Schu­le schafft nicht al­les

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - KULTUR -

Kei­ner kann et­was ge­gen Me­di­en­kom­pe­tenz

sa­gen. Groß­ar­ti­ge Sa­che – die Fä­hig­keit, Me­di­en sinn­voll zu nut­zen, Qu­el­len zu prü­fen und In­hal­te ein­zu­ord­nen. Ab­so­lut ele­men­tar in un­se­rer Zeit. Die Idee, ein sol­ches Fach ver­pflich­tend an Schu­len ein­zu­füh­ren, gibt es schon län­ger. Ak­tu­ell hat sie der Miss­brauchs­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Jo­han­nes-wil­helm Rö­rig, wie­der ins Spiel ge­bracht. Al­ler­dings geht es ihm we­ni­ger um Tech­ni­ken zur Ent­lar­vung von Fa­ke News, son­dern um Wer­te. An­lass ist der Alarm­ruf von Er­mitt­lungs­be­hör­den, dass Kin­der und Ju­gend­li­che im­mer häu­fi­ger Vi­de­os mit ein­deu­tig kin­der­por­no­gra­fi­schen In­hal­ten tei­len. Laut Rö­rig zeu­ge das da­von, dass „ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Um­gang mit di­gi­ta­len Me­di­en nur un­ge­nü­gend ver­mit­telt wird“.

Das stimmt si­cher.

Wo­bei in die­sem Fall das Tei­len ja nur die Spit­ze des Pro­blem-eis­ber­ges ist. Ver­mut­lich soll­te man erst mal da­mit an­fan­gen, dass es nie okay ist, wenn ein Kind ge­quält wird. Ein an­de­res Wort da­für ist Erziehung, und frü­her hät­te man er­war­tet, dass sol­che Ba­sics zu Hau­se ge­lernt wer­den. Heu­te soll es al­so die Schu­le rich­ten. Und wan­dert da­mit auf ei­ne lan­ge Lis­te: ge­sun­des Es­sen, Bü­cher le­sen, grü­ßen; al­les Din­ge, die Leh­rer nach­schu­len sol­len, weil sie den Kin­dern an­schei­nend sonst kei­ner bei­bringt. Schu­le scheint der letz­te Ret­tungs­an­ker ei­ner über­for­der­ten Ge­sell­schaft. Da­zu gibt es auch kaum ei­ne Al­ter­na­ti­ve – wer sonst er­reicht schon fast al­le?

Aber schon jetzt

zeigt sich, dass es nichts bringt, ma­xi­mal viel in den Lehr­plan zu schrei­ben (auch Me­dien­er­zie­hung steht dort längst). Wenn sich schon Recht­schrei­bung nicht ver­läss­lich ein­trich­tern lässt, war­um soll­te das bei Me­di­en­kom­pe­tenz an­ders lau­fen? Schu­le ist mas­siv über­for­dert.

Ei­nen Plan

zur Ent­las­tung hat In­ter­net-vor­den­ker Sa­scha Lo­bo aus­ge­heckt: ra­di­kal auf­hö­ren mit Bil­dung im bis­he­ri­gen Sinn. Schu­le sol­le sich statt­des­sen auf „Er­zie­hungs­leis­tung“kon­zen­trie­ren, „um ein ge­mein­sa­mes zi­vi­li­sa­to­ri­sches Wer­te­f­un­da­ment her­zu­stel­len“, schrieb er auf „Spie­gel On­li­ne“. Bil­dung krie­ge man auch per In­ter­net hin. Zu­min­dest mal ein er­fri­schen­der Vor­schlag! Man er­in­ne­re sich, wie vie­le Kids (und Er­wach­se­ne) durch Blog­ger Re­zo mehr über un­ser po­li­ti­sches Sys­tem ge­lernt ha­ben als wohl je­mals im Un­ter­richt. Und das Wis­sen der Fri­days-for-fu­ture-be­we­gung stammt auch eher von Youtu­be als aus Bio. Schu­le von heu­te könn­te al­so be­deu­ten, das man Kin­dern ver­mehrt bei­bringt, wie sie sich selbst Stoff an­eig­nen; vor­ab wä­re al­so dann doch et­was Un­ter­richt in Me­di­en­kom­pe­tenz …

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