Kramp-kar­ren­bau­er will Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin plä­diert für mehr Mi­li­tär­ein­sät­ze und hö­he­re Si­cher­heits­aus­ga­ben. Ma­cron stellt der­weil den „Hirn­tod“der Na­to fest.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - VORDERSEIT­E -

Deutsch­land soll nach dem Wil­len von Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin An­ne­gret Kramp-kar­ren­bau­er ei­ne auch mi­li­tä­risch ak­ti­ve­re Gestal­tungs­macht wer­den. In ei­ner Grund­satz­re­de plä­dier­te die Cdu-vor­sit­zen­de für die Schaf­fung ei­nes Na­tio­na­len Si­cher­heits­rats, schnel­le­re Be­schluss­mög­lich­kei­ten für Bun­des­wehr-aus­lands­ein­sät­ze, mehr deut­sche Mi­li­tär­prä­senz in Asi­en so­wie deut­lich hö­he­re Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben.

Kramp-kar­ren­bau­er nann­te da­bei erst­mals das Jahr 2031 als

Da­tum für das Er­rei­chen des um­strit­te­nen Zwei-pro­zen­tZiels der Na­to. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) be­zeich­ne­te dies als „rea­lis­tisch, aber auch am­bi­tio­niert“. Bis­lang hat die Bun­des­re­gie­rung nur ver­ein­bart, bis 2024 1,5 Pro­zent zu er­rei­chen, die kon­kre­ten Sum­men sind in den Etat­pla­nun­gen al­ler­dings noch nicht ab­ge­bil­det.

Die Ein­rich­tung ei­nes Na­tio­na­len Si­cher­heits­rats ist nach An­sicht von Mer­kel ei­ne „rich­ti­ge Idee“, die aber beim Ko­ali­ti­ons­part­ner der­zeit nicht durch­setz­bar sei. Grund­sätz­lich lob­te Mer­kel die Re­de der als Mi­nis­te­rin und Par­tei­che­fin un­ter Druck ste­hen­den Kramp-kar­ren­bau­er als „wich­ti­ge Stand­ort­be­stim­mung“.

Un­ter­des­sen ent­fach­te der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron kurz vor dem 70-Jahr-gip­fel der Na­to ei­ne Grund­satz­de­bat­te. „Was wir der­zeit er­le­ben, ist der Hirn­tod der Na­to“, sag­te Ma­cron der bri­ti­schen Zeit­schrift „The Eco­no­mist“. Es ge­be „kei­ner­lei Ko­or­di­na­ti­on bei stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen zwi­schen den USA und ih­ren Na­to-ver­bün­de­ten“.

Ma­cron be­zog sich so­wohl auf den un­ab­ge­spro­che­nen USRück­zug aus Tei­len Sy­ri­ens als auch auf das tür­ki­sche Vor­ge­hen dort. Mer­kel wies die „dras­ti­schen Wor­te“Ma­crons klar zu­rück. „Das ist nicht mei­ne Sicht“, sag­te sie und ta­del­te den „Rund­um­schlag“als „nicht nö­tig“. Na­to-ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg be­ton­te bei ei­nem ge­mein­sa­men Pres­se­auf­tritt mit Mer­kel sei­ner­seits: „Die Na­to ist stark.“Er warn­te vor „je­dem Ver­such“, Eu­ro­pa von Nord­ame­ri­ka zu ent­fer­nen. eha

150 Me­ter fehl­ten Andre­as Stütz­ner in die Frei­heit. 1980 reis­te der Elek­tri­ker aus Leip­zig mit sei­nem Freund Det­lef Hei­ner nach Bul­ga­ri­en. Ihr Ziel: Grie­chen­land. Sie dach­ten, der Ei­ser­ne Vor­hang sei dort leich­ter zu über­win­den als an der in­ner­deut­schen Gren­ze – ein Irr­tum. Sie wur­den von Gren­zern er­schos­sen. Lan­ge hieß es, sie sei­en vor ih­nen ge­flo­hen. Dass sie ge­ra­de­zu hin­ge­rich­tet wur­den, ist neu.

