aber das Zeug da­zu hat er si­cher­lich“, sag­te er der „Zeit“. Spahn sol­le aber „mehr Ver­ant­wor­tung in un­se­rem Land“tra­gen.

Auch für Gäste­häu­ser der Bun­des­re­gie­rung müs­sen Grund­sät­ze der Wirt­schaft­lich­keit und Spar­sam­keit gel­ten. Das fin­det der Bund der Steu­er­zah­ler. Schloss Me­se­berg in Ober­ha­vel sei teu­er und wer­de kaum ge­nutzt. Des­halb ist es ei­ner von zwei Fäl­len aus Bran­den­burg im am Di­ens­tag vor­ge­stell­ten Schwarz­buch der Geld­ver­schwen­dung.

Jähr­lich rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro kos­tet dem­nach die Be­wirt­schaf­tung des Gäste­hau­ses. Das Kanz­ler­amt ha­be das Schloss von der Münch­ner Mes­ser­sch­mitt-stif­tung als Ei­gen­tü­me­rin ge­mie­tet. Von 2015 bis 2018 wur­de es je­doch nur an durch­schnitt­lich acht Ta­gen ge­nutzt. 13 Mil­lio­nen Eu­ro wur­den von der Bun­des­re­gie­rung un­ter an­de­rem in Si­cher­heits­tech­nik in­ves­tiert.

Park-and-ri­de-park­plät­ze sind ei­ne gu­te Sa­che – aber nicht, wenn sie so ge­baut wer­den wie in Gel­tow bei Potsdam. Das 573 000-Eu­ro-pro­jekt taucht des­halb eben­falls im Schwarz­buch der Steu­er­geld­ver­schwen­dung auf. Haupt­kri­tik­punkt ist, dass der im März die­ses Jah­res er­öff­ne­te Park­platz „so gut wie nicht ge­nutzt“ wer­de. Das räumt laut Steu­er­zah­ler­bund auch die zu­stän­di­ge Ge­mein­de­ver­wal­tung ein.

Bus­spur fehlt, Pend­ler im Stau

Ziel sei ei­gent­lich, dass Ar­beits­pend­ler nach Potsdam hier ih­re Au­tos ab­stel­len und mit dem Bus in die Ci­ty wei­ter­fah­ren. Es gibt Stell­plät­ze für mehr als 100 Au­tos. Das soll die zu­ge­stau­te In­nen­stadt ent­las­ten und die Kli­ma­bi­lanz ver­bes­sern. Al­ler­dings kom­me der ent­spre­chen­de Bus nicht schnel­ler vor­an als die Au­tos, weil er eben­falls oft im Stau ste­he. Grund sei das Feh­len ei­ner Bus­spur. Des­halb nut­ze kaum je­mand den Park-and-ri­de-park­platz. Der Bau ei­ner Bus­spur soll zwar jetzt be­gin­nen, aber le­dig­lich auf ei­nem ers­ten, 300 Me­ter lan­gen Teil­stück kurz vor Potsdam.

Kri­tik­wür­dig sei auch die Kos­ten­ex­plo­si­on bei dem Pro­jekt. Zu­nächst ha­be man mit 225 000 Eu­ro kal­ku­liert. Di­ver­se Um­pla­nun­gen so­wie ein feh­ler­haf­tes Bo­den­gut­ach­ten lie­ßen die Kos­ten stei­gen. Al­lein die über­dach­ten Fahr­rad­stän­der auf dem Park­platz kos­te­ten 30 000 Eu­ro.

Der Lan­des­chef des Steu­er­zah­ler­bunds pro­gnos­ti­zier­te am

Di­ens­tag au­ßer­dem, dass man­che auf Pump fi­nan­zier­te Pro­jek­te der künf­ti­gen „Ke­nia“-ko­ali­ti­on im nächs­ten Schwarz­buch ih­ren Platz fin­den wer­den. Man se­he die von SPD, CDU und Grü­nen ge­plan­te Neu­ver­schul­dung äu­ßerst kri­tisch, sag­te Lud­wig Zim­mer­mann. „Der Kre­dit in Hö­he von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ist ein Ein­falls­tor für un­sin­ni­ge Aus­ga­ben.“Au­ßer­dem wer­de da­mit die ab 2020 gel­ten­de Schul­den­brem­se um­gan­gen.

In Berlin wirft der Steu­er­zah­ler­bund dem Se­nat Geld­ver­schwen­dung in der Woh­nungs­po­li­tik vor. Kri­ti­siert wird der Rück­kauf des Kos­mos­vier­tels in Alt­gli­e­ni­cke und der ver­mehr­te Ge­brauch von Vor­kaufs­rech­ten für Wohn­häu­ser. Teils ver­teu­er­ten die­se Maß­nah­men die Mie­ten, weil der Staat „als zu­sätz­li­cher Nach­fra­ger Spe­ku­lan­ten­prei­se zahlt“. Im Fe­bru­ar hat­te ei­ne städ­ti­sche Woh­nungs­ge­sell­schaft 1821 Woh­nun­gen im Kos­mos­vier­tel für 250 Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück­ge­kauft. Mit die­sem Geld hät­te Berlin 1000 neue Woh­nun­gen bau­en kön­nen, kri­ti­siert der Steu­er­zah­ler­bund.

Ein ku­rio­ser Fall von Ver­schwen­dung ist der Kauf ei­nes gol­de­nen Vo­gel­nests für ei­ne Grund­schu­le in Berlin-bies­dorf, das 92 500 Eu­ro ge­kos­tet ha­be. Das Kunst­werk wur­de im Mai von Un­be­kann­ten ge­stoh­len.

Auch der Bau des Cam­pus Ho­hen­zol­lern­damm durch die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung wird im Schwarz­buch ge­rügt. Die Sa­nie­rung ei­nes Hoch­hau­ses und der Neu­bau ei­nes Ge­bäu­des hät­ten 45 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ge­kos­tet als ge­plant. Man lie­ge nun bei 287 Mil­lio­nen Eu­ro.

Foto: Bernd Sett­nik/dpa

Sehr sel­ten ge­nutzt: Für Schloss Me­se­berg bei Gran­see müs­sen die Steu­er­zah­ler pro Jahr fünf Mil­lio­nen Eu­ro Mie­te auf­brin­gen. Aber laut Steu­er­zah­ler­bund ist im Gäste­haus der Bun­des­re­gie­rung so gut wie nichts los.

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