Er­folg für Po­lens Op­po­si­ti­on

Die Par­tei von Ja­roslaw Kac­zyn­ski schei­tert bei dem Ver­such, auch die zwei­te Par­la­ments-kam­mer zu über­neh­men.

Märkische Oderzeitung Frankfurt - - THEMEN DES TAGES/POLITIK -

Als sich am Di­ens­tag in Po­len das vor ei­nem Mo­nat ge­wähl­te Par­la­ment kon­sti­tu­ier­te, lag statt Fei­er­lich­keit po­li­ti­sche Hoch­span­nung über die­sem ers­ten Sit­zungs­tag. Schon seit Wo­chen hat­ten sich die Er­war­tun­gen dar­auf kon­zen­triert, ob die Op­po­si­ti­on ih­re bei der Wahl er­run­ge­ne knap­pe Mehr­heit in der zwei­ten Kam­mer des Par­la­ments wür­de ver­tei­di­gen kön­nen.

Denn bei dem Ur­nen­gang am 13. Ok­to­ber hat­te die na­tio­nal-kon­ser­va­ti­ve Pis-par­tei von Ja­roslaw Kac­zyn­ski zwar er­neut die ab­so­lu­te Mehr­heit im Un­ter­haus – dem Se­jm – er­run­gen. In die zwei­te Par­la­ments­kam­mer da­ge­gen – dem Se­nat – wa­ren 51 Ver­tre­ter der Op­po­si­ti­on und nur 49 von der PIS ein­ge­zo­gen.

Zwar un­ter­schei­det sich die Macht des pol­ni­schen Ober­hau­ses stark von der et­wa des Us-re­prä­sen­tan­ten­hau­ses. Selbst neue Ge­set­ze, die der Se­jm künf­tig be­schließt, kann die zwei­te Kam­mer kaum ver­hin­dern. Sie könn­te sie aber ei­ner in­ten­si­ven De­bat­te un­ter­zie­hen. Und solch ein Pro­jekt wie die um­strit­te­ne Jus­tiz­re­form, we­gen der die Pis-re­gie­rung in­ner­halb der EU am Pran­ger steht, könn­te nicht mehr in kurz­fris­tig oder gar nächt­lich ein­be­ru­fe­nen Son­der­sit­zun­gen des Se­nats durch­ge­winkt wer­den.

An­ge­bot für ei­nen La­ger­wech­sel

Des­halb ließ die PIS nichts un­ver­sucht und er­sann im­mer neue Vol­ten, um ih­re Macht auch in der zwei­ten Kam­mer zu si­chern. So ent­hüll­ten Me­di­en noch am Di­ens­tag­mor­gen, dass dem aus dem west­pol­ni­schen Gor­zów stam­men­den Se­na­tor Wla­dys­law Ko­mar­ni­cki das Amt des Sport­mi­nis­ters an­ge­bo­ten wor­den war, falls er ins Pis-la­ger wech­selt. Auch wur­de die na­ment­li­che ge­hei­me Ab­stim­mung am Di­ens­tag noch mehr­fach ver­scho­ben.

Doch kurz nach 19 Uhr stand es fest: Der aus Stet­tin stam­men­de 61-jäh­ri­ge Me­di­zi­ner To­masz Grodz­ki, den die drei im Se­nat ver­tre­te­nen Op­po­si­ti­ons­par­tei­en ge­mein­sam no­mi­niert hat­ten, wur­de mit 51 ge­gen 48 Stim­men zum Se­nats­prä­si­den­ten ge­wählt. Erst­mals seit 1989 über­haupt wer­den da­mit bei­de Kam­mern von Ver­tre­tern un­ter­schied­li­cher Par­tei­en an­ge­führt.

„In un­se­rer Kam­mer wird je­de Po­si­ti­on zu Wort kom­men.“Das hat­te Grodz­ki, der der li­be­ra­len Bür­ger­platt­form an­ge­hört, schon am Mor­gen ver­kün­det. „Und mit mei­nen Er­fah­run­gen als Chir­urg wer­de ich da­für sor­gen, dass die­se De­bat­ten sach­lich ver­lau­fen“, füg­te er hin­zu.

Wie ex­trem Po­len in ver­schie­de­ne po­li­ti­sche La­ger ge­spal­ten ist, hat­te sich auch am Un­ab­hän­gig­keits­tag ge­zeigt, den das Nach­bar­land am Mon­tag ge­fei­ert hat­te. Ne­ben der of­fi­zi­el­len – von der PIS or­ga­ni­sier­ten – Mi­li­tär­pa­ra­de gab es in Warschau gleich drei po­li­ti­sche Auf­mär­sche – den größ­ten von den ex­trem rech­ten Na­tio­na­lis­ten und zwei wei­te­re von Li­be­ra­len so­wie von links­al­ter­na­ti­ven Grup­pen. Die Ab­stim­mung vom Di­ens­tag ist ein Er­folg der Op­po­si­ti­on. Dietrich Schrö­der

Foto: Chris­toph So­eder/dpa

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