„Wir ha­ben die Ob­duk­ti­ons­be­rich­te zu­fäl­lig beim Durch­se­hen der Un­ter­la­gen ge­fun­den“, sagt Jo­chen Staadt von der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Staadt lei­tet ei­ne Pro­jekt­grup­pe, die sich mit den Grenz­to­ten be­schäf­tigt, die nicht an der in­ner­deut­schen Gren­ze ums Le­ben ge­kom­men sind. Seit ei­nem Jahr for­schen er und sei­ne Kol­le­gen von der FU so­wie von den Uni­ver­si­tä­ten Greifs­wald und Pots­dam zu dem The­ma, und auch wenn sie noch kei­nen Über­blick über al­le Fäl­le ge­ben kön­nen, sagt Staadt: „Dass es so vie­le sind, das wuss­ten wir nicht.“

Noch 1989 sind min­des­tens 18 Ddr-bür­ger auf der Flucht ums Le­ben ge­kom­men. Vie­le er­tran­ken in Grenz­flüs­sen, die meis­ten wa­ren noch sehr jung. Auch Stüt­zer und Hei­ner wur­den nur 19 Jah­re alt. Ih­re Lei­chen wur­den spä­ter nach Leip­zig zu­rück­ge­bracht, wo sie un­ter­sucht wur­den. Die Er­geb­nis­se, dass kei­ner der bei­den von hin­ten er­schos­sen wur­de, wur­den aber ge­heim ge­hal­ten. Bis­lang sind vor al­lem die To­des­fäl­le an der deutsch-deut­schen Gren­ze un­ter­sucht wor­den, jetzt fol­gen die an den Au­ßen­gren­zen des Ost­blocks. „Da gab es auch Grenz­trup­pen und Si­gnal­zäu­ne“, sagt Staat­dt.

„Ge­wiss­heit und Ge­rech­tig­keit“

Die deut­schen For­scher ar­bei­ten da­für mit Kol­le­gen in den Län­dern selbst zu­sam­men. Mög­lich ist das, weil dort in den Ar­chi­ven jetzt jün­ge­re Men­schen be­schäf­tigt sind, die nichts mehr mit den Vor­gän­ger­sys­te­men zu tun ha­ben. Fi­nan­zi­ell wird das Pro­jekt zu­dem vom Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­um un­ter­stützt. Mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) sag­te die­ser Zei­tung: „Die For­schen­den leis­ten mit ih­rer Ar­beit ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zu Ge­wiss­heit und auch Ge­rech­tig­keit. Auch 30 Jah­re nach dem Mau­er­fall ha­ben wir die Pflicht, ge­nau hin­zu­schau­en, was da­mals pas­siert ist.“

Das spielt auch für vie­le Hin­ter­blie­be­ne ei­ne Rol­le. „In den Un­ter­la­gen, die sie zu se­hen be­kom­men ha­ben, wer­den die Op­fer oft als Ver­bre­cher, als Aso­zia­le dar­ge­stellt“, sagt Staadt. Vie­le An­ge­hö­ri­ge sei­en froh, dies zu kor­ri­gie­ren und Ge­wiss­heit über die Schick­sa­le zu be­kom­men. Sie ahn­ten ja, dass die of­fi­zi­el­len Va­ri­an­ten falsch sind. Als den El­tern von Andre­as Stüt­zer und Det­lef Hei­ner die Über­ga­be der Klei­dung ih­rer to­ten Söh­ne ver­wei­gert wur­de, ver­mu­te­te ei­ner der Vä­ter: „Die hat wohl zu vie­le Lö­cher.“Ma­thi­as Pud­dig

Fo­to: Ni­ko­lay Doychi­nov/afp

An der Gren­ze zwi­schen Bul­ga­ri­en und Grie­chen­land steht das Über­bleib­sel des eins­ti­gen Ei­ser­nen Vor­hangs.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.