Un­se­ren Stolz be­hal­ten

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - LESERBRIEF­E -

Zu „Wird im Os­ten zu viel ge­jam­mert?“(Aus­ga­be 23. Ok­to­ber):

Die Fra­ge ist im An­satz falsch, denn was ist aus den Be­trie­ben ge­wor­den, die z. B. das Ver­sand­haus Quelle mit Wasch­ma­schi­nen, Kühl­schrän­ken, Strick­wa­ren, Strumpf­ho­sen und vie­len an­de­ren Ar­ti­keln ver­sorgt ha­ben? Sie wur­den mit Hil­fe der Treu­hand als läs­ti­ge Kon­kur­renz aus dem Weg ge­schafft. Das Ge­biet der ehe­ma­li­gen DDR wur­de wei­test­ge­hend ent­in­dus­tria­li­siert und die Be­völ­ke­rung viel­fach ar­beits­los. Die gut aus­ge­bil­de­te Ju­gend ist in Rich­tung al­te Bun­des­län­der ge­zo­gen, wo es Ar­beit gab, und so wur­de der Os­ten zum Al­ters­heim der Bun­des­re­pu­blik.

Was ist aus den gro­ßen Ver­spre­chun­gen von blü­hen­den Land­schaf­ten ge­wor­den? Im Os­ten sind die Löh­ne im­mer noch un­ter de­nen in den al­ten Bun­des­län­dern. Da­für sind die Ar­beits­stun­den hö­her als im Wes­ten. Das glei­che gilt für die Ren­ten. Wo sit­zen die Dax-kon­zer­ne? Wo wird staat­lich un­ter­stützt For­schung be­trie­ben? Wo­her kom­men über 90 Pro­zent der Ma­na­ger? Wir jam­mern nicht, wir füh­len uns ein­fach ab­ge­hängt und ver­arscht.

Wie kann es sein, dass das fin­ni­sche Bil­dungs­sys­tem vom Kindergart­en an­ge­fan­gen bis zum Abitur in­ter­na­tio­nal an­er­kannt ist und ge­lobt wird. Aber kei­ner darf sa­gen, dass es das Bil­dungs­sys­tem der DDR war, wel­ches Finn­land über­nom­men hat. War­um wur­den die Po­li­kli­ni­ken zer­schla­gen und die Ärz­te muss­ten sich selb­stän­dig ma­chen und ver­schul­den? Das Er­geb­nis ist der heu­ti­ge Ärz­te­man­gel auf dem Land und War­te­zei­ten von über ei­nem Vier­tel­jahr. Das hat­ten wir frü­her nicht. Da gab es auch noch hoch­qua­li­fi­zier­te Ge­mein­de­schwes­tern. Auch die muss­ten aus markt­wirt­schaft­li­chen Grün­den von der Bild­flä­che ver­schwin­den. Wir ehe­ma­li­gen Ddr-bür­ger jam­mern nicht, wir ha­ben un­se­ren Stolz be­hal­ten.

Ro­land Wink­ler Mün­che­berg

Die Au­to­rin ist nur ein wei­te­rer Wes­si, der von den neu­en Bun­des­län­dern noch nichts be­grif­fen hat. Völ­lig in­ak­zep­ta­bel ist es je­doch, von zwei Dik­ta­tu­ren zu spre­chen. Das be­deu­tet ei­ne Gleich­stel­lung von Fa­schis­mus und DDR. Selbst bei der kri­tischs­ten Be­trach­tung der DDR ist das weit von der his­to­ri­schen Wahr­heit ent­fernt.

Diet­mar Ris­to

Bernau

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