Aus­flug zum Ri­va­len

Seit 25 Jah­ren wird Bie­le­feld in je­der „Wils­berg“-fol­ge er­wähnt. Jetzt spielt der Kri­mi erst­mals kom­plett dort und nicht wie ge­wohnt in Müns­ter.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - MEDIEN - Von Cars­ten Linn­hoff

Die 64. „Wils­berg“-fol­ge hat ei­nen fast 25 Jah­re dau­ern­den Vor­lauf. In je­der seit 1995 aus­ge­strahl­ten Epi­so­de über den kau­zi­gen und stän­dig klam­men Pri­vat­de­tek­tiv Ge­org Wils­berg (Leo­nard Lan­sink) wur­de Bie­le­feld er­wähnt – nur die we­nigs­ten Zu­schau­er wer­den das be­merkt ha­ben. Der Zdf-kri­mi spielt ei­gent­lich in Müns­ter. Die Ein­woh­ner der bei­den Städ­te ver­bin­det ei­ne im­mer­wäh­ren­de Ri­va­li­tät. Mar­tin R. Ne­u­mann ist der zu­stän­di­ge Re­dak­teur beim ZDF. Als ge­bür­ti­ger Bie­le­fel­der konn­te er sich den Ein­bau der stän­di­gen Er­wäh­nung nicht ver­knei­fen.

Und jetzt das. Die nächs­ten zwei Fol­gen spie­len kom­plett im ost­west­fä­li­schen Bie­le­feld – rund 80 Ki­lo­me­ter ent­fernt von Wils­bergs An­ti­qua­ri­at. Los geht es am Sonn­abend mit der Fol­ge „Ins Ge­sicht ge­schrie­ben“. Da­bei pa­cken Do­mi­nic Mül­ler (Re­gie) und Ma­rio Six­tus (Dreh­buch) ein brand­ak­tu­el­les Ei­sen an. Es geht um Da­ten­schutz und all das, was je­der frei­wil­lig über sich im In­ter­net preis­gibt. Die App Face 23 sam­melt al­les zu­sam­men und spuckt nach ei­nem Ge­sichts­scan Er­schre­cken­des über die Per­son aus.

Und so fährt das Wils­berg-team erst­mals nach Bie­le­feld. Steu­er­prü­fer Ek­ki Tal­köt­ter (Oli­ver Ko­ritt­ke) will ei­nen al­ten Kum­pel beim Fi­nanz­amt tref­fen, Kom­mis­sar Over­beck (Ro­land Jan­kow­sky) sich in Sa­chen Di­gi­ta­le Er­mitt­lun­gen bei der Po­li­zei pro­fi­lie­ren, und An­wäl­tin Alex Holt­kampf (Ina Pau­le Klink) wirft sich als Bett­ge­spie­lin in die Ar­me des schmie­ri­gen Fir­men­chefs und spä­te­ren Op­fers. Für Kom­mis­sa­rin Sprin­ger (Ri­ta Rus­sek) war kein Platz mehr in den ver­wor­re­nen Er­zähl­strän­gen. Sie darf Ur­laub ma­chen auf Bor­kum. Denn in Bie­le­feld er­mit­telt nun ein­mal die orts­an­säs­si­ge Po­li­zei. Ei­ne Aus­zeit wä­re auch für Wils­bergs Pa­ten­kind Alex bes­ser ge­we­sen, denn das Dreh­buch will zu viel. Jörg Pintsch spielt den un­sym­pa­thi­schen Ben­ja­min Hel­ler zwar her­vor­ra­gend, aber dass Alex mit die­sem Ekel ins Bett geht – schwer vor­stell­bar.

Scha­de, denn die Fol­ge hat gu­te An­sät­ze. Dass Wils­berg sich als di­gi­ta­ler Nichts­nutz ou­tet, deu­tet ein Pro­gram­mie­rer der um­strit­te­nen App als Pro­blem: „Sie tei­len nichts, Sie pos­ten nichts. Da kann der Al­go­rith­mus nur noch ra­ten, und das macht Sie ver­däch­tig.“Der Pri­vat­de­tek­tiv ist ver­zwei­felt: „Wenn man am dem gan­zen In­ter­net­quatsch nicht teil­nimmt, wird man gleich ver­däch­tig?“Selbst Pro­gram­mie­rer Bru­no Ko­ra­ti (Arnd Kla­wit­ter) kom­men da Zwei­fel: „Für die­se App hier schon. Für die sind Sie ein rich­ti­ger krum­mer Hund.“

Die Grund­idee und die Kri­tik an der neu­en Da­ten­welt sind pas­send – aber Fol­ge 64 will zu viel auf ein­mal. Schließ­lich muss­te auch noch Bie­le­feld vor­kom­men. Und so darf die Spar­ren­burg als Wahr­zei­chen der Stadt nicht feh­len, und gleich zwei­mal fährt Wils­berg im Au­to vor dem Al­ten Rat­haus in der In­nen­stadt vor­bei. Den in Sa­chen Müns­ter und Bie­le­feld neu­tra­len Zu­schau­ern dürf­te das aber egal sein.

„Wils­berg: Ins Ge­sicht ge­schrie­ben“, ZDF, Sonn­abend, 20.15 Uhr

Fo­to: Tho­mas Kost/zdf/dpa

Ver­däch­tig: Über In­ter­net-muf­fel Ge­org Wils­berg (Leo­nard Lan­sink) fin­det die App Face 23 nur we­ni­ge Tref­fer.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